Autogramm Porsche 911 GT3 RS Dr. Dreh

Manche Porsche-Fans bedauern, wie sich die Marke vom Sportwagenhersteller zum Luxusanbieter wandelt. Für sie wird das Drehzahl-Festival 911 GT3 RS gebaut - eine extreme Kreuzung aus Straßensportler und Rennwagen.

Frank Ratering / Porsche

Von Roland Löwisch


Der erste Eindruck: Der will nicht spielen.

Das sagt der Hersteller: "Die emotionalste Verbindung zwischen Straße und Rennsport", so beschreibt Andreas Preuninger, Leiter Porsche GT Straßenfahrzeuge - Motorsport, sein jüngstes Baby. Es soll sich in rund tausend Teilen von einem normalen Porsche Carrera unterscheiden.

Die Tatsache, dass es keine handgeschaltete Version gibt, sondern nur eine Siebengang-Doppelkupplung erhältlich ist, findet Preuninger unproblematisch: "Wir schalten zwar gerne per Hand, aber noch lieber sind wir die Schnellsten." Beim Hochschalten wechselt das Getriebe 95 Millisekunden nach dem Befehl den Gang - was verdammt fix ist und von Hand nicht getoppt werden kann. Wer auf Handarbeit in einem extremen Porsche Wert legt, muss laut Preuninger zum Cayman GT4 greifen.

Gut 2500 Stück des RS sollen innerhalb eines knappen Jahres gebaut werden - zum Stückpreis von 181.690 Euro. Ob dieser 991 der letzte Saugmotor-GT3 ist, weil Umweltauflagen den Einsatz von Turboladern bald unumgänglich machen, will Porsche dagegen noch nicht bestätigen.

Das ist uns aufgefallen: Das Auto gibt schon auf den ersten schnell gefahrenen Metern auf der Rennstrecke seinem Piloten zu verstehen: Ich kann mehr als du. Mit Leichtigkeit schiebt der Sechszylinder-Boxer mit seiner Kurbelwelle aus dem Porsche-Le-Mans-Rennsport den nur gut 1,4 Tonnen schweren Wagen an, und man ist froh, in perfekt geformten Schalensitzen zu kauern.

Die möglichen hohen Drehzahlen (8800 RPM) lassen einen immer wieder ungläubig auf das mittig positionierte Instrument starren, wenn man doch besser die Piste im Auge behalten sollte. Die Carbonbremse (aus dem Supersportler Porsche 918 adaptiert) erlaubt erschreckend spätes Verzögern vor den Kurven oder massives Einbremsen in die Kurven, ohne dass die fetten Reifen (vorn 104 und hinten 148 Quadratzentimeter Aufstandsfläche) auch nur ansatzweise den Bodenkontakt verlieren.

Dabei hilft das übliche Porsche Stability Management genauso wie die mitlenkende Hinterachse und der immense Abtrieb, der dank ausgefeilter Aerodynamik gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert wurde. Der GT3 RS besitzt 80 Prozent des Abtriebes des Cup-Porsche für den Rennsport und generiert bei 200 km/h den gleichen Abtrieb wie der Vorgänger bei 300 km/h. Und wenn man es dann doch mal übertreibt, schiebt das Auto überraschungslos nach außen und mahnt zu mehr Vernunft.

Man könnte im GT3 RS auch reisen - der Sitzkomfort lässt es zu, ebenso der im serienmäßigen "Clubsportpaket" enthaltene und nur hinten verbaute Käfig, der nicht den Einstieg beschränkt. Und auch wegen der ganz normalen Dreipunktgurte, die nicht durch zwar sehr sichere, aber unhandliche Vier- oder Noch-mehr-Punkt-Gurte ersetzt wurden.

Das muss man wissen: 125 PS pro Liter Hubraum (Literleistung), 2,84 Kilogramm Fahrzeuggewicht pro PS (Leistungsgewicht) - vergleichen Sie das mal mit ihrem Auto vor der Haustür. Dann wird auch dem größten Zahlenfeind klar, was für ein Auto Porsche da auf die Räder gestellt hat. Leichtbau ist mal wieder das Zauberwort. Der GT3 RS wiegt rund 20 Kilogramm weniger im Vergleich zum "normalen" GT3, obwohl die große Porsche-Turbo-Karosserie seine Basis bildet. Kofferraumdeckel und Kotflügel bestehen aus Kunststoff (minus 3,7 Kilogramm), das Dach aus Magnesium (minus 1 Kilogramm), die Heck- und Fondscheiben aus Polycarbonat (minus 3,3 Kilogramm), statt gepolsterter Türen gibt es Türtafeln mit Schlaufen statt Griffen (minus 400 Gramm).

Übrigens - man kann problemlos auch noch weitere 20 Kilogramm sparen: Dazu muss man nur auf die werksseitig eingebaute Klimaanlage und Radio verzichten.

Das werden wir nicht vergessen: Es gibt sie tatsächlich noch - Autos ohne elektronische Assistenten. Für den GT3 RS sind weder für Geld noch gute Worte zum Beispiel Parkassistent, Totwinkelassistent oder Spurhalteassistent zu bekommen. Die einzigen Helfer bestehen aus einer Geschwindigkeitsregelanlage und dem Pit-Limiter: Ein Knopf, der bei Bedienung dafür sorgt, dass ein vorher über den Bordcomputer einstellbares Tempo eingehalten wird. Das brauchen Rennsportpiloten überwiegend in der Boxengasse. Man kann damit aber auch gemächlich durch eine 30-km/h-Zone cruisen.



insgesamt 126 Beiträge
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geisterfahrerii 21.05.2015
1. Nicht übel
2,84 Kilo Fahrzeuggewicht pro PS (Leistungsgewicht) Hab eben bei meinem Fahrzeug nachgerechnet. ich komme auf 1,41 Kilo pro PS. Hat aber auch zwei Räder weniger ;
audiotom 21.05.2015
2.
Ein Fahrzeug für den Preis einer kleinen Eigentumswohnung und ein Lichtschalter vom Golf. Gehts eigentlich noch peinlicher im Volkswagen-Konzern?
alois.hingerl 21.05.2015
3.
"ohne dass die fetten Reifen (vorne 104 Zentimeter Aufstandsfläche, hinten 148 Zentimeter) auch nur ansatzweise Bodenkontakt verlieren." Ich habe in der Schule noch gelernt, dass FLÄCHEN in Quadrateinheiten angegeben werden ...
Frank Zi. 21.05.2015
4.
Geiles Auto, besser gehts nicht.
Frank Zi. 21.05.2015
5.
Geiles Auto, besser gehts nicht. Hoffentlich bauen die da demnächst mal so einen ordentlich aufgeblasenen 500PS Diesel Dampfhammer aus dem Le Mans 919 abgeleitet rein.
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