Peugeot 308 Wie im Schlauchboot

Mit dem Peugeot 308 werde die gebeutelte französische Marke auf einen strikten Qualitätskurs gebracht - das war die Ansage des neuen PSA-Chefs Christian Streiff. In der Tat ist der neue Kompaktwagen durchweg solide. Nur beim Design hapert es.


Als vor ein paar Jahren ein Peugeot 307 beim Tanken Feuer fing, war der Tiefpunkt erreicht. Die Marke hatte offenkundig ein Qualitätsproblem, und negative Schlagzeilen ausgerechnet für ein auflagenstarkes Kompaktmodell sind so schädlich wie Hagelschlag kurz vor der Getreideernte. Peugeot wird also etwas Geduld brauchen, bis der im vergangenen Oktober eingeführte Nachfolger mit dem Zahlenkürzel 308 jenes Vertrauen wieder hereingefahren hat, das der Vorgänger verspielte. Das Auto allerdings, und das ist ja die wichtigste Voraussetzung überhaupt, hat das Zeug dazu, die französische Marke wieder ins Mittelfeld der Kompaktwagenzulassungen in Deutschland zu hieven.

Derzeit rangiert der Peugeot 308 mit 3519 Neuzulassungen in den ersten drei Monaten dieses Jahres (laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts) zwar noch hinter den französischen Konkurrenten Citroën C4 und Renault Mégane, jedoch schon vor den ebenfalls neuen und recht ordentlich gestarteten Kompakt-Importmodellen wie Fiat Bravo, Kia Cee'd oder Hyundai i30. Und da ab 17. Mai die Kombiversion 308 SW zu Preisen ab 16.700 Euro auf den deutschen Markt kommen wird, dürften sich die Kennzahlen für den Wagen erfreulich für Peugeot entwickeln.

SPIEGEL ONLINE fuhr den Kompaktwagen in der mittleren Ausstattungsversion Sport - die unter anderem Lederlenkrad, beheizbare Außenspiegel, einen höhenverstellbaren Fahrersitz, Tempomat, 16-Zoll-Leichtmetallräder und ein Gepäcknetz im Kofferraum umfasst - mit dem 1,6-Liter-Benzinmotor. Das Triebwerk belegt in der Motorenpalette, deren Leistungsspektrum bei den Benzinern von 95 bis 175 PS reicht, mit 120 PS einen moderaten Rang und ist ein guter Kompromiss zwischen passablen Fahrleistungen und noch annehmbaren Verbrauchswerten. Offiziell gibt Peugeot 6,7 Liter als Durchschnittsdurst des Wagens an. Der Bordcomputer des fünftürige Testwagens jedoch meldete einen Schnitt von 8,0 Liter. Und dabei wurde das Auto völlig normal im Alltag bewegt. Ein Sparwunder ist der Benziner also nicht.

Aber ein flotter, harmonischer Antrieb für den 308. Das Fünfganggetriebe lässt sich sauber und glatt schalten. Allerdings irritiert ein leichtes Vibrieren in der Lenkung, wenn man zum Beispiel im Stand an der Ampel die Räder dreht. Da schlägt offenbar die Anstrengung der Servopumpe als dezentes Ruckeln durch. Ansonsten aber passt das Auto. Mit Ausnahme beim Rangieren oder Einparken, denn dann wird einem bewusst, wie unübersichtlich die Karosserie geraten ist und wie grob man hinter dem Steuer nur abschätzen kann, wann man einschlagen, noch etwas rollen oder nun aber wirklich bremsen muss.

Design-Übertreibungen an der Karosserie

Wenn es eine Schwachstelle des Peugeot 308 gibt, dann ist es das Design. Während die Vorgängermodelle als sportlichere Alternativen zu den eher behäbigen Platzhirschen wie VW Golf oder Opel Astra gestylt waren, haben die Peugeot-Designer manche Linie und Form inzwischen ins Groteske gesteigert. Die Karosserie wird aus mancher Perspektive zur Karikatur. Das Löwenlogo am Bug ist viel zu groß, die Motorhaube viel zu stark gepfeilt, die Scheinwerfer und Rückstrahler haben Dimensionen erreicht, die beinahe schon bizarr sind. Einige Größenverhältnisse passen einfach nicht zueinander. Das ist schade, denn zum Beispiel die Gestaltung der Außenspiegel oder die der Heckscheibe sind sehr gelungen.

Das wuchtige Erscheinungsbild findet seine Entsprechung, sobald man die Autotür öffnet. Die Schweller sind enorm breit, sodass man regelrecht über Einstiegbalken steigen muss, um im Auto Platz zu nehmen. Und auch beim Öffnen der Heckklappe fällt der Blick zuerst auf die mächtig hohe und breite und massive Ladekante, die gewiss Vorteile in den Disziplinen Crashsicherheit und Karosseriesteifigkeit bietet, das Auto insgesamt aber wirken lässt wie ein Schlauchboot auf Rädern.

Großer Durchblick bei Regenwetter

Auf der anderen Seite sind manche Dinge am Peugeot 308 vorbildlich gelöst. Die Achsen der Scheibenwischer etwa sitzen in den äußeren Ecken der Frontscheibe, sodass bei Regen eine überraschend große Glasfläche gereinigt wird. Und in der Handschuhfachklappe gibt es viele nützliche kleine Unterteilungen, die für Ordnung im Autoalltag sorgen. Auch die Klimaregelung ist übersichtlich gelöst, das Blinkerrelais erinnert im Klang an ein altes Telespiel, und der flache Bildschirm des Bordmonitors liegt günstig im Blickfeld. Wenn jetzt noch die Ziffern der Tachoskala etwas größer oder fetter aufgedruckt wären - das Interieur hätte sich eine Bestnote verdient.

Das Bemühen nach einer neuen Qualität lässt sich schließlich auch an der Sicherheitsausstattung ablesen. Sieben Airbags sind serienmäßig an Bord, darunter einer an der Lenksäule, der im Falle einer Karambolage die Knie des Fahrers schützen soll. ABS und ESP sowie ein Notbremsassistent gehören ebenfalls zur Standardausstattung. Der Peugeot 308 könnte also eine große Zukunft vor sich haben. Wenn nur erst einmal das Vertrauen zurückgewonnen ist, das der Vorgänger verlor. Der Anfang ist gemacht.



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