Porsche 911 Cabrio Die Entdeckung der Leichtigkeit

Umsatz, Gewinn und Verkaufszahlen steigen bei Porsche seit geraumer Zeit. Jetzt nimmt auch die vor acht Monaten gestartete sechste Generation der Baureihe 911 Fahrt auf. Die Zuffenhausener stellen derzeit in Sevilla das Carrera Cabrio sowie das Carrera S Cabrio vor, offene Sportwagen, an denen kein Gramm zu viel ist.

"Wir verlassen uns auf das, was wir können", sagt Porsche-Sprecher Anton Hunger, "und man kann wohl sagen, dass wir die Virtuosen der Variantenstrategie sind." Ja, das kann man. Porsche hat die letzte 911-Baureihe - deren interne Bezeichnung lautet 996 - im Laufe der Jahre in zwölf Varianten aufgefächert. Die neue 911-Baureihe (intern 997 genannt), ist noch kein Jahr am Start, und schon gibt es vier Versionen. Nämlich zwei unterschiedlich motorisierte Coupés und ab 2. April auch zwei entsprechend differenzierte Cabrio-Varianten.

Für den offenen 911er gilt, was auch schon das Coupé kennzeichnet: Er ist ein wunderbar proportionierter, rassig gezeichneter, aber kein aggressiv überzeichneter Sportwagen. Bei geöffnetem Dach wirkt das Cabrio vor allem in der Heckansicht prall und dominant. Der kleine Buckel, unter dem das Stoffdach mit integrierter Glas-Heckscheibe seine Ruheposition einnimmt, passt zum bulligen Motor, der im Erdgeschoss des Hinterteils wohnt. Das neue Cabrio ist - in geschlossenem wie offenem Zustand - ein schönes Beispiel für die gelungene Reduktion von Linien, für eine Verbesserung der Form durch Verzicht.

Verzicht war auch das oberste Ziel der Karosserieentwickler, nämlich Verzicht auf Gewicht. Üblicherweise wiegen Cabriomodelle deutlich mehr als ihre Coupé-Geschwister, was seinen Grund hat in aufwendigen und damit schweren Faltdachkonstruktionen sowie zusätzlichen Versteifungen der Karosserie, eben weil das feste Dach fehlt. Die Rohkarosserie des Porsche Cabriolets jedoch wiegt lediglich sieben Kilogramm mehr als die des Coupés. Erreicht wurde dies durch ein neues Punktschweißklebeverfahren, das einzelne Bauteile fester als bislang miteinander verbindet, ohne dass zusätzliche Streben oder Versteifungen nötig wären.

Auch das Gewicht des Verdecks wurde auf 42 Kilogramm gedrückt, vor allem die drei Antriebsmotoren (zwei für den Faltvorgang, einer für die Verriegelung) sind nun leichter als beim Vorgängermodell. Außerdem kommt beim Gestänge Magnesium zum Einsatz. Ein paar Kilogramm eingespart wurden zudem durch die Verwendung einer Aluminium-Kofferraumhaube - statt dem bislang üblichen Stahlblechteil. Damit wiegen die Carrera-Cabrios insgesamt rund 85 Kilogramm mehr als ihre Coupé-Pendants; ein Wert, der in dieser Disziplin sehr respektabel ist.

Das dreilagige Stoffverdeck öffnet oder schließt sich per Knopfdruck vollautomatisch binnen 20 Sekunden und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Zudem können erstmals auch die kleinen, hinteren Seitenscheiben nach dem Öffnen des Daches hochgefahren werden. In Verbindung mit einem Windschott gibt es dadurch im Innenraum auch bei hohem Tempo kaum Turbulenzen.

Hersteller:Porsche
Typ:911 Carrera Cabriolet
Karosserie:Cabrio/Roadster
Motor:Sechszylinder-Benziner-Boxer
Hubraum:3.596 ccm
Leistung PS:325 PS
Leistung kW:239 kW
Drehmoment:370 Nm
Von 0 auf 100:5,2 Sek.
Höchstgeschw.:285 km/h
Verbrauch (ECE):11,2 Liter
CO2-Ausstoß:265 g/km
Kraftstoff:Super bleifrei
Kofferraum:135 Liter
umgebaut:290 Liter
Preis:85.176 €

Bei den Testfahrten in Südspanien (Durchschnittsverbrauch 15,6 Liter laut Bordcomputer) fiel auf, dass die moderat-sportliche Abstimmung zum offenen Porsche passt. Der Wagen lässt sich mühelos dirigieren, die Lenkung gibt deutlich Auskunft über die Fahrbahnbeschaffenheit, und das Sechsgang-Schaltgetriebe gibt sich mit sparsamen Handbewegungen zufrieden. Motorkraft ist sowieso genug vorhanden, und zwar sowohl in der Normalversion mit 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit 325 PS (239 kW), als auch in der rund 10.000 Euro teureren S-Variante mit 3,8 Liter Hubraum und 355 PS (261 kW). Beim Standardsprint von 0 auf 100 km/h liegen beide Autos ebenso dicht auf (5,2 und 4,9 Sekunden) wie bei der Endgeschwindigkeit (285 und 293 km/h).

Das meiste am Porsche 911 Cabrio wirkt, obwohl das Auto ganz neu ist, schon sehr ausgereift. Ausdrücklich davon ausgenommen ist die merkwürdig lieblos anmutende Plastikblende oberhalb des Schaltknaufs an der Armaturentafel; das gleiche Material kommt leider auch am Lenkrad vor. Zu einem Porsche passt es jedenfalls nicht, wo doch sonst Leder, feine Ziernähte und fünf sportlich ineinander fließende Rundinstrumente im Cockpit das Bild prägen.

An technischen Neuheiten bietet das Cabrio das verstellbare Fahrwerkssystem PASM (Porsche Active Suspension Management), das in den S-Versionen zum Serienumfang gehört. Außerdem die bereits aus dem neuen Boxster bekannten Kopfairbags, die in den Seitenscheibenbrüstungen untergebracht sind. Insgesamt sind damit sechs Airbags an Bord, dazu ABS, eine leistungsfähige Bremsanlage und ESP, das bei den Schwaben PSM (Porsche Stability Management) heißt.

Erstmals wird mit dem neuen 911 Cabrio ein Porsche-Modell zuerst in Nordamerika und danach erst in Europa eingeführt. In den USA und Kanada gibt es den offenen Sportwagen bereits im März bei den Händlern. Der Grund sei die "enorme Nachfrage", heißt es. Alles deutet also darauf hin, dass der Höhenflug der Zuffenhausener anhält. Unternehmenssprecher Hunger sieht das genauso: "Wir stehen vor einem Jahr voller Porsche-Überraschungen."

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