Peugeot 307 SW Das Rätsel auf der Heckklappe

Man kann sich schon vorstellen, wen die Entwickler vor Augen hatten, als sie dieses Auto konstruierten: vor allem Familien mit mehr als zwei Kindern. Schwieriger zu entschlüsseln ist die Bedeutung des Modellkürzels SW.

Von Jürgen Pander


Peugeot 307 SW: Nicht nur für Familien mit mehr als zwei Kindern

Peugeot 307 SW: Nicht nur für Familien mit mehr als zwei Kindern

Die Verantwortlichen bei Peugeot scheinen es geradezu zu genießen, wenn sie nach dem tieferen Sinn der beiden Buchstaben SW gefragt werden. "Es gibt keinen", sagt der deutsche Pressechef Thomas Schalberger lächelnd. Die Begriffe Station Wagon oder Sport Wagon seien bereits von anderen Marken besetzt, das Kürzel SW aber werde fortan die innovativen Kombis von Peugeot bezeichnen.

Und dann merkt Schalberger noch stolz an: "Eine Zeitschrift hat aus den beiden Buchstaben Sky Wagon gemacht." So etwas liest man bei der Löwenmarke gern, denn eines der Kennzeichen des Peugeot 307 SW ist das serienmäßige Glasdach.

Auf 1,33 Quadratmeter Fläche breitet sich das transparente Gewölbe aus, was dem Auto-Innenraum eine unerwartete Leichtigkeit gibt. So etwas bietet kein normaler Kombi, den Peugeot übrigens auch anbietet: Zeitgleich mit dem 307 SW, nämlich am 13. April, kommt der 307 Break, also das herkömmliche Kombimodell, auf den deutschen Markt. Beide Autos teilen sich das Chassis und die Karosserie und unterscheiden sich äußerlich zum einen durch das riesige Glasdach beim SW und durch einige kosmetische Abweichungen wie etwa die Farbe der Dachreling oder der Stoßfänger und Türgriffe.

Das große Glasdach verleiht dem Innenraum Leichtigkeit

Das große Glasdach verleiht dem Innenraum Leichtigkeit

Im Innenraum dagegen sind die Autos grundverschieden: Der Break ist ein Kombi nach alter Sitte mit zwei Sitzreihen, von denen sich die geteilten hinteren Lehnen zur Erweiterung des Gepäckraumes umklappen lassen. Der SW hingegen ist die Interpretation eines Familienautos in Zeiten des Lifestyles.

Hinter den beiden Vordersitzen beginnt die Aktionszone für Inneneinrichter: Hier lassen sich bis zu fünf Einzelsitze in unterschiedlichen Kombinationen einsetzen. Peugeot hat errechnet, dass sich rund 100 verschiedene Bestuhlungsmuster realisieren lassen. Kurzum: Vom Zwei- bis zum Siebensitzer ist im 307 SW alles drin, wobei der Gepäckraum zwischen 137 und 1539 Litern Fassungsvermögen schwankt.

Ab Werk wird das Auto mit fünf Sitzen ausgeliefert. Die beiden Extrastühle für die dritte Sitzreihe kosten jeweils 260 Euro extra und sind nur dann zu empfehlen, wenn auf diesen Plätzen Kinder Platz nehmen sollen. Ab etwa 1,65 Meter Körpergröße nämlich ist das Mitfahren direkt vor der Heckklappe keine Freude mehr. Dazu ist es einfach zu eng und unbequem.

Wer jedoch häufig im Wechsel mit einigen Passagieren und dann wieder mit reichlich Ladegut unterwegs ist, für den ist der SW ein prima Auto. Denn der ein und Ausbau der rund 15 Kilogramm schweren Einzelsitze ist schnell bewerkstelligt. Zur Bequemlichkeit der Fondpassagiere lassen sich die Plätze in der zweiten Reihe auch in Längsrichtung verstellen. Viel mehr an Variationsmöglichkeiten in einem 4,42 Meter langen Auto ist kaum mehr möglich.

Klimaanlage, Bordcomputer und elektrisch zu betätigender Dachhimmel inclusive

Klimaanlage, Bordcomputer und elektrisch zu betätigender Dachhimmel inclusive

Technisch entspricht der 307 SW weitgehend den kompakten 307-Modellen mit drei oder fünf Türen. Cockpit und Armaturentafel sind identisch: Die Instrumente sind gut zu überblicken, die Bedienung ist logisch und trickfrei aufgebaut, das Ambiente wirkt modern und ausgereift. Unter der Haube können beim SW vier verschiedene Motoren eingesetzt werden. Die beiden Zwei-Liter-Commonrail-Diesel mit 90 oder 107 PS (66 oder 79 kW), von denen der stärkere mit dem FAP-Rußpartikelfilter ausgestattet ist.

Außerdem zwei Benzinmotoren mit 109 oder 136 PS (80 oder 100 kW). Der Top-Benziner, der zu Testfahrten zur Verfügung stand, bewegt das knapp 1,4 Tonnen schwere Auto erwartungsgemäß souverän. Der Antritt ist flott, Überholmanöver sind gut zu kalkulieren, der Motor läuft ruhig und unaufgeregt. Als Reisewagen kann man sich den 307 SW bestens vorstellen. 8,3 Liter Durchschnittsverbrauch gibt Peugeot an, der reale Alltagswert dürfte aber, zumal bei gut besetztem Auto, schon höher liegen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Peugeot
Typ: 307 SW
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder- Benziner
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 136 PS (100 kW)
Drehmoment: 190 Nm
Von 0 auf 100: 10,5 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 8,3 Liter
CO2-Ausstoß: 197 g/km
Kofferraum: 137 Liter
umgebaut: 1.539 Liter
Preis: 20.250 EUR
Zur Serienausstattung des Fahrzeugs gehören sechs Airbags, ESP, Klapptische an den Lehnen der Vordersitze, Klimaanlage, Bordcomputer und ein elektrisch zu betätigender Dachhimmel, der sich unters Glasdach schieben lässt, um den Passagieren den Durchblick nach oben zu nehmen. Die zweite Ausstattungslinie mit dem Namen Prémium ist noch etwas vornehmer bestückt.

8800 SW-Modelle möchte Peugeot noch in diesem Jahr in Deutschland verkaufen. Insgesamt wähnen sich die Franzosen auf einem Erfolgsweg, der ihren Marktanteil von derzeit rund 3,3 Prozent bis zum Jahr 2005 auf 4,6 Prozent ausweiten soll. Das entspräche etwa einen Absatz von 171.000 Autos in Deuschland. SW-Modelle sollen, demnächst auch in der kleineren Baureihe 206, einen nicht unerheblichen Anteil haben.



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