Peugeot 106, Baujahre 1996 und 1998 Ein Freund, ein guter Freund

Die meisten deutschen Autos haben bereits einige Jahre auf dem Buckel. SPIEGEL-ONLINE-Leser Stefan Solle kann gleich von zwei Altwagen berichten: Als eingefleischter Peugeot-Fan kennt er nicht nur den 106 aus dem Baujahr 1996, sondern auch das zwei Jahre später montierte Modell.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren. So alt war der Fahrzeugpark hierzulande noch nie. SPIEGEL ONLINE testet mithilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Stefan Solle, der zur Zeit in Brüssel wohnt, über zwei Peugeot 106 aus den Baujahren 1996 und 1998.

Mein erstes Auto, ein dunkelroter Peugeot 106 XN mit 45 PS aus dem Jahr 1996 haben mir meine Eltern im Herbst 1998 zur endlich bestandenen Fahrprüfung geschenkt. Nach drei glücklich gemeinsam verlebten Jahren ging dieses Auto in den Besitz meiner Schwester über, die nun auch ihren Führerschein in den Händen hielt, und ich war auf der Suche nach einem neuen fahrbaren Untersatz – natürlich musste es wieder ein 106 sein.

Ich wurde fündig und fahre nun seit mittlerweile fast fünf Jahren einen ebenfalls dreitürigen Peugeot 106 XR, dessen Motor aus einem Hubraum von wenig mehr als dem Rauminhalt einer Milchflasche (1124 cm³) immerhin 60 muntere Pferdchen mobilisiert. Auf 100 Kilometer verbraucht die Maschine etwa 6,3 bis 6,7 Liter Superbenzin, sein kleiner Bruder mit 45 PS gab sich mit 6 bis 6,3 Litern zufrieden - mit mir am Steuer.

Bei meiner Schwester hingegen ist der Verbrauch fast einen Liter höher. Ich möchte nicht wissen, wie sie den Kleinen quält. Ich muss jedoch zugeben, auch nicht gerade zimperlich mit dem Gaspedal umzugehen. Wenn ich meinen rechten Fuß beharrlich durchdrücke und die Bergabfahrt lang und steil genug ist, überwindet die Tachonadel des 60-PS-Boliden auf Autobahnfahrten sogar manchmal die magische Marke von 200 km/h.

Mit seinem Alter repräsentiert mein aktuelles Löwenbaby ziemlich genau das deutsche Durchschnittsauto: Der Wagen rollte im März 1998 vom Band und ist damit reichlich acht Jahre alt. Die Serienausstattung des XR hebt sich von der des XN durch ein Hubschiebedach, elektrische Fensterheber, mit Velours bezogene Sitze und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung ab. Um den Peugeot damit betont lässig aus dem Handgelenk heraus zu öffnen oder zu schließen, bedarf es einiger Übung. Man muss mit dem Schlüssel schon sehr genau auf den Empfänger neben dem Innenspiegel zielen, um dem Schließmechanismus eine Reaktion zu entlocken. Aber angeben kann und will man mit diesem Wagen sowieso nicht.

Und gerade das macht ihn so sympathisch. Ich habe den kleinen Franzosen als grundehrlichen und unaufgeregten Begleiter schätzen gelernt, der zuverlässig seiner Hauptbestimmung, dem Fahren von A zu welchem B auch immer, nachkommt. Das gleiche ist zu dem Auto meiner Schwester zu sagen, das trotz seiner mittlerweile zehn Lenze und einer Laufleistung von über 146.000 Kilometern keinerlei Probleme macht. Beide Autos verbrauchen kaum Öl, Rost ist ein Fremdwort. Ich verwöhne die beiden allerdings auch regelmäßig mit Handwäschen und anschließenden Wachsmassagen.

Nur mein jetziger 106 ließ mich vor etwa vier Jahren einmal im Stich: Beim Heranrollen an eine rote Ampel kuppelte ich aus, worauf der Motor abstarb und sich erst nach unzähligen Zündschlüsseldrehungen, Streicheleinheiten und Flüchen zu einem Neustart bewegen ließ. Ich konsultierte sofort die Vertragswerkstatt meines Vertrauens, dort funktionierte der kleine Peugeot natürlich tadellos, ein Fehler war nicht feststellbar.

Ich fuhr also unverrichteter Dinge wieder los – um an besagter Ampel erneut liegen zu bleiben. Diesmal blieben alle Wiederbelebungsversuche ergebnislos. Als der herbeigerufene Peugeot-Mechaniker ihn dann starten wollte, sprang er sofort an und machte mich damit vollends lächerlich. Ich überließ ihn zur Strafe für nahezu eine Woche der Werkstatt, aber der Fehler wurde nicht gefunden. Er ist auch nie wieder aufgetreten.

Alles in allem: Ich bin sehr zufrieden und zuversichtlich, noch lange Freude am 106 zu haben. Altmetall? Pah!



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Prach, 31.07.2006
1. Ziemlich zuverlässig...
Ich hatte bislang zwei Peugeot, einen 205 Look Baujahr 1990 (gefahren bis 1998) und derzeit einen 106 Sketch (Baujahr 1998). In beiden Fällen Benziner mit 60 PS. Den 205 fuhr ich insgesamt 195.000 Kilometer, wobei eigentlich nur die ständig rostenden Auspuffe negativ auffielen. Zudem mußte der Anlasser bei 130.000 km getauscht werden (kratzendes Geräusch und ab und an Festhängen beim Anlaßversuch), und die vorderen Kardangelenke hatten Spiel (was aber nicht weiter störte). Ansonsten extrem sparsam (unter 5 Liter) und ziemlich zuverlässig. Ab und an gab es mal Zündaussetzer und Motorruckeln, ansonsten hielt das Auto die ganze Distanz problemlos durch. Der nächste Wagen war dann der 106, der inzwischen rund 188.000 km auf dem Tacho hat. Auch hier sehr niedriger Verbrauch, keinerlei Ölverbrauch und sehr hohe mechanische Zuverlässigkeit. Der Anlasser kratzt zwar auch, was ich durch frühzeitiges Loslassen des Zündschlüssels teilweise umgehe. Der Auspuff ist wesentlich besser gegen Rost geschützt und mußte bei 125.000 km ausgetauscht werden. Auch hier traten Zündaussetzer zu Anfang auf, sowie erhebliches Motorruckeln im Leerlauf. Dies wurde durch Austausch des Steuergeräts auf Garantie behoben. Seitdem tritt Zündunwiligkeit bei großer Feuchtigkeit sporadisch auf, was durch Feuchtigkeitseintritt in den Zündverteiler verursacht wird (feine Haarisse im Gehäuse laut Werkstatt, wurde schon zweimal behoben). Ansonsten wirkt der Wagen sehr solide, auch die Karosserie ist absolut rostfrei und verwindungssteif. Getriebe, Kupplung usw. sind in Ordnung, der Benzinverbrauch sinkt eher, und ich bin noch nie liegengeblieben. Alles in allem also recht zuverlässig (speziell, wenn ich in Testberichten lese, was hinsichtlich der Elektronik bei "Premium-Marken" so alles ausfällt...). Einziges Manko - meine 180 cm passen nicht so recht hinter das große Lenkrad (insbesondere das rechte Knie). Zum Glück ist der Fahrersitz inzwischen etwas zusammengesunken, so daß das Problem inzwischen kleiner geworden ist :-) Für den damals extrem günstigen Preis von umgerechnet 8000 Euro (abzüglich der 1000 Euro für meinen 205) jedenfalls ein gutes Angebot.
Penthi, 01.08.2006
2.
---Zitat von sysop--- Der Verkehr auf deutschen Straßen wird von Altwagen dominiert, die fünf, zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Peugeot-Modellen? ---Zitatende--- Meine Erfahrung mit alten Peugeot-Modellen besteht darin, dass ich seit ungefähr vier Jahren zweimal im Monat von einem italienischen Peugeotbesitzer gefragt werde, ob ich nicht meinen Toyota Starlet, Bj.93 gegen sein Auto, Modell 106,Bj.97/125.000 km, eintauschen möchte, er bietet mir noch 2.500 Euro dazu. Mittlerweile hat es sich ritualisiert und verläuft wortlos. Er schaut fragend, ich winke ab. Ich wüsste kein besseres Auto als den Toyota Starlet, bei dem ich mit einer Laufleistung von 110.000 km in 13 Jahren genau einmal zwangsweise die Reifen erneuern musste. Rein prophylaktisch habe ich noch etwas austauschen lassen, dass so ähnlich wie ein Keilriemen funktioniert, ist aber keiner. Auf jeden Fall ein Verschleißteil, das angeblich für 90% aller Motorentotalschäden verantwortlich ist, weil wohl das Getriebe dann nicht mehr funktioniert. Das hat 120 Euro gekostet. Dazu die Reifen, und einmal Zündkabel erneuern, das ist doch nix. Kein Wunder, dass alle meinen Toyota Starlet haben wollen. Und weit und breit keine Roststelle. Das Auto kann locker 160 km fahren. Wenn man das nicht tut, reicht eine Tankfüllung für momentan 40 Euro 520 km weit. Und mein Auto hat auch nichts "auf dem Buckel", sondern die 60 angeblich "individuellen" Modelle sämtlicher Autohersteller, alle silbernfarben, alle identisch, die mich überall penetrant umgeben, sehen aus wie Buckel auf vier Rädern.
peeka, 01.08.2006
3. 205er Cabrio
Habs leider gerade verkauft, weil ich derzeit Rapsölgolf (Baujahr 1992) fahre. Hatte es aber mit knapp 90.000 km für 1.600 € erworben und bin gut 100.000 km selbst noch mit gefahren, meine Tante noch ein paar Kilometer, so dass der Tacho jetzt bei 216.000 km stand. Auspuffrost und Radlager sowie Achsmanschetten sind bekannte Probleme, aber Verbrauch im Sommer oft 6 l und nichts, was wirklich kaputt gehen konnte. Das ist der Vorteil, wenn die Elektronik auf das Minimum beschränkt bleibt. Der Verbrauch ist mal auf etwas über 7 l gestiegen, als das Cabrio zum Baustellenpickup wurde bzw. ein paar Hundert Kilo Fliesen transportiert wurden... Ich kann es nur jedem Fahranfänger und allen, die gern offen fahren, aber wenig Geld ausgeben wollen, wärmstens empfehlen.
mac105, 01.08.2006
4.
Artikel Zitat: -------- Wenn ich meinen rechten Fuß beharrlich durchdrücke und die Bergabfahrt lang und steil genug ist, überwindet die Tachonadel des 60-PS-Boliden auf Autobahnfahrten sogar manchmal die magische Marke von 200 km/h. -------- Die Modellreihe scheint ziemlich optimistische Instrumente zu besitzen ;-) Ich kenne Peugeot nur von meinen Großeltern (erst 205, dann 106). Trotz weniger als 10 Tkm pro Jahr aller 2 Jahre neuer Auspuff. Ansonsten recht zuverlässig. Die Fahrwerke immer unerträglich schwammig, Lenkung genauso. Hier sind andere Kleinwagen viel besser. Ansonsten innen die klassenübliche Plasikwüste, französischer Charme sieht anders aus.
der_ponk 01.08.2006
5. 205 CJ Cabrio 60PS BJ 93
Ich fahre seit 2000 einen 205 CJ Cabrio mit dem 1,1l 60PS Benzin-Motor, BJ 10/93. 2000 habe ich 6000 DM dafür bezahlt. Mittlerweile sind ca. 110000 km drauf - ich brauche eigentlich momentan kein Auto, weil ich nahe der Innenstadt wohne. In der Situation ist der Wagen ideal. Super ist die Substanz. Kein nennenswerter Rost, der (weiße) Lack sieht immer noch prima aus, der Motor läuft prima, der Wagen ist pannenfrei (seit 13 Jahren - kenne auch den Vorbesitzer) und immer angesprungen - auch wenn er draußen steht. OK - ich wollte mal interessehalber sehen, wann die erste Batterie schlappmacht. Nach 10 Jahren und einer Parkdauer von 14 Tagen war es dann so weit. Das Fahrwerk ist prima - wendig und präzise - Stoßdämpfer zeigen keinerlei Abnutzung - nichts wippt oder schaukelt. Schlecht sind die etwas anfälligen Manschetten an der Vorderachse. Die haben bei mir zwar nie zu Funktionsbeeinträchtigungen geführt - wenn TÜV fällig war, wurden aber mitunter schon Reparaturen fällig. Die letzten beiden TÜVs (gerade gabs den neuen bis 2008) und die Wartungen der letzten drei Jahre erforderten allerdings keine Reparaturen. Der Verschleiß der original-Bremsscheiben ist zu hoch und der original-Endschalldämpfer rostet sehr schnell weg. Habe beides erfolgreich durch viel billigere Alternativ-Ersatzteile behoben. Ansonsten: 5,5-6,5l Verbrauch, praktisch kein Ölverbrauch, vor einiger Zeit nochmal über den Gotthard gejagt (nonstop von Bonn nach Ascona). Außerdem gut: Für ein Cabrio eher unüblich aber sehr praktisch ist die Möglichkeit, die Sitzflächen der Rückbank abzuklappen, so dass man nach dem Umlegen der (geteilten) Rückbank eine plane "Ladefläche" hat. Bei schönem Wetter kann man Sachen transportieren, die nicht einmal in einen großen Kombi gehen (besonders, wenn man sie am Überrollbügel verzurrt). Zusammenfassend würde ich den Wagen also sicher nochmal kaufen und werde ihn, wenn ich keinen Reisewagen brauche, wohl noch mindestens bis 2008 fahren.
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