Peugeot 3008 im Test Eigenwilliger Filz

Lange hat Peugeot den SUV-Boom ignoriert. Nun präsentiert der Konzern sein Modell 3008. Sobald man einsteigt, wundert man sich.

Peugeot

Der erste Eindruck: Nach der ersten Generation, die eine unentschlossene Kreuzung aus Van und SUV war, ist der neue Peugeot 3008 durch und durch ein SUV. Und dank der eigenwilligen Scheinwerfer trotz der Flut dieses Autotyps sogar ein ziemlich unverwechselbares SUV.

Das sagt der Hersteller: "Wir haben verstanden", sagt Carlos Tavares, Chef des Peugeot-Mutterkonzern PSA. Nachdem die französische Marke jahrelang den Trend zum SUV ignorierte, wird jetzt das Ruder herumgerissen. Die SUV-Modelle 2008 und 5008 waren erst der Anfang; denn jetzt folgt als Zugpferd der 3008, der sich im Herzen des SUV-Segments gegen Modelle wie den VW Tiguan behaupten soll. Das neue Auto soll nicht nur auf Augenhöhe mit der Konkurrenz fahren, sondern zugleich für Peugeot zum Technologie- und Imageträger werden, der die Marke insgesamt höher positionieren soll.

Das ist uns aufgefallen: Irgendetwas passt hier nicht. Sobald man in den 3008 einsteigt, wundert man sich über das viel zu kleine und ungewöhnlich tief positionierte Lenkrad. Ja, dieses so genannte i-Cockpit kennt man schon aus dem Kleinwagen Peugeot 208, aber in einem SUV? Dazu noch in einem mit extrem hoher Mittelkonsole, die den Fahrer umschließt wie in einem Sportwagen?

Warum eigentlich nicht. Der vermeintliche Widerspruch aus kleinem Lenkrad, großem Auto und engagierter Sitzposition löst sich nämlich nach ein paar Kilometern in Wohlgefallen auf. Denn längst hat man da gemerkt, wie gut man das Auto im Griff hat. Man lernt schnell schätzen, wie einfach es sich dank des Mini-Lenkrads einparken oder in der Stadt um die Ecken wuseln lässt. Zudem genießt man den Gewinn an Platz und vor allem den besseren Überblick, weil man über das Lenkrad schaut und nicht mehr hindurch.

Der Peugeot 3008 im Video:

Peugeot

Dass dieser Perspektivwechsel beim 3008 gründlicher denn je wirkt, liegt auch an den neuen Instrumenten, die weit oben im Armaturenbrett angeordnet sind. Erstmals bei Peugeot handelt es sich um ein komplett digitales Cockpit, das bunter funkelt und mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet als die vergleichbaren Systeme von Audi und VW.

Zu diesem unkonventionellen Cockpit passt es gut, dass auch das übrige Ambiente aus dem Rahmen fällt. Die Sitze sind stärker ausgeformt und markanter gepolstert als bei den allermeisten Konkurrenzmodellen, die Mittelkonsole dank des zentralen Touchscreens knopfloser als bei vielen anderen SUV und die Materialauswahl fast so speziell wie im BMW i3. Während sich die Hersteller sonst gerne in der Verwendung von Holz und Leder überbieten, setzt Peugeot in einigen Varianten auf einen eigenwilligen Filz, der im Zusammenspiel mit den Hohlkehlen der Türverkleidung frisch und unverbraucht wirkt.

So ungewöhnlich das Design des 3008 außen wie innen sein mag, so gewöhnlich sind Format und Funktion. Der Wagen passt mit 4,45 Meter Länge punktgenau in eine Klasse mit VW Tiguan, Kia Sportage oder Nissan Qashqai, bietet genügend Patz für Kind und Kegel, hat eine problemlos faltbare Rückbank für die individuelle Raumgestaltung und macht auch beim Fahrverhalten einen großen Sprung im Vergleich zum Vorgängermodell. Das Auto basiert auf einer neuen Plattform, wurde daher um bis zu 100 Kilo leichter und fährt daher wesentlich verbindlicher; insbesondere auf einer kurvigen Landstraße fühlt sich die neue Generation deutlich gereifter an.

Das muss man wissen: Der Verkauf des 3008 startet Ende Oktober. Dann gibt es das erste, selbst entwickelte SUV der Marke zunächst mit zwei Benzinern mit 130 oder 165 PS und drei Dieselmotorisierungen, die 120, 150 oder 180 PS leisten. Außerdem kommt zeitgleich die optisch etwas angespitzte, technisch aber nicht modifizierte GT-Version in den Handel.

Wichtigste Motorvariante wird wohl der mittlere Diesel, der mit 370 Nm Drehmoment gut im Futter steht und flott bewegt werden kann. So motorisiert erreicht der 3008 in 9,6 Sekunden Tempo 100 und bei Vollgas maximal 207 km/h. Trotzdem ist das Triebwerk zumindest auf dem Prüfstand mit 4,4 Litern je 100 Kilometer zufrieden.

Bei der Ausstattung wurde der neue 3008 mächtig aufgerüstet, im Angebot sind mehr Assistenz- und Komfortsysteme als je zuvor. Unter anderem ein Tempomat mit Abstandsregelung, eine Spurführungshilfe mit Lenkeingriff, eine Kameraüberwachung mit 360-Grad-Perspektive und eine elektrische Heckklappe mit Gestensteuerung. Doch ein bei einem SUV nicht ganz unwesentliches Detail gibt es gar nicht: Allradantrieb.

"Aus gutem Grund", sagt Peugeot-Sprecher Ulrich Bethscheider-Kieser. Denn ein Allradantrieb treibe die Entwicklungskosten in die Höhe, verderbe die CO2-Bilanz, und zudem seien die Mehrzahl der SUV ohnehin auf der Straße unterwegs und mit zwei angetriebenen Rädern für die allermeisten Aufgaben gut gerüstet. Wer partout mehr Traktion benötigt, kann das System "Grip Control" mit einer für verschiedene Untergründe optimierten Antischlupfregelung bestellen - oder bis 2018 warten. Dann folgt der 3008 mit Hybrid-Antrieb und elektrisch angetriebener Hinterachse.

Das werden wir nicht vergessen: Die markante Schalterleiste am Fuß der Armaturentafel. Dort ist die Amplify-Funktion versteckt, mit der man zwei Szenarien für Beleuchtung, Sound, Duft und Sitzmassage abrufen kann. Sie macht den Spätstarter zum wahrscheinlich sinnlichsten Typen im Segment.

Fahrzeugschein
Hersteller: Peugeot
Typ: 3008 (2016)
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 370 Nm
Von 0 auf 100: 9,6 s
Höchstgeschw.: 207 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 114 g/km
Kofferraum: 520 Liter
umgebaut: 1.482 Liter
Gewicht: 1.500 kg
Maße: 4447 / 1906 / 1624
Preis: 29.950 EUR
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insgesamt 53 Beiträge
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Flauschie 26.10.2016
1. Ein SUV ohne 4x4 ist kein SUV sondern ein Van
Allrad auf Schnee macht immer Sinn - egal, was einem Peugeot da einreden moechte. Und ja, im Winter gibt's immer noch Schnee im Alpenraum.
mazzmazz 26.10.2016
2. Kein Allrad?
Schade? Da Frontantrieb oberhalb der 100 PS Kompaktklasse inakzeptabel ist, müsste PSA schon einen zumindest einfachen 4WD entwickeln. Ansonsten ein schönes Auto. Wie bei den Europäern üblich aber viel zu teuer.
werner-xyz 26.10.2016
3. Und wieder
diese bescheuerte Lenkradanordnung, die für Leute mit langen Beinen einfach eine Zumutung ist. Durch die geringe Verstellmöglichkeit nach oben, sind die Modelle mit dem unten liegenden Lenkrad unfahrbar für Leute mit sehr langen Beinen. War mit ein Grund warum ich (1,93m) keinen Peugeot mehr fahre. Gibt ja einige Hersteller, die Ihre Fahrzeuge nur für Personen bis 1.80m komfortabel gestalten. Zu geringer Öffnungswinkel Heckklappe, unzureichende Verstellmöglichkeiten der Sitze, etc. Aber Gott sei dank, gibt es genug Alternativen.
fatherted98 26.10.2016
4. Riesig...
...ich fahre selbst solche SUVs im Ausland...vor allem Asien regelmäßig. Sie sind schön groß...so auch der Peugeot...aber das ist für Deuschland das Manko...wo soll man mit so einem Schiff parken? Enge Gassen sind auch schon ein Problem und in den Innenstädten und Parkhäusern geht das fast gar nicht. Serienmäßig sollten hier zumindest Front und Heckkamera sein...damit man was sieht. Ansonsten würde ich eher zur Konkurrenz aus Fernost greifen (eigene Erfahrung)....da paßt die Qualität zum Preis. Meine Erfahrungen mit franz. Marken sind eher negtiv.
Frank Zi. 26.10.2016
5.
Zitat von fatherted98...ich fahre selbst solche SUVs im Ausland...vor allem Asien regelmäßig. Sie sind schön groß...so auch der Peugeot...aber das ist für Deuschland das Manko...wo soll man mit so einem Schiff parken? Enge Gassen sind auch schon ein Problem und in den Innenstädten und Parkhäusern geht das fast gar nicht. Serienmäßig sollten hier zumindest Front und Heckkamera sein...damit man was sieht. Ansonsten würde ich eher zur Konkurrenz aus Fernost greifen (eigene Erfahrung)....da paßt die Qualität zum Preis. Meine Erfahrungen mit franz. Marken sind eher negtiv.
Dieser Wagen hier ist 4,45m lang und 1,90m breit, ein 5er BMW ist 4,91m lang und 1,86m breit. Man kann also problemlos überall fahren und parken damit, wo z.B. ein 5er BMW auch parken kann. Wer das nicht kann, sollte ein kleineres Fahrzeug kaufen oder in der Fahrschule das Einparken noch einmal professionell lernen.
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