Porsche 911 GT2 Flieger, grüß' mir die Straße

Im Grunde sollte ein Pilotenschein Vorschrift sein für alle, die sich ans Steuer eines Porsche 911 GT2 setzten. Denn der neue Straßenrennwagen aus Zuffenhausen erreicht Geschwindigkeiten, bei denen normale Autos längst fliegen.


Ein normales Auto ist der GT2 nur insofern, als er auch vier Räder, einen Motor und ein Lenkrad hat. Genauer darf man aber nicht hinschauen, denn in den Details ist fast alles anders als sonst. Obwohl: Optisch entspricht der Neue im Wesentlichen dem 911 Turbo; lediglich die Frontpartie wurde neu gestaltet und auf dem Heck sitzt nun ein monströser, feststehender Spoiler.

Porsche 911 GT2: Sparen grundsätzlich unmöglich
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Porsche 911 GT2: Sparen grundsätzlich unmöglich

Technisch betrachtet ist der GT2 die Sahnehaube auf der 911-Familie. Das Bild darf durchaus wörtlich verstanden werden, denn so überflüssig wie Sahne auf einem Autodach ist im Grunde dieser Wagen. Es sein denn, man delektiert sich an Leistung um ihrer selbst willen, was ja häufig und in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen der Fall ist.

Bei Porsche liest sich der Fortschritt so: Der 3,6-Liter-Boxermotor ist mit zwei Turboladern aufgerüstet, was zu einer Leistungsausbeute von 462 PS (340 kW) führt. Das sind noch einmal zehn Prozent mehr als beim auch nicht schlappen Turbo-Modell. Das maximale Drehmoment der neuen Maschine liegt bei 620 Nm und ist von 3500 bis 4500 Umdrehungen pro Minute abrufbar. Was sich mit diesem Motor anstellen lässt, verdeutlichen folgende Werte: Von 0 auf 100 km/h dauert es nur 4,1 Sekunden, von 0 auf 200 km/h vergehen 12,9 Sekunden; wer beherzt auf dem Gas bleibt, kann eine Höchstgeschwindigkeit von 315 km/h erreichen.

Bei Testfahrten auf der Nürburgring-Nordschleife gelang mit dem Wagen ein neuer Rundenrekord für straßenzugelassene Serienfahrzeuge. Der GT2 unterbot die bisherige Bestzeit von 7,56 Minuten deutlich, die vom 911 GT3 aufgestellt worden war. Porsche hat, und das verdient durchaus Beachtung, den Fahrleistungen nicht alle anderen Parameter geopfert. Als Durchschnittsverbrauch geben die Schwaben 12,9 Liter Superbenzin je 100 Kilometer an, und der Motor erfüllt die ab 2005 gültige Abgasnorm Euro-4.

Die gewaltige Performance wird auch dadurch möglich, dass die steigende Motorleistung mit einem sinkenden Fahrzeuggewicht gepaart wurde. Im Vergleich zum allradgetriebenen Turbo wiegt der GT2 rund 100 Kilo weniger und bringt insgesamt 1440 Kilo auf die Waage. Der Wagen ist mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe ausgestattet und bekommt als erster Porsche serienmäßig die neue Keramik-Bremse implantiert, die an den gelb hinter den Felgen hervorlugenden Bremssätteln zu erkennen ist.

Zur Ausstattung gehören zwei lederbezogene Kunststoffschalensitze, im Fond fehlen übrigens aus Gewichtsgründen die Sitzgelegenheiten, je zwei Front- und Seitenairbags, ein Dreispeichen-Lederlenkrad, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und eine Wegfahrsperre. Auf Wunsch und ohne Extrakosten wird ein Radio mit CD-Spieler installiert und eine Klimaanlage mit Aktivkohlefilter. Ein Faltrad, das zum Beispiel der Turbo im Kofferraum mit sich führt, fiel beim GT2 der Gewichtsminimierung zum Opfer. Stattdessen findet man im Falle einer Reifenpanne ein Fläschchen Reparaturschaum, einen Reifendruckkompressor sowie einen Luftdruckprüfer unter der Fronthaube. Das spart immerhin 13 Kilogramm gegenüber dem Notrad.

Apropos sparen. Das ist mit einem Auto wie dem Porsche GT2 grundsätzlich unmöglich. Ein Beispiel: Der Kaufpreis liegt bei 339.000 Mark.



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