Autogramm Peugeot 208 Liberté, Égalité, Électricité

Diesel, Benziner oder eine E-Maschine - beim neuen Kleinwagen 208 lässt Peugeot den Kunden die freie Wahl beim Antrieb. Diese Freiheit endet jedoch im Innenraum: Dort regiert die Gleichheit.

DER SPIEGEL

Von Thomas Geiger


Der erste Eindruck: Der neue Peugeot 208 sieht aus wie Asterix nach einer Pulle Zaubertrank - klein, kräftig und ziemlich mutig.

Das sagt der Hersteller: "The Power of Choice", so umschreibt Peugeot-Produktmanager Guillaume Clerc die Strategie für den neuen 208. "Bei uns können sich die Kunden frei entscheiden, ob sie einen Benziner wollen, einen Diesel oder ob sie schon reif sind für die Elektromobilität." Kompromisse müssten dabei nicht gemacht werden, denn weder beim Design gebe es Unterschiede, noch bei den Platzverhältnissen.

Was nach Entgegenkommen gegenüber der Kundschaft klingt, komme auch den Planern im Mutterkonzern PSA entgegen, räumt Clerc ein. Denn niemand könne derzeit sagen, wie sich der Elektroauto-Absatz entwickeln werde. "Mit unserer Multi-Energie-Plattform sind wir flexibel und können mit fünf Prozent Elektro-Anteil genauso gut leben wie mit 30 Prozent", sagt Clerc. Obwohl bei den aktuellen Vorbestellungen die E-Quote bei 25 Prozent liegt, rechnet Clerc insgesamt mit rund 10 Prozent E-Varianten. "Das ist auch die Größenordnung, auf die wir uns einstellen", ergänzt Steffen Raschig, Chef von Peugeot in Deutschland.

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Autogramm Peugeot 208: Große Auswahl

Die Kunden haben nicht nur beim Antrieb die Wahl, sie sind in gewisser Weise sogar beim Design flexibel. Denn der 208 ist auch deshalb so mutig peppig und polarisierend gestaltet und erlaubt sich ein derart futuristisches Interieur, weil er einen - nun ja - eher konservativen Cousin bekommt. Denn auf der gleichen PSA-Plattform mit den identischen Motorisierungen erscheint auch ein neuer Opel Corsa.

Das ist uns aufgefallen: Ähnlich wie die Schwestermarke DS hat es Peugeot in den vergangenen Jahren geschafft, den Autos einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter zu geben. Der 208 legt jetzt nochmal einen drauf. Denn es gibt nicht nur die schicke Klaviatur mit den zentralen Schaltern in der Mittelkonsole, die Sensorfelder und den Touchscreen sowie das ungewöhnlich kleine Lenkrad mit den weit nach oben gerückten Cockpit-Instrumenten. Sondern die Anzeigen des sogenannten i-Cockpit wirken durch einen optischen Trick jetzt auch noch dreidimensional.

Mit diesem ungewöhnliche Ambiente sticht der 208 aus der Menge der Kleinwagen heraus - und die Auswahl unter drei Antriebsarten ist in dieser Klasse, abgesehen von den Schwestermarken DS und Opel, (noch) konkurrenzlos. Schon mit dem 101-PS-Benziner aus der Mitte der Motorenpalette, dem Peugeot den größten Verkaufsanteil zurechnet, ist man mehr als ausreichend motorisiert. Zudem ist die neue Plattform für den 208 nicht nur um 30 Kilo leichter geworden, sondern auch steifer und durch die größere Stabilität vor allem leiser.

Doch beim Fahren gibt sich das Auto eher gewöhnlich - egal, ob als Benziner, Diesel oder mit Akku. Und zum echten Pulsbeschleuniger fehlt dem Auto fahrerischer Pep. Dafür ist die Lenkung zu indifferent und das Fahrwerk zu sehr auf Komfort ausgelegt. Insgesamt wirkt das Fahren fast ein bisschen nebensächlich. Der optisch langweiligere Opel Corsa bringt da - so war es zumindest bei den Testfahrten mit dem Prototyp - das Blut ein bisschen stärker in Wallung.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Peugeot 208 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das eher nüchterne Fahrverhalten ist nicht der einzige Kritikpunkt am 208. Auch beim sogenannten Package hat Peugeot ein bisschen geschlampt. Denn so bequem die Sitze vorn auch sein mögen und so viel Platz man dort hat, kommt hinten nichts davon an, dass der neue 208 um rund zehn Zentimeter in die Länge gegangen ist und nun 4,06 Meter misst. Die Kniefreiheit im Fond ist mäßig und der Kofferraum ist gegenüber dem Vorgängermodell um 20 auf 265 Liter geschrumpft. Auch das macht der identisch lange Corsa etwas besser und bietet 15 Prozent mehr Ladevolumen.

Das muss man wissen: Bestellen kann man den Peugeot 208 seit ein paar Wochen, zu den Händlern kommt er ab November. Während man mit den Verbrennern dann sofort vom Hof fahren kann, wird der e-208 mit Blick auf die CO2-Vorgaben aus Brüssel erst im neuen Jahr ausgeliefert. Die Preise für den Verbrenner beginnen bei 15.490 Euro, das E-Modell kostet mindestens 30.450 Euro.

Dafür gibt es einen 100-kW-Motor und einen Akku mit 50 kWh Speicherkapazität. Das reicht für Geschwindigkeiten bis 150 km/h und nach WLTP-Norm für 340 Kilometer Reichweite. Bei den Verbrennern hat man die Wahl zwischen einem 1,2 Liter großen Dreizylinder-Benziner mit 75, 101 oder 131 PS oder einem Vierzylinder-Diesel mit 1,5 Liter Hubraum, der 102 PS leistet.

Besonders stolz ist Peugeot auf die vielen Assistenzsysteme des 208, die sonst eher in höheren Klassen angeboten werden. So gibt es unter anderem eine automatische Abstandsregelung mit Stop-and-go-Funktion sowie eine Spurführungshilfe mit aktivem Lenkeingriff. Allerdings kostet das alles extra - ebenso wie das 3D-Cockpit. Auch ohne Elektromotor kann man den Preis daher nahe an die 30.000-Euro-Marke treiben.

Das werden wir nicht vergessen: Das weiterentwickelte i-Cockpit, dessen digitale Anzeigen nun durch die Projektion auf mehrere, hintereinander gestaffelte Kunststoffscheiben einen 3D-Effekt bekommt. Das sieht nicht nur einzigartig aus, sondern ist nach Untersuchungen der Entwickler auch leichter abzulesen und spart so bei der Informationsaufnahme eine halbe Sekunde. Bei Tempo 100 legt man in dieser Spanne 15 Meter zurück.

Fahrzeugschein
Hersteller: Peugeot
Typ: 208 (2019)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.200 ccm
Leistung: 101 PS (74 kW)
Drehmoment: 205 Nm
Von 0 auf 100: 9,9 s
Höchstgeschw.: 188 km/h
Verbrauch (ECE): 4,2 Liter
CO2-Ausstoß: 97 g/km
Kofferraum: 265 Liter
umgebaut: 1.106 Liter
Gewicht: 1.165 kg
Maße: 4055 / 1960 /1430
Preis: 17.950 EUR

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Peugeot unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.

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insgesamt 74 Beiträge
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dragondeal 04.10.2019
1. Wir halten fest
Verbrenner ab ?15k, E-Auto ab ?30k, da wird die eMobilität noch auf sich warten lassen.
stefan7777 04.10.2019
2. Also Elektro wollen die auch nicht verkaufen!
Ein E-Auto ist simpler, weniger Komplex, es fehlen wesentliche teure Aggregate, Anlagen, Bauteile und Flüssigkeiten (Auspuff, Kat, etc.), ist billiger in der Herstellung. Jetzt führen einige den Akku an, der kostet 100 €/kWh also 5.000‬ € für die 50 kWh. Und trotzdem sind die Hersteller so dreist und verkaufen die E-Version für 15.000 Euro mehr als den Benziner. Das muss irgendwie an den Staatlichen Förderungen liegen?!
herjemine 04.10.2019
3. Pulsbeschleunigung und Blut in Wallung
Brauche ich nicht. Will ich auch nicht. Aber durchaus ein Fahrwerk welches auf Komfort ausgelegt ist. Also zumindest meine Werteskala liegt da da ziemlich quer mit Herrn Geiger. Vielleicht sollte er sich nur auf Maserati, Ferrari, Lamborghini und Formel Eins Autos beschränken. Für mich wäre dieses Auto oder ein Mazda 1 eher geeignet. Achja, leider gibt es gar keinen Mazda 1...
skywalkerffm 04.10.2019
4. Elektro glatt das doppelte vom Benziner
...so wird das nix mit der Revolution auf der Straße. Greta hin oder her, das kann sich Otto Normal nicht leisten. Schade
observerlbg 04.10.2019
5. Ganz nett.....
Auch hier wieder der Trend zum Größeren. Wie Polo, i20, Fiesta.... mehr als 4m lang, 1,2t schwer und Fahrleistungen eines typischen Kompakten. Kleinwagen? Wohl eher nicht mehr. Immerhin ein typischer Peugeot. Wenn ich es aber preiswerter haben will, greife ich besser zum Clio.
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