Autogramm Porsche 718 Cayman S Der Vervierungskünstler

Da können die gusseisernen Fans der Marke noch so sehr über den neuen Vierzylindermotor schimpfen: Der neue 718 Cayman ist aktuell der ehrlichste Sportwagen von Porsche. Und der preiswerteste dazu.

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Der erste Eindruck: Wer hinter diesem Porsche fährt, sieht schwarz - selbst wenn der Wagen in quietschbunten Farben lackiert ist. Denn am Heck hat der überarbeitete Cayman ein breites, dunkles Band mit Markenschriftzug.

Das sagt der Hersteller: Nachdem Porsche in den neuen Modellen des 911 und Boxsters die Saugmotoren durch Turbomotoren ersetzt hat, gibt es nun auch die Basisvarianten des Cayman ausschließlich mit Lader. Wie beim Boxster sind außerdem zwei Zylinder weniger als bisher unter der Haube, also nur noch vier.

Porsche hebt vor allem hervor, dass der Wagen trotzdem mehr Elan hat. Viel interessanter ist aber, was der Hersteller nicht sagt: Dass mit den neuen Vierzylinderturbomotoren die Emissionen auf dem Prüfstand sinken, findet in der offiziellen Liste der Highlights keine Erwähnung. Anscheinend wissen die Schwaben selbst am besten, dass hier Theorie und Praxis bei einem Sportwagen noch weiter auseinanderklaffen als bei anderen Fahrzeugtypen.

Das ist uns aufgefallen: Schon der erste Handgriff beruhigt, denn das Zündschloss sitzt weiterhin links neben dem Lenkrad. Zumindest das ist geblieben. Und das Geräusch beim Tritt aufs Gaspedal. Als müsse der auf vier Zylinder geschrumpfte Boxermotor im Cayman S alle Zweifel mit der ersten Fanfare niederbrüllen, röhrt er vehement durch die geöffneten Schallklappen des Sportauspuffs.

Tom Grünweg

Zum sonoren Klang gibt es einen faszinierenden Schub. Der neue Cayman punktet mit bis zu 420 Nm Drehmoment und einem berauschenden Antritt. Drehfreudig, spritzig und dank der variablen Turbinengeometrie aus dem 911 Turbo mit kaum spürbarer Verzögerung katapultiert der Vierzylinder das Auto in 4,2 Sekunden auf Tempo 100. Die Endgeschwindigkeit von 285 km/h hält dem Vergleich mit dem 911er zwar nicht stand, doch beim Sprint kommt der Cayman mit dem großen Modell locker mit.

Dass der Turbo derart antritt und besonders bei den kurzen Spurts beim Überholen so elastisch wirkt, verdankt er zwei technischen Tricks. Erstens: Bei Teillast wird der Lader quasi vorgespannt. Das Wastgate-Ventil wird geschlossen, der Zündwinkel zurückgenommen und die Drosselklappe leicht geöffnet. So bleibt das aktuelle Antriebsmoment konstant, während Luftdurchsatz und Ladedruck steigen. Gibt der Fahrer dann Vollgas, steht durch den höheren Ladedruck spontan auch mehr Drehmoment zur Verfügung.

Einen ähnlichen Effekt hat, und das ist Trick zwei, die Dynamic-Boost-Funktion am Ende der Beschleunigung. Lupft man bei Vollgas nur kurz den Fuß, bleibt die Drosselklappe geöffnet und es wird nur die Benzineinspritzung ausgesetzt. So baut sich der Ladedruck langsamer ab und ist beim nächsten Kickdown entsprechend schneller wieder da.

 Mit zwei Technik-Kniffen wird das Turbo-Loch beim Cayman gestopft
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Mit zwei Technik-Kniffen wird das Turbo-Loch beim Cayman gestopft

Aber es ist nicht nur der neue Motor, der einen für das Auto einnimmt. Auch die direkter übersetzte Lenkung und ein strammeres Fahrwerk bedeuten zusätzliche Dynamik im Vergleich zum Vorgänger. Je länger man mit dem neuen Porsche Cayman unterwegs ist, desto näher fühlt man sich dem Kern der Marke: Fahren um des Fahrens Willen. Sieht man einmal von Sonderserien wie den GT-Modellen oder dem 911 R ab, ist dieses Gefühl im Cayman stärker als im klassischen 911er.

Dass muss man wissen: Wenn der Cayman im September in den Handel kommt, trägt er vor dem Namen noch eine Nummer. Genau wie der Boxster wird das geschlossene Modell künftig in die Baureihe 718 sortiert. Es knüpft damit an einen Mittelmotorsportwagen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren an, der damals - ebenfalls mit vier Zylindern - berühmte Rennen wie die Targa Florio oder die 24 Stunden von Le Mans gewann.

Angeboten wird der Cayman mit zwei Liter Hubraum, 300 PS und 380 Nm Drehmoment. Oder, wie hier vorgestellt, als Cayman S mit 2,5 Liter Hubraum, 350 PS und 420 Nm. Während die Leistung bei beiden Motoren im Vergleich zu den bisherigen Sechszylinder-Saugern um 25 PS stieg, sank der Durchschnittsverbrauch der Triebwerke um jeweils rund einen Liter je 100 Kilometer.

Neben dem Antrieb hat Porsche auch an Ausstattung und Ambiente gefeilt. Wie im 911er gibt es jetzt einen Bediensatelliten am Lenkrad, mit dem die einzelnen Fahrprogramme eingestellt werden können. Außerdem erhielt das Infotainmentsystem einen größeren Touchscreen, einen Onlinezugang und endlich eine vernünftige Bedienung.

Das neue Cockpit im Porsche 718 Cayman S
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Das neue Cockpit im Porsche 718 Cayman S

Spannender als die neue Ausstattungstabelle ist die Preisliste. Weil der Cayman im Preis nicht ganz so viel zulegt wie der Boxster, wird das Coupé künftig etwas billiger als der Roadster. Anders gesagt: Der Cayman zum Grundpreis von 51.623 Euro ist bis auf Weiteres das billigste Modell von Porsche.

Das werden wir nicht vergessen: Im dritten Gang fährt man im Cayman eigentlich immer richtig. Egal, ob bei 3000 Touren, 4000 Touren oder 5000 Touren. Obwohl das Getriebe wunderbar knackig und knöchern arbeitet, greift man dann seltener zum kurzen Knüppel und fährt selbst den Handschalter nach Art einer Automatik. So viel Fortschrittsverweigerung muss erlaubt sein.

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insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
kalim.karemi 21.07.2016
1. klasse Wagen, aber
auch wenn er schneller auf 100 ist, meinen flat six Sauger werde ich nie eintauschen.
kloppskalli 21.07.2016
2. coole farbe
die farbe is ma richtig lecker. leider nicht genuegend kleingeld in der porto kasse. da er von innen so stock konservativ aussieht tuts dann nicht mehr ganz so weh, dass ich ihm mir nicht leisten kann. langweiliger gehts kaum. schon fast VW niveau.
varesino 21.07.2016
3. Kooperation mit Subaru
Jetzt ist die geheime Kooperation mit Subaru endlich heraus. An die Auto-Quartett Experten im Forum, ist der Turbo leichter? Hat der Turbo eine bessere Aerodynamik? Wieso folgt die Turboanordnung nicht der neuesten Mode? Turbo im V, Einlass wo sonst der Auslass sitzt.
akkzent 21.07.2016
4. Ich könnte heulen.
Einfach zu schade, dass mir für so ein Kunstwerk die Kohle fehlt. Auch kein Trost, wenn es dem grossen Rest der Gesellschaft ebenso ergeht. Und: muss ja nicht dieses grauslige babyblau sein.
kalim.karemi 21.07.2016
5. die Erklärung
Zitat von varesinoJetzt ist die geheime Kooperation mit Subaru endlich heraus. An die Auto-Quartett Experten im Forum, ist der Turbo leichter? Hat der Turbo eine bessere Aerodynamik? Wieso folgt die Turboanordnung nicht der neuesten Mode? Turbo im V, Einlass wo sonst der Auslass sitzt.
das liegt sicher am nicht vorhandenen V der Boxermotors. Eine V Anordnung hat Subaru übrigens auch nicht. Ich kenne auch keine Konstruktion, bei der im V der Auslass sitzt, weil es keinen Sinn macht. Und ja, der Turbo ist leichter.
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