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Autogramm Opel Zafira Life Alles im Kasten

Nach 20 Jahren Bauzeit hat Opel den Kompaktvan Zafira eingestellt. Und unter dem Namen Zafira Life einen neuen, größeren Van auf die Räder gestellt. Der soll VW-Bus und Co. Konkurrenz machen.

Der erste Eindruck: Die Fahrscheine bitte! Wer hinter dem Steuer des Zafira Life sitzt, fühlt sich ein bisschen wie ein Busfahrer - vor allem, wenn er im Rückspiegel zwei vollbesetzte Sitzreihen sieht.

Das sagt der Hersteller: Der Boom der SUV-Modelle und das wachsende Angebot an Möchtegern-Geländewagen mit sieben Sitzen auch in der Kompaktklasse machen konventionellen Vans seit Jahren das Leben schwer, sagt Opel-Sprecher Patrick Munsch. Und erklärt damit das Ende des in drei Generationen gebauten Kompaktvans Opel Zafira, der 1999 auf den Markt kam und damals einer der ersten seiner Art war.

Allerdings wachse die Nachfrage nach wirklichen Großraumfahrzeugen beständig. Familien mit mehr als zwei Kindern und raumgreifenden Freizeitvorlieben hätten eine große Vorliebe für kleine Busse entwickelt, ebenso Shuttledienste und Geschäftsleute. Diese Klientel möchte Opel künftig mit dem neuen Modell auf Basis des Kleintransporters Vivaro bedienen. Und weil der Name Zafira durchaus klangvoll ist, soll er auch im neuen Format weiterleben.

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Autogramm Opel Zafira Life: Neue Größe

Foto: Opel

Das ist uns aufgefallen: Der von der hohen Sitzposition gestützte Eindruck des Omnibusfahrens verfliegt schnell, wenn die Fuhre erst einmal in Fahrt kommt. Der Zafira Life fährt so kommod und kultiviert, wie man es von einem Pkw kennt. Die Motoren sind gut gekapselt, sodass kaum mehr ein Mucks nach innen dringt; die achtstufige Automatik schaltet sanft und sauber; das Fahrwerk ist familienfreundlich, der Wind streift leise ums Auto und das Format ist überraschend handlich.

Auch Ambiente und Ausstattung sind, zumindest in den gehobenen Versionen, auf Pkw-Niveau. Verbaut wurden viele weiche Kunststoffe und reichlich Leder, außerdem Extras wie elektrische Schiebetüren, die sich nach einem angedeuteten Fußtritt öffnen, ein Head-up-Display oder ein Tempomat mit Abstandsregelung.

Was den Unterschied zum alten Zafira ausmacht, wird spätestens bei einem Ausflug nach hinten deutlich: Einsteigen ohne sich ducken zu müssen, nach hinten gehen anstatt zu krabbeln, Beinfreiheit wie in der Business-Klasse und hinter der Heckklappe mit dem separat zu öffnenden Fenster selbst beim kleinsten Modell bis zu 3,6 Kubikmeter Laderaum - da beweist der Zafira Life wahre Größe.

Auch wenn der Wagen als Nutzfahrzeug vor allem für große Transportaufgaben entwickelt wurde, hat Opel die beim alten Zafira ausgelebte Liebe zu pfiffigen Details nicht vergessen. So gibt es zwischen den Panoramafenstern im Dach über jedem Platz wie im Flugzeug Licht, Luft und Ablagen, es gibt Klapptische mit integrierter Halterung für den Tablet-Computer und zwischen den Sitzen einen Kasten, der überraschend wandlungsfähig ist. Er bietet Platz für Getränke und allerlei Kleinkram und lässt sich mit zwei Handgriffen in einen Ess- oder Konferenztisch verwandeln.

Das muss man wissen: Konkurrierte der Zafira bislang mit Autos wie dem VW Touran oder dem mittlerweile ebenfalls eingestellten Ford C-Max, tritt das neue Auto nun in einer Liga mit dem VW Bus oder der Mercedes V-Klasse an. Wie diese Konkurrenten bietet auch Opel reichlich Auswahl bei Aufbau und Ausstattung - und eine entsprechend große Preisspanne. Während das Basismodell ab 34.660 Euro zu haben ist, kostet der Zafira Life mit dem längeren der beiden verfügbaren Radstände und der größten von insgesamt drei Karosserievarianten in der Top-Version Life L "Innovation" 52.575 Euro. Und auch dieser Preis lässt sich mit vielen Extras weiter in die Höhe treiben. Nicht umsonst bietet Opel für den Kleinbus fast alles an Ausstattung an, was es auch in einem Pkw zu kaufen gibt.

Unter der Haube stecken - da ist der Zafira Life dann doch ganz Nutzfahrzeug - ausschließlich Dieselmotoren. Los geht's mit einem 1,5-Liter-Vierzylinder mit 102 oder 120 PS, darüber rangieren Zweiliter-Motoren mit wahlweise 150 oder 177 PS Leistung. In der stärksten Variante ist ein Achtstufen-Automatikgetriebe Serie.

Zwar lässt sich der Zafira Life vergleichsweise entspannt bewegen, ist gut gedämmt und fühlt sich mehr wie ein großer Pkw als ein kleiner Laster an, doch die Fahrleistungen kommen an die des bisherigen Zafira und all der anderen Vans nicht heran: Der Sprintwert von 0 auf Tempo 100 liegt zwischen 10,4 und 17,1 Sekunden und das Spitzentempo zwischen 160 und 185 km/h. Auch der Verbrauch ist mit 5,3 bis 6,5 Litern etwas höher. Doch zumindest das lässt sich bald ändern. Denn 2021 will Opel den Zafira Life auch mit Elektroantrieb anbieten.

Das werden wir nicht vergessen: Klappen, schieben, drehen oder ausbauen - kein anderer Opel bietet innen eine solche Variabilität wie der Zafira Life - die Vorgängerbaureihe eingeschlossen. Man braucht zwar etwas mehr Kraft, Geschick und Geduld beim Umbau, kann den Wagen dann jedoch perfekt an die Erfordernisse des Alltags anpassen. So bietet der Zafira Life nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Möglichkeiten als jeder SUV und sichert sich damit, ohne Van und Aber, die Daseinsberechtigung.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorigen Version des Textes hieß es seitens Opel, man könne den Zafira mit Allradantrieb nachrüsten lassen. Diese Aussage zog der Hersteller zurück. Wir haben den Text korrigiert.

Hersteller:Opel
Typ:Zafira Life
Karosserie:Kleinbus
Motor:Vierzylinder-Diesel
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Front
Hubraum:2.000 ccm
Leistung PS:177 PS
Leistung kW:130 kW
Drehmoment:400 Nm
Von 0 auf 100:10,3 Sek.
Höchstgeschw.:185 km/h
Verbrauch (ECE):6,2 Liter
CO2-Ausstoß:143 g/km
umgebaut:3.600 Liter
Gewicht:1.838 kg
Maße:4956 / 2010 / 1890
Preis:41.405 €
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