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Fahrbericht Peugeot 308: Zentimeterarbeit

Foto: Jürgen Pander

Fahrbericht Peugeot 308 1.6 e-HDI Die große Leere

Von seinem Vorgänger übernimmt der Peugeot 308 nur den Namen, in allen anderen Bereichen wurde der Golf-Konkurrent komplett erneuert. Den radikalsten Umbruch gibt es im Innenraum: Durch den konsequenten Verzicht auf Bedienknöpfe - und ein ungewohnt platziertes Lenkrad.

Plakative Sportlichkeit nervt. Es nervt zum Beispiel, wenn aus stinknormalen Kombis plötzlich Sportstourer oder Sportbacks oder Sportsonstwas werden; es ist albern, wenn in fast zwei Tonnen schweren Familienautos irgendwelche Fahrdynamikregeler die Einstellmöglichkeit "Sport" bieten. Und es ist absurd, wenn das normale Fahrgefühl durchschnittlicher Kleinwagen zum "Kartfeeling" aufgebauscht wird. Insofern könnte man es kurz machen mit dem Peugeot 308 und sagen, dass auch dieser französische Kompaktwagen auf Sportskanone macht, obwohl es genügen würde, einfach nur ein solides Alltagsauto zu sein. Das aber wäre zu kurz gegriffen.

Zunächst mal: Als direkter Konkurrent von Autos wie VW Golf, Opel Astra, Ford Focus oder Toyota Auris zeigt der Peugeot 308 schon rein äußerlich eine erfreuliche Eigenständigkeit. Die Karosserie sieht aus allen Richtungen gut aus, nirgends aggressiv und trotzdem an keiner Stelle langweilig. Und das Verquollene des gleichnamigen Vorgängermodells hat der neue 308 auch abgelegt. Das Markenlogo auf der Kühlernase schrumpfte ungefähr um die Hälfte, die Scheinwerfer ebenso - schon allein das gibt der Frontpartie wieder jene Seriosität zurück, die jahrelang verlorengegangen schien bei Peugeot.

Auf das Thema Sportlichkeit trifft man dann im Auto, sobald man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat. In diesem Fall jedoch hat das kleine, unten abgeflachte Lenkrad mit Sportallüren gar nichts zu tun. Das kleine Volant und dazu die Anordnung der Instrumente machen nämlich aus der Allerwelts-Baureihe ein wirklich neues und ungewöhnliches Auto. Obwohl es nur wenige Zentimeter sind, um die das 308-Interieur vom üblichen Standard in dieser Klasse abweicht.

Was neu und anders ist, lässt sich rasch aufzählen: Der Lenkraddurchmesser schrumpfte im Vergleich zum Vorgängermodell um gut drei Zentimeter, und ungefähr um diese Distanz ist es auch tiefer platziert als üblich. Wenn man lässig im Auto sitzt und zum Lenkrad greift, liegen die Unterarme fast auf den Oberschenkeln; ein bisschen so, wie in einem Autoscooter. Weil die Designer nicht nur das Lenkrad tiefer, sondern zugleich die Cockpitanzeigen höher positioniert haben, guckt man nun über den Lenkradkranz auf Tacho und Drehzahlmesser - und nicht wie in fast allen anderen Autos durch den Lenkradkreis.

Ein paar Zentimeter verändern alles

Und das ist alles? Ja. Allerdings verändern diese wenigen Zentimeter das Fahrgefühl und die Wahrnehmung des Interieurs immens. Man gewinnt dadurch mehr Überblick, und in Kombination mit den ansonsten extrem reduzierten Bedienelementen entsteht eine aus anderen Kompaktwagen unbekannte Eleganz und Klarheit im 308.

Das Weglassen von Tasten und Drehreglern hat allerdings auch eine Kehrseite: Schon einfachste Einstellungen wie etwa die Änderung der Temperatur oder der Gebläsestärke erfordern mehrere Fingertipps auf dem berührungsempfindlichen, zentral in der Armaturentafel angeordneten Bildschirm. Doch wer klassische Tastenfelder bevorzugt, möchte vermutlich auch ein normal großes Lenkrad und säße daher im 308 ohnehin im falschen Auto.

Zum erfrischenden Fahrgefühl passte der 1,6-Liter-Diesel mit Start-Stopp-Automatik und Sechsgang-Schaltgetriebe ziemlich gut. Der Selbstzünder bietet ausreichend Leistung (115 PS), ist angenehm elastisch und hält sich auch akustisch zurück. Peugeot gibt als Durchschnittsverbrauch einen Wert von 3,8 Liter an, doch so sparsam lässt sich das Auto nicht bewegen. Unser Testwagen zog sich mit einem Schnitt von 5,5 Liter je 100 Kilometer aus der Affäre.

Weniger Gewicht und Kunststoff statt Metall

Während die Designer den 308 grundlegend umkrempelten, waren auch die Ingenieure aktiv, und zwar vor allem in Sachen Leichtbau. Im Vergleich zum Vorgängermodell reduzierte sich das Gewicht um 140 Kilogramm. Die Hälfte dieser Einsparung geht auf das Konto der komplett neu konzipierten Plattform EMP2, die das neue Massenmodul des PSA-Konzerns ist. Außerdem wurde die Karosserie deutlich leichter, denn die vorderen Kotflügel und die Motorhaube sind nun aus Aluminium gefertigt, und bei der Heckklappe setzt Peugeot statt auf Metall auf einen thermoplastischen Verbundwerkstoff. Auch bei der Schallisolierung griffen die Entwickler auf ein neues Material zurück, das allein 9 Kilogramm einspart.

Der Peugeot 308 ist ein Auto, das eine hohe Bedeutung für das Schicksal der Marke hat. Nicht nur, weil der französische Hersteller mit dem Kompaktwagen endlich mal wieder ein neues Konzept im Rennen hat, sondern auch, weil der PSA-Konzern insgesamt dringend ein paar Verkaufserfolge braucht, um die gähnend leere Kasse zu füllen. Dass die PSA-Spitze über einen Einstieg des chinesischen Herstellers Dongfeng verhandelt, ist das eine; das andere, deutlich erfreulichere für Peugeot, wäre ein Kernmodell, das die Kunden verzückt, ohne auf die übliche Sportlichkeitsmasche zu setzen. Der 308 könnte so eines werden.

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