Pedelec-Selbstversuch Ich hab mich eingependelt

Christoph Stockburger, bisheriger Rad-Verweigerer, hat ein Elektrofahrrad getestet. Macht es aus ihm einen Pedelec-Pendler? Fazit eines Selbstversuchs.
Pedelec von Vanmoof

Pedelec von Vanmoof

Foto: SPIEGEL ONLINE

Worum gings?

Ich wohne rund 17 Kilometer von meinem Arbeitsplatz entfernt und war bisher zu faul, um mit dem Rad zu fahren. Für einen Selbstversuch habe ich mich aufgerafft - und bin mit einem Elektrofahrrad gependelt. Morgens 50 Minuten hin zur Arbeit und nach Feierabend 50 Minuten zurück.

Was bisher geschah

Ich habe die Vorzüge einer täglichen Radtour zu schätzen gelernt und ihre Schattenseiten erlebt. Das ist der vierte und letzte Teil des Selbstversuchs - Zeit für ein Resümee.

Das Fazit

Insgesamt war ich mit meinem Test-Elektrorad, dem Vanmoof Electrified S, zufrieden. Ich würde es weiterempfehlen - allerdings nur für Pendler, die ein so flaches Streckenprofil wie ich haben und einen ähnlichen Fahrstil pflegen.

Ich bewältige auf meinem Weg keine nennenswerten Steigungen und gondle meistens mit einem Tempo um die 25 km/h vor mich hin. Dank der Hilfe des E-Motors musste ich mich dazu kaum anstrengen - auch wenn Vanmoofs Bezeichnung "No Sweat" (kein Schweiß) für die höchste Stufe der Tretunterstützung ein bisschen zu viel verspricht. Großer Vorteil für selbsternannte Ästheten und Best Ager: Während das Pedelec immer noch als das Seniorenschnitzel unter den Fahrrädern gilt, macht man mit dem Vanmoof selbst im Gentrifizierungsviertel bella Figura.

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Pendler, die sich über Hügel quälen müssen, werden an diesem Elektrofahrrad aber wohl wenig Freude haben: Weil es nur zwei Gänge hat und zudem automatisch schaltet, ist es am Berg ziemlich unpraktisch. Der geringe Spielraum beim Schalten macht das Vanmoof außerdem für all jene uninteressant, die gerne etwas schneller fahren und hohe Gänge brauchen - bei 25 km/h schaltet sich dann auch der E-Motor ab, so will es das Gesetz.

Mich persönlich schreckt momentan auch noch der Preis von mindestens 2220 Euro ab. Schon klar: Für ein Pedelec ist das nicht unerhört viel, und für ein richtig gutes Fahrrad ohne Motor muss man mindestens die gleiche Summe veranschlagen - aber für meine vergleichsweise bescheidenen Ambitionen ist das eine zu hohe Investition.

Ich habe dem Vanmoof trotzdem eine Einsicht von unschätzbarem Wert zu verdanken: Nämlich, dass 17 Kilometer mit dem Rad gar nicht so schlimm sind. Auch dann nicht, wenn man sie ohne Motorunterstützung zurücklegt.

Es geht auch ohne E-Motor

Es geht auch ohne E-Motor

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Ich kann es bezeugen. Denn nachdem das Pedelec abgeholt wurde, war ich bereits süchtig nach der täglichen Bewegung - und bin mit meinem blauen Herrenrad zur Arbeit gefahren. Natürlich habe ich den Boost-Button vermisst. Und gleich auf den ersten beiden Kilometern habe ich ordentlich Puste gebraucht, das war ich von den Pedelec-Fahrten nicht gewohnt. Aber unterm Strich lautet mein Fazit: halb so wild. Weder habe ich viel länger für die Strecke gebraucht, noch war ich am Ziel völlig erledigt.

Um also die Ausgangsfrage dieses Versuchs zu beantworten: Nein, ich werde wahrscheinlich kein Pedelec-Pendler. Aber dafür habe ich mein Potenzial zum Normalo-Fahrrad-Pendler entdeckt.

Der Grund ist in meinem Fall einfach: Ich habe festgestellt, dass man nach der Radtour am Morgen einen gewissen Schwung für den ganzen Tag mitnimmt. Das gute Gewissen, sich bewegt zu haben. Statt in der S-Bahn ständig aufs Smartphone zu glotzen oder mit dem Auto durch verstopfte Straßen zu schleichen, ist es viel befriedigender, mal eine knappe Stunde einfach nur zu strampeln.

Ein Schönwetterradler bleibe ich trotzdem für alle Zeiten, außerdem werde ich mir mittelfristig wohl ein schnittigeres Rad zulegen müssen.

Habe ich schon erwähnt, dass ich den Boost-Button vermisse?

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