Porsche Macan S im Test Der musste ja so kommen

Der Macan ist für Porsche eine sichere Erfolgsnummer: Kompakt-SUVs genießen derzeit eine Verkaufsgarantie, und der Wagen leistet sich kaum Schwächen. Trotzdem bietet er nur ein fades Erlebnis.

Porsche

Wette Nummer eins: Fragt man zehn Menschen nach ihrem Traumwagen, wird mindestens die Hälfte mit "Porsche" antworten. Jeder von ihnen wird dabei an den 911 denken. An den deutschen Ur-Sportwagen, den man allein an seiner Silhouette erkennt, oder mit verbundenen Augen am Klang des Motors. Eine Ikone, bei der man kurz innehält, wenn man sie sieht oder hört.

Der Porsche Macan ist kein Traumwagen. Als der neue Kompakt-SUV im Hamburger Steppjackenviertel Eppendorf vor einer Bar parkte, sagte ein Betrachter: "Ah, der neue Daihatsu."

Der Mann wusste nicht, dass der Fahrer des Testwagens am Nachbartisch saß. Ohne den Daihatsu-Leuten nahetreten zu wollen: Der Vergleich war gemein. Aber er saß - der Macan sieht nun mal nach Ikonen-Maßstäben alltäglich aus.

Der Macan bemüht sich stets

Eine Spritztour hätte den spöttischen Betrachter vielleicht Demut gelehrt. Mit 340 PS verschafft man sich im Macan rasch Respekt - vor allem, wenn der Wagen auf Befehl in den Sport-Modus schaltet. Dann geht er in die Hocke wie Usain Bolt vor dem Hundertmeter-Lauf. Das Auto duckt sich spürbar ein paar Zentimeter nach unten, noch weiter runter als ohnehin schon, denn für einen SUV sitzt man im Macan ziemlich tief. Statt wie andere Autos dieses Typs über dem Verkehr zu thronen, erhebt er sich auf andere Weise: 5,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Zwischengasstöße inklusive, bitte alle herhören.

Der Macan gibt sich wirklich alle Mühe, ein Porsche zu sein. Aber der Versuch, einen 1,8 Tonnen schweren SUV auf Sportlichkeit zu trimmen, stößt nun mal irgendwann an Grenzen. Spürbar wird das in den Kurven, wenn der Wagen sich nach außen lehnt.

Der Dreiliter-V6-Motor ist auch längst nicht nur auf Krawall gebürstet. Beim Warten an der Ampel wird es im Auto zum Beispiel so leise, dass man das sachte Ticken der Uhr in der Mittelkonsole hört. Und trotz der immensen Leistung gibt Porsche einen einstelligen Normverbrauch von rund neun Litern auf 100 Kilometer an. Um auf zweistellige Werte zu kommen, bedarf es allerdings keiner Dauersprints: Ein Durchschnitt von etwa 13 Litern bei gemäßigter Fahrweise ist realistisch.

Legt man auch hier die üblichen Porsche-Maßstäbe an, geht selbst dieser Verbrauch als alltagstauglich durch. Ganz zu schweigen vom Platzangebot: In den Fond passen zwei Erwachsene, in den Kofferraum ungefähr vier Bierkisten, bestimmt auch acht Sektkartons.

Wenn an dem Auto überhaupt etwas wirklich misslungen scheint, dann die unüberschaubare Zahl an Knöpfen. In der Mittelkonsole, an der Seitentüre, überm Rückspiegel, auf dem Lenkrad, überall lässt sich was an- und ausknipsen, einstellen oder verschieben. Hinzu kommt auch noch ein Touchscreen fürs Infotainment. Und gerade wenn man glaubt, sämtliche Schalter entdeckt zu haben, klickt es beim Griff ans Steuer plötzlich: Es ist der Knopf für die Lenkradheizung, versteckt an der Rückseite des Volants.

Das SUV-Phänomen

Wette Nummer zwei: Fragt man zehn Porsche-Manager nach ihrem Traumwagen, wird mindestens die Hälfte mit "Macan" antworten. Jeder von ihnen wird dabei an die Verkaufszahlen seines großen Bruders Cayenne denken, Porsches großer Bestseller der vergangenen drei Geschäftsjahre.

Porsche kann mit dem Macan einfach nicht viel falsch machen, das Segment der SUV boomt wie kein anderes. Der Wagen ist ein Volltreffer mit Ansage.In Leipzig wurde dafür eigens ein Werk gebaut, 50.000 Macan sollen dort pro Jahr vom Band laufen. Neben dem Benziner gibt es noch einen Turbo und einen Diesel. Das S ist bei diesen drei Modellen obligatorisch, die Nomenklatur soll noch Platz für schwächer motorisierte Varianten bieten.

Platzangebot und Sitzhöhe wie bei einem Van oder Kombi, aber ein attraktiveres Design - das ist grob gesagt die Erfolgsformel der SUVs. Vielleicht rüsten sich die Autofahrer mit diesen Pseudo-Geländewagen auch gegen den Verfall der Infrastruktur: Eine Art Privatvorsorge gegen Schlaglöcher, weil der Staat zu wenig Geld in die Straßensanierung steckt.

Audi und Porsche teilen sich eine Plattform

Aber um ein bisschen höher zu sitzen und gleichzeitig sportlich unterwegs sein, dazu braucht es keinen Porsche, das geht auch mit SUVs anderer Hersteller: Zum Beispiel im BMW X3 xdrive 35i mit 306 PS, oder im 360 PS starken Mercedes GLA AMG. Der 313 PS starke Audi SQ5 TDI teilt sich mit dem Porsche Macan sogar eine Plattform, beide Marken sind unter dem VW-Dach vereint. Die Preise der Konkurrenten unterscheiden sich auch nicht gravierend von den rund 58.000 Euro, die der Macan in der Basisversion als Benziner kostet.

Nein, der Wagen leistet sich kaum Schwächen, aber gleichzeitig hinterlässt er auch keine richtige Begeisterung: Es ist ein Alltagsauto von einem Traumwagenhersteller. Für Porsche ist das ein Luxusproblem: Dem Macan wird man schon bald sehr oft auf den Straßen dieser Welt begegnen. Aber innehalten wird man nicht. Wetten?

insgesamt 197 Beiträge
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jojack 11.08.2014
1. Klimaschwein
Ich kann nur hoffen, dass die Käufer einer solchen Monstrosität im gesellschaftlichen Abseits landen. Die Politik ist gefragt, solche Klimaschweine mit massiver Besteuerung und ggf. Fahrverboten in Innenstädten zu belegen. 13 Liter Benzin auf 100km sind absolut indiskutabel! Und das für ein Auto mit äußerst begrenztem Nutzwert. Haaaaallllooo Porsche - AUFWACHEN! Bei Tesla laufen längst alltagstaugliche und sportliche Elektroautos vom Band. Wahrscheinlich muss die ganze Riege der Betonköpfe bei Porsche und Co. erst im Ruhestand sein, bevor hier Vernunft einkehrt.
anonymous123a 11.08.2014
2. Nee
Dann lieber den Großen und nicht diese Kompromisslösung.
Muhli9 11.08.2014
3. Jeder zweite? Ikone 911? Innehalten?
Ich frage mich, ob der Autor eine Zeitmaschine besitzt. Das war vielleicht, mit viel Rückenwind, noch so als beispielsweise ein Dave Gahan einen Elfer fuhr, oder man auf dem C64 mit "Test Drive" einen in der Reihe zwischen Lamborghini Countach, Ferrari Testarossa und Lotus Esprit S sah (selbst da gehört er schon nur mit Mühe hin)... Aber heutzutage, wo man auf dem Kudamm eher mit einem 1990er Polo G40 in gepflegtem Zustand anerkennende Blicke erntet als mit den Dank Firmenleasungverträgen omnipräsenten 911ern, die sich nun jeder drittklassige Pseudomafiosi und sonstiges Neureiche Klientel zwecks Aufreißertum vor die Hütte stellen kann...? Nicht wirklich. Zudem, hören sie mal hin: Die klingen heute wie aufgeplusterte Smarts. Null Charakter, aber gut -- Sounddesign und "Zwischengasstöße", elektrisch, selbstverständlich. Ein befreundeter Alfisto zog den akustischen Vergleich, daß ein moderner 911er klänge "als ob man in einen Blecheimer furzt" -- und ich kann ihm nur beipflichten (ohne es probiert zu haben ;). Charakter bei Porsche: Null. Sorry, aber da stelle ich mir lieber die vierte Italienerin in die Garage, auch wenn immer (entgegen den Tatsachen) behauptet wird, daß Italiener "keine Elektrik können". Selbst wenn sie es nicht könnten und die Bella alle zwei Tage "keine Lust hat", anzuspringen, das wäre mir tausendmal lieber als ein Spaltmaßüberkorrekter Elfer ohne jegliche Seele. Viel Erfolg auf dem Volumenmarkt weiterhin, Porsche!
udolf 11.08.2014
4.
Wieder so ein überflüssiges Fahrzeug im Stadtverkehr, die dann zwischen Ampeln immer zeigen müssen wie schnell sie anfahren können. Aber nur um 30 Meter weiter abbremsen zu müssen. Und dicht auffahren damit man auch das Logo vom Hersteller im Rückspiegel sieht - Sicherheitsabstand ist doch nur was für weniger gut betuchte! Solche Fahrzeuge sind irgendwas zwischen traurig und lustig im Stadtverkehr vor allem wenn die Fahrer denken man würde sie bewundern oder beneiden und nochmal extra drauf treten. Das selbe wie Motorradfahrer die nicht mal merken das deren "Sound" wie eine knatterbüchse klingt und man lediglich genervt dahin schaut. PS: mir wollen sicherlich ein paar belehren das sei der Neid, ihr habt damit total recht. (/Ironie)
MrMr 11.08.2014
5. S im Namen
Liebe Redaktion, hin und wieder mal recherchieren, bevor man veröffentlicht: der Turbo hat kein S. Das wird auch bei mehrfacher Wiederholung nicht richtig. P.S.: in Kurven "lehnt" sich irgendwann jeder Wagen nach außen. Das hat was mit Physik zu tun.
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