Porsche Cayman Es geht auch ohne S

Porsche hat ein Herz für sparsame Sportwagen-Fahrer. Wem der Cayman S zu teuer ist, dem bieten die Schwaben das Boxster-Coupé für 12.000 Euro weniger nun auch ohne S. Dann fehlen zwar 50 PS, doch bissig bleibt der kleine Alligator trotzdem.


Porsche opfert das S: Neun Monate nach der Premiere des sportlichen Cayman S wollen die Schwaben nun mit dem 47.647 Euro teuren Basismodell ihres Coupés den Beweis antreten, dass der mit Blech bedachte Boxster auch mit dem Verzicht auf 0,7 Litern Hubraum und 50 PS mehr Lust und Laune macht als die neuen Konkurrenten aus München und Ingolstadt.

Unter dem Kofferraumboden im Heck gibt es dann statt des 3,4 Liter großen Sechszylinders nur den üblichen 2,7-Liter-Motor, der auch im Basis-Boxster verbaut wird. Er leistet 245 PS und 273 Nm. Das sind zwar exakt 50 PS und 67 Nm weniger als im S-Modell, aber noch immer mehr als genug, um mit dem Zweisitzer flott durch die Lande zu fahren. Schließlich beschleunigt auch der kleine Cayman in 6,1 Sekunden auf Tempo 100, fährt nach bereits 14,2 Sekunden 160 km/h und hat nach 23,7 Sekunden 200 Sachen auf der Uhr. Nur die Höchstgeschwindigkeit von 258 km/h scheint ein wenig knapp bemessen, weil da sogar die bei Tempo 250 abgeregelten Wettbewerber gefährlich lange am Heck des Cayman kleben könnten.

Auf der Autobahn mag das ein Manko sein. Doch auf der Landstraße fehlt einem im Cayman das S nicht wirklich. Egal ob mit der Fünfgangschaltung des Basis-Modells, dem aufpreispflichtigen Sechsgang-Getriebe oder der automatischen Tiptronic S – in jedem Fall hat der kleine Alligator genügend Biss. Der Motor hängt gut am Gas, reagiert spontan auf jeden festen Tritt und spurtet zügig von dannen. Dass man sich dabei fühlt wie in einem echten Sportwagen, ist auch den Soundingenieuren zu verdanken: Weil sie gut komponiert haben, röhrt selbst der Kleine wie ein Großer, wenn man den Fuß ans Bodenblech heftet und dem Horizont entgegenstürmt. Wirklich sparsam ist der Cayman dabei natürlich nicht. Aber zumindest auf dem Papier geht er mit einem Normverbrauch von 9,3 Litern noch als halbwegs vernünftig durch.

Zwar ist der Cayman ohne S erst die zweite Variante der Baureihe, so dass es bei den Schwaben üblicherweise noch reichlich Raum für weitere Spielarten gäbe. Doch macht Porsche mit Rücksicht auf den offenen Boxster und den großen Bruder 911 damit bereits Schluss. "Das Cabrio haben wir schließlich schon, und ein GT oder gar ein Turbo würden nicht zur Positionierung passen, weil solche Varianten dem Elfer zu nahe kämen", sagt Pressesprecher Cypselus von Frankenberg und stellt klar: "Mit diesen beiden Modellen ist die Cayman-Familie komplett."

Dass den Entwicklern aber keineswegs die Ideen ausgehen, zeigen sie unterdessen beim 911. Während der Cayman gerade auf dem Weg zu den Händlern ist, bereitet sich Porsche in der Baureihe darüber bereits auf die Premiere der nächsten Spielart vor und bringt deshalb zum Pariser Salon den neuen Targa in Stellung. Die Glasdach-Version des Sportwagen-Klassikers kommt im November in den Handel und wird erstmals ausschließlich mit Allradantrieb und der deshalb hinten um gut vier Zentimeter verbreiterten Karosserie angeboten.

Wie schon beim Vorgänger bekommt der Targa ein großes Glasdach und eine Heckscheibe, die ähnlich wie beim Cayman aufgeklappt werden kann. Die elegante Silhouette betont dann eine Zierleiste aus poliertem Aluminium, die entlang des Dachrahmens verläuft. Gedacht ist der Targa für all jene Kunden, die zwar den freien Blick zum Himmel lieben, dem Fahrtwind eines Cabrios aber nur wenig abgewinnen können. Trotzdem bietet die jüngste Elfer-Version natürlich ein paar eingebaute Kompromisse. Wer zumindest etwas frische Luft zu schätzen weiß, der kann das Dach einen halben Meter nach hinten surren lassen und ein laues Lüftchen spüren. Und wem selbst die getönte Sonne noch zu hell ist, der kann auf Knopfdruck ein Rollo zwischen Haupt und Himmel aufziehen.

Praktischer Elfer

Doch der Targa ist nicht nur heller als die anderen Elfer – er ist auch praktischer. Denn wenn die Gasdruckfedern die Heckscheibe nach oben gedrückt haben und die beiden ohnhin nur als Alibi geeigneten Rücksitze umgeklappt sind, können die 230 Liter Kofferraum spielend leicht beladen werden. Und damit danach das Schließen nicht so schwer fällt, zieht ein Elektromotor die Klappe wieder zu.

Unter dem Kofferraumboden arbeitet im 91.843 Euro teuren Targa 4 der bekannte Sechszylinder-Boxermotor, der aus 3,6 Litern 325 PS schöpft, in 5,3 Sekunden auf Tempo 100 kommt und maximal 288 km/h erreicht. Alternativ dazu gibt es für 102.167 Euro den Targa 4S mit 3,8 Litern Hubraum und 355 PS. Er ist bereits nach 4,9 Sekunden auf 100 km/h und jagt der Sonne mit bis zu 288 Sachen entgegen.

Die neuerliche Spielart des Elfers ist allerdings nicht nur ein Beweis für die Kreativität der Designer. Sondern vor allem der Beleg für ein umsatzträchtiges Marketing. Schließlich treibt das Glaselement, das andernorts als konventionelles Schiebedach durchgehen würde, den Preis um stolze 9000 Euro in die Höhe. Vielleicht sollten die Schwaben vor diesem Hintergrund doch auch noch einmal über die Cayman-Palette nachdenken.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.