Autogramm Porsche Macan Leipziger Allerlei

500 Millionen Euro hat Porsche in das Werk in Leipzig gestopft, um dort aus dem Audi Q5 einen Porsche Macan zu machen. Es ist in gewisser Weise die teuerste Tuningbude der Welt, doch das Experiment ist geglückt. Der Kompakt-SUV ist ein echter Porsche - zumindest nach der Markendefinition von heute.

Porsche

Von Roland Löwisch


Der erste Eindruck: Es ist tatsächlich ein Porsche. Kein Arbeits-SUV, sondern ein Spaß-SUV, der dank kleinerer Abmessungen und 911er-Anleihen wesentlich sozialverträglicher scheint als der fette Bruder Cayenne.

Das sagt der Hersteller: "Der Macan ist der Supersportler unter den kompakten SUVs," schwärmt Porsche-Chef Matthias Müller, und aufgrund von stetig steigenden Absatzzahlen im Segment der kompakten SUVs auch im sogenannten Premiumsegment geht er davon aus, locker 50.000 Stück weltweit verkaufen zu können.

Nicht umsonst hat Porsche für den Bau des Macan in Leipzig mit 500 Millionen Euro die größte Summe seit Bestehen der Firma investiert. Die Sorge, dass eine weitere Baureihe - und dann noch ein SUV - die DNA von Porsche (weiter) verwässern könnte, macht den Porsche-Lenker nicht schlaflos: "Die Exklusivität bleibt gewahrt: Mit einem Marktanteil von weltweit 0,25 Prozent sind bei 1000 Autos gerade mal zwei bis drei von Porsche."

Das ist uns aufgefallen: Dass der Macan auf dem Audi Q5 basiert, ist für Puristen ein Frevel, aber macht sich im Alltag nur bemerkbar, wenn man angestrengt darüber nachdenkt. Zwei Drittel aller Komponenten des Macan sollen neu entwickelt oder angepasst worden sein - Anmutung, Qualität und natürlich auch die Anordnung der Instrumente und Schalter (Drehzahlmesser mittig, Zündschloss links, Mittelkonsole ansteigend) sind klar Porsche.

Ein Ausritt ins Werksgelände zeigt, was der Macan alles kann: 45 Grad Seitenneigung sind möglich, ebenso 100 Prozent Steigung. Die Elektronik leitet die Motorkraft automatisch an diejenige Achse, die sie jeweils am dringendsten benötigt. Mit optionalem Luftfahrwerk kann die normale Bodenfreiheit (19 Zentimeter) auf bis zu 23 Zentimeter erhöht werden - was den Macan aber nicht zum echten Geländewagen macht. Und Wasserdurchfahrten dürfen auch nicht tiefer als 30 Zentimeter sein.

Auf der Rennstrecke macht der Macan ebenfalls eine ganz gute Figur - wobei die Frage erlaubt sein muss, was ein SUV auf einer Rennstrecke zu suchen hat. Und warum ein SUV eine Launch-Control zum optimalen (Ampel-)Start braucht. Aber mit der äußerst präzisen Lenkung, die der Fahrer mittels des wunderschönen Lenkrads aus dem Übersportler 918 Spyder bedient, lassen sich Apex sowie Kurvenein- und Ausgänge perfekt ansteuern. Doch auch die perfekteste Elektronik kann an der Physik nicht überlisten, dass 1865 Kilo (beim S) oder 1925 Kilo (beim Turbo) Wagengewicht bei schneller Fahrt nach außen drängen.

Beim Sound haben sich die Porsche-Ingenieure zurückgehalten. Selbst in der Top-Version ist der begleitende Ton beim Gangwechsel nur ein leises Hüsteln statt eines kräftigen Bellens. Auch im normalen Fahrmodus kommt der Macan akustisch sehr dezent daher. Das erfreut die Umwelt und enttäuscht den Sportsfreund.

Das muss man wissen: Den 4,68 Meter langen Macan gibt es anfangs mit drei verschiedenen Motoren, die alle Schadstoffklasse Euro 6 schaffen. Unter der Haube des Macan S Diesel arbeitet ein V6-Turbo-Selbstzünder mit knapp drei Litern Hubraum. Das Aggregat aus dem Audi-Regal leistet 190 kW (258 PS), beeindruckend ist das maximale Drehmoment: mächtige 580 Newtonmeter. 230 km/h Spitze sind möglich, mit 6,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h ist der Diesel recht flott. Als Verbrauch gibt Porsche 6,1 bis 6,3 Liter Diesel an, je nach verwendetem Reifensatz.

Der "kleine" Benziner Macan S besitzt einen Dreiliter-V6 mit zwei Turboladern, der 250 kW (340 PS) leistet. Das maximale Drehmoment beträgt 460 Nm, bei 254 km/h ist Schluss mit Vortrieb. Der Sprint soll in 5,4 Sekunden klappen, und wer das öfter probiert, wird den offiziellen Verbrauchsmix von 8,7 bis 9 Liter auf 100 Kilometer weit verfehlen.

Top-Variante ist der Macan Turbo, der den gleichen Motor wie der S hat, aber rund 600 Kubikzentimeter mehr Hubraum. Mit ein paar technischen Änderungen schafft der große V6 damit 294 kW (400 PS) und 550 Nm maximales Drehmoment bei einem (theoretischen) Verbrauchsmix von 8,9 bis 9,2 Litern Superbenzin. Damit kann man in 4,8 Sekunden die 100-km/h-Marke erreichen und bis 266 km/h beschleunigen. Die Grundpreise für die Dieselvariante und den "einfachen" Macan S sind gleich: 57.930 Euro. Der Turbo kostet stolze 79.826 Euro, ist aber auch in der Basisversion bereits besser ausgestattet.

Weitere Modellvarianten sind geplant: Ein noch sportlicherer GTS ist ebenso denkbar wie ein abgespeckter Einstiegs-Macan für weniger als 50.000 Euro sowie ein Plug-in-Hybridmodell. Eine Version mit nur einer angetriebenen Achse soll allerdings nicht kommen.

Das werden wir nicht vergessen: Der Macan kann alles. Jedenfalls ein bisschen. In Top-Form zeigt er sich jedoch beim komfortablen Abklappern der Shopping-Meilen (Rücksitzlehne dreiteilig umklappbar, Gepäckraumvolumen 500 bis 1500 Liter) oder dabei, mit Top-Speed die arrivierten deutschen Nobellimousinen und ihre überraschten Fahrer von der linken Spur zu scheuchen.

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insgesamt 125 Beiträge
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Seite 1
hbblum 13.02.2014
1. Bei Opel...
... würden Sie wieder über die vielen Knöpfe auf der Mittelkonsole meckern....
raber 13.02.2014
2. Erfolgs-Porsche Macan
Dieser kleine Porsche-SUV ist von der Grösse her interessant und erst recht vom Motor. Viele Sachen kann man damit nicht herumschleppen, aber das ist ja wohl auch nocht vorgesehen. Dieser Macan wird bestimmt ein Erfolg.
michaelXXLF 13.02.2014
3.
"oder mit Top-Speed die arrivierten deutschen Nobellimousinen und ihre überraschten Fahrer von der linken Spur zu scheuchen." Auf so ein Auto haben wir ja schon lange gewartet.
franky_24 13.02.2014
4. Vergleich mit Audi ...
... " Anmutung, Qualität und natürlich auch die Anordnung der Instrumente und Schalter ... sind klar Porsche. " Ich würde sagen, Chance verpasst, hier mal die Anmutung und Qualität eines AUDI-Innenraumes zu verwirklichen und wirklich premium zu bekommen.
kahabe 13.02.2014
5. Und
Zitat von sysopPorsche500 Millionen Euro hat Porsche in das Werk in Leipzig gestopft, um dort aus dem Audi Q5 einen Porsche Macan zu machen. Es ist in gewisser Weise die teuerste Tuningbude der Welt, doch das Experiment ist geglückt. Der Kompakt-SUV ist ein echter Porsche - zumindest nach der Markendefinition von Heute. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/erste-ausfahrt-im-porsche-macan-a-953064.html
in den Fahrleistungen nicht dem VW 131 ("Kübel") vergleichbar. In der Geländegängigkeit schon; also nicht über einen Rübenacker fahren!
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