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Kompaktrad Patria Quirl im Test

Foto: Stefan Weißenborn

Lastenrad Patria Quirl im Test Der Kompaktlader

Kleiner Wendekreis, große Übersicht: Das Lasten-Kompaktrad Quirl von Patria ist für den Großstadtdschungel konzipiert. Zuweilen beeindruckt es durch ein furchteinflößendes Geräusch.

Der erste Eindruck: Kleine Räder zum normalen Rahmen - die Proportionen wirken verschroben, sind aber typisch für ein Kompaktrad. Als hätte man einem alten 26er-Rad aus Gründen einer freakigen Mode zu kleine Felgen angeschraubt. Dazu ist der Radstand gegenüber anderen Kompakträdern vergleichsweise lang.

Das sagt der Hersteller: Das Absonderliche hat Methode. Der lange Radstand beruhige das - wegen der kleinen 20-Zöller - leicht nervöse Fahrverhalten. "Wenn man es schneller fährt, läuft das Quirl ziemlich steif", sagt Patria-Geschäftsführer Jochen Kleinebenne. Auch vollbepackt halte es still.

"Das Quirl ist das erste Kompaktrad, das wir bauen", sagt Kleinebenne. Verkaufsstart soll noch in diesem Frühjahr sein. Das Modell füllt nicht nur beim Hersteller im nordrhein-westfälischen Leopoldshöhe eine Nische. Es gibt wenige Firmen, die Fahrräder dieser Gattung bauen, die irgendwo zwischen Faltrad und normalem Fahrrad angesiedelt ist.

Um Kunden für das Kleinstsegment zu interessieren, hat Patria dem Quirl die Qualitäten eines Kraftprotzes gegönnt. Herstellertypisch fährt es mit ungefedertem Stahlrahmen vor. Gepäckträger sind hinten (für 25 Kilogramm Ladung) wie vorn (zwölf Kilo) montiert. Holzkisten und Packtaschen lassen sich vorn einklinken. Das komplette Taschen-, Kisten- und Körbchenprogramm des Anbieters i:SY sei kompatibel, sagt Kleinebenne. Somit kommt das Quirl als kurzes, aber flexibles Lastenrad light um die Ecke.

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Stefan Weißenborn

Als Fahrradhersteller ist i:SY ein Konkurrent. "i:SY ist der Kompaktradvorreiter, das muss man neidlos anerkennen", räumt Kleinebenne ein. Allerdings reklamiert er ein Alleinstellungsmerkmal: Während die meisten in der Branche ihre Rahmen in Fernost fertigen lassen, werden Patria-Rahmen in Deutschland gebaut. Und der Hersteller lötet dem Kunden auf Wunsch Maßanfertigungen auf den Leib.

Das ist uns aufgefallen: Fast vergessen - das Quirl, wie wir es fahren, ist ein E-Bike. Der montierte Steps E5000 ist mit 2,5 Kilo der bisher leichteste Motor von Shimano und recht zierlich. Doch wirkt er an der klassisch-filigranen Rahmenkonstruktion wie ein Fremdkörper. So auch der am Unterrohr aufgepflanzte Akku.

Immerhin läuft der Motor leise und kurbelt ganz gut mit. Seine maximal 40 Newtonmeter Drehmoment sind allerdings nicht so wuchtig, wie es bei vielen sportlichen Elektrorädern üblich ist. Die Unterstützung fühlt sich natürlich und nie überpotent an.

Auffälliger ist das Fahrverhalten. Das Quirl wird seinem Namen gerecht und lenkt sich kleinrädrig-wendig. Aufrecht sitzend überblickt der Fahrer das Geschehen. Das ist vor allem auf Kurzstrecken in der Stadt angenehm. Die Ballonreifen vermitteln Spurtreue und Komfort - und wirken somit dem kleinen Raddurchmesser entgegen. Federgabel und Dämpfer würden das Fahrgefühl weiter verbessern, das ohnehin grenzwertige Gewicht von 23 Kilo aber weiter erhöhen.

Argwohn erregt die Schaltung, denn sie knackt laut. Was Shimano zur Nexus Inter-5E schreibt, klingt eigentlich gut: Speziell für E-Bikes sei sie konstruiert und könne höhere Drehmomente verarbeiten, sei also haltbarer. Auf der Ebene wechselt die Schaltung in der elektronischen Di2-Version vollautomatisch ihre fünf Stufen, wenn auch in großen Sprüngen. Die Sensorik erkennt, wenn der Fahrer anhält und schaltet dann selbsttätig in den Ersten. Das ist komfortabel, wenn es weitergeht.

Spätestens an Steigungen jedoch kracht es im Gebälk. Wenn es langsamer vorangeht, schaltet die Nexus herunter. Da der Fahrer aber in die Pedale tritt, um Tempo zu halten, wechselt der Gang lautstark unter Last. Das nährt Zweifel am Haltbarkeitsversprechen. Wen das zu sehr stört, der wechselt womöglich besser in den manuellen Modus.

Das muss man wissen: Das Quirl kann zwar längst nicht so viel Ladung aufnehmen wie ein ausgewachsenes Lastenrad, doch die Packeselqualitäten sind für seine Dimensionen ausgeprägt. Tatsächlich beruhigt sich sein Fahrverhalten, als wir ihm Ladung in Form von zwei Säcken Kaminholz aufschnallen. Gut ins Konzept passt das robuste Stahlskelett. 15 Jahre Garantie gibt Patria auf den Rahmen.

Kompaktrad Patria Quirl

Motor: Shimano Steps E5000, 250 Watt (optional E8000)
Akku: 418 Wh (optional 504 Wh)
Tretunterstützung: bis max. 25 km/h, abschaltbar
Rahmen: Stahl, vier Größen, Maßanfertigungen möglich
Schaltung: Shimano Automatik mit 5 Gängen
Bremsen: Shimano-Scheibenbremsen
Bereifung: Schwalbe Super Moto-X 62-406 (20x2,4)
Gewicht: 23 kg
Preis: 3859 Euro (Version ohne Motor ca. 1700 Euro)

Der Hersteller setzt auf teure Komponentengruppen. Bei den hydraulischen Scheibenbremsen setzt er auf Mountainbike-Ware – die Deore-Gruppen zählen zum Besten, was Shimano für diese Art Fahrräder zu bieten hat. Allein der Ledersattel vom britischen Traditionshersteller Brooks kostet weit über 100 Euro. Die Gepäckträger steuert Racktime bei.

Einen Schönheitsfehler hat das Quirl allerdings: Sämtliche Züge und Leitungen sind außen geführt. Bei Patria hat man sich dagegen entschieden, sie einzufädeln – "um das Rohr nicht zu schwächen", sagt Kleinebenne. Löcher im Rahmen seien immer ein Schwachpunkt. Und den darf sich das quirlig-pragmatische Kompaktrad in dieser Preisklasse nicht leisten.

Das werden wir in Erinnerung behalten: Ein individueller und gelungener erster Ausflug in die Kompaktklasse - auch, wenn es manchmal knackt.

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