Porsche Cayman S Beinahe ein Neunelfer

Es muss nicht immer ein Elfer sein. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gibt es im Porsche-Portfolio eine Alternative: den Cayman. Die aktuelle Modellpflege macht den Verzicht auf das Original leicht: Das Mittelmotor-Coupé ist ein richtig guter Sportwagen.


Für Hans-Jürgen Wöhler haben Autos eine ganz eigene Erotik. Während Fotomodels mit Maßen wie 90-60-90 beschrieben werden, lautet Wöhlers Lieblingskombination 8,9 – 4,9 – 1330. Das sind die Eckdaten des neuen Porsche Cayman, dessen Entwicklung er leitete. Nun – wirklich neu ist der Zweitürer nicht; die zweite Generation des Coupés ist lediglich ein sogenanntes Facelift, das drei Jahre nach dem Debüt den Absatz ankurbeln soll. Doch zumindest die Kennzahlen haben sich verändert. Denn 8,9, das ist der aktuelle Verbrauch. 4,9 sind die Sekunden, die der aufgefrischte Cayman für den Sprint von 0 auf 100 braucht. Und 1330 Kilo wiegt das Auto.

Dass der renovierte Cayman, der für einen Preisaufschlag von gut tausend Euro Ende Februar an den Start gehen wird, diese Idealmaße erreicht, verdankt er vor allem einer neuen Generation von Motoren und Getrieben. Sie folgen der Maxime mehr Kraft aus weniger Kraftstoff. So wächst der Sechszylinder des nun 49.831 Euro teuren Basismodells von 2,7 auf 2,9 Liter Hubraum und leistet 265 statt 245 PS, braucht aber auf 100 Kilometer lediglich 9,2 Liter. Und im unverändert 3,4 Liter großen Boxer-Motor des Cayman S (ab 61.493 Euro) hält jetzt die Benzindirekteinspritzung Einzug, mit der die Leistung um 25 auf 320 PS steigt und der Verbrauch auf 9,6 Liter sinkt. Obendrein reagiert der Motor nun etwas spontaner auf den Gasfuß und klingt dank modifizierter Luftführung und neuer Auspuffanlage schärfer als bislang.

Schon mit konventionellem Schaltgetriebe ist der Cayman schneller und sparsamer geworden. Besonders groß wird der Fortschritt mit der neuen Doppelkupplung, die für einen Aufpreis von satten 3000 Euro die bisherige Tiptronic ersetzt: Weil die Gänge ohne Zugkraftunterbrechung wechseln, schafft der Flachmann den Sprint von 0 auf 100 damit um eine Zehntelsekunde schneller (d.h. in 5,7 / 5,1 Sekunden).

Spritsparen mit dem Doppelkupplungsgetriebe

Und weil das Getriebe immer den idealen Schaltpunkt wählt, geht der Verbrauch gegenüber der bisherigen Automatikversion um 1,2 oder gar 1,8 Liter zurück. Natürlich macht das den Cayman nicht zum Öko-Auto, und in der Realität wird man weder die offiziellen Verbrauchswerte von 8,9 Liter des kleinen noch die 9,2 Liter des großen Motors erreichen. Doch immerhin hat auch Zuffenhausen die richtige Richtung eingeschlagen.

Das neue Getriebe lockt noch mit ganz anderen Qualitäten: Zum Beispiel mit drei Schaltprogrammen, die man auf Knopfdruck vorwählen kann. Je nach Präferenz und Straßentyp wechselt der Cayman die sieben Fahrstufen dann noch schneller oder dreht jeden Gang so weit aus, dass der Drehzahlmesser bei 7000 Touren beinahe in den roten Bereich zuckt und der Motorsound tatsächlich unter die Haut geht. Zudem haben die Ingenieure im neuen Getriebe auch die Launch-Control für den perfekten Kavalierstart eingebaut. Auf optimale Beschleunigung programmiert, sinkt so der Sprintwert auf 4,9 Sekunden. Das ringt selbst Porsche-Werksfahrer Walter Röhrl Respekt ab: "Schneller schaffe ich es auch nicht."

Reichlich neue Technik, Optik fast unverändert

So viel die Ingenieure am Cayman feilten, so zurückhaltend waren die Designer. Mit schwäbischer Effizienz blieben die teuren Blechteile unangetastet; es wurden lediglich feine Retuschen an Schürzen und Leuchten vorgenommen, die dennoch eine Wirkung haben.

Neu geformte Lufteinlässe und stechende LED-Punkte für das Tagfahrlicht geben dem Gesicht des Fahrzeugs mehr Biss, und die fein geschwungenen Linie der Leuchtdioden im Rücklicht lässt auch die Kotflügel der Kehrseite knackiger erscheinen. Außerdem gibt es innen für das Doppelkupplungsgetriebe einen neuen Schaltknauf mit viel blankem Metall sowie ein dicker gepolstertes Lenkrad mit hübsch integrierten Schaltwippen. Und für alle Varianten ist eine neue Generation Navigationssysteme mit Festplatte und Touchscreen bestellbar.

Mehr denn je macht der Cayman auf der Straße eine gute Figur – und plötzlich erscheint der Porsche 911er verzichtbar. Zwar hat das Kernmodell aus Zuffenhausen etwas mehr PS und mehr Prestige, doch der Wagen kostet auch 30.000 Euro mehr. Technisch ist der Cayman aber nahezu ebenbürtig, zumal auch das Fahrwerk weiter verfeinert wurde. Auf der Autobahn gibt der Zweisitzer den kommoden Langstreckensportler, der mit 410 Litern Fassungsvermögen in beiden Kofferräumen sogar alltagstauglich ist. Und auf kurvigen Landstraßen wähnt man sich angesichts der tollen Lenkung und dem perfekt kalkulierbaren Fahrverhalten im Steuerparadies. Wie passend, dass der Wagen den Namen einer Inselgruppe trägt, für die Gleiches gilt.



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