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21. Januar 2019, 04:42 Uhr

Autogramm Porsche Macan S

Der Star von SUVenhausen

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Mit dem 911er poliert Porsche sein Image, mit SUV wie dem Macan verdient das Unternehmen viel Geld. Damit das so bleibt, wurde der Bestseller aufgefrischt - ein großer Nachteil an dem Wagen aber bleibt.

Der erste Eindruck: Der Macan ist für Porsche eine Blech gewordene Lichtgestalt - und zwar im doppelten Sinne. Erstens ist der Wagen Bestseller des Herstellers aus Zuffenhausen. Zweitens fällt die überarbeitete Version durch raffinierte LED-Scheinwerfer und das Leuchtenband am Heck auf.

Das sagt der Hersteller: Der Macan ist für Baureihenchef Michael Becker der Sportler unter den kompakten SUV. Als der Wagen vor vier Jahren in den Handel kam, sei er das erste ernsthafte Muskelmodell seiner Klasse gewesen. Mittlerweile hat die Konkurrenz nachgezogen, wie Becker einräumt. Mit der Modellpflege soll der Macan wieder eine Spitzenstellung einnehmen. Dabei setzt Becker auf Motoren mit mehr Leistung und neue Details wie das GT-Lenkrad, das den sportlichsten Varianten des Elfers entlehnt wurde. Die meisten Kunden gehören indes nicht der Vollgasfraktion an: Mehr als die Hälfte aller bestellten Macans haben einen Vierzylinder-Basismotor, sagt Becker. Dieser Trend sei noch stärker geworden, seit Porsche den Dieselmotor aus dem Programm genommen habe.

Das ist uns aufgefallen: Man muss nur um zwei, drei Ecken fahren, dann weiß man, dass Michael Becker recht hat: Kein anderes SUV in dieser Klasse tritt so stramm und sportlich an wie der Macan, zumindest wenn man Sportskanonen von AMG oder ähnlichen Labels beiseitelässt. Der kraftvolle Auftritt ist weniger eine Frage des Antriebs als eine der Abstimmung. Die Federung arbeitet so verbindlich und die Lenkung so direkt, dass der Fahrer sich fast in einem Elfer oder einem Cayman auf Stelzen wähnt. Lustvoll lässt sich dieses SUV durch die Kurven treiben, ohne dass man den höheren Schwerpunkt oder das größere Gewicht spürt. Das war allerdings schon bisher so - die 14 PS, die der 354-PS-V6-Motor im Macan S jetzt zusätzlich mobilisiert, ändern das Fahrgefühl kaum. Und dass man den "Sport"- oder "Sport+"-Modus nun auch im Macan mit einem Drehrädchen am Lenkrad statt einem Taster aktiviert, macht auch keinen großen Unterschied.

Um herauszufinden, was tatsächlich neu ist am Macan, muss man lediglich die Zündung betätigen. Dann leuchtet neben dem weiterhin analogen Cockpit der deutlich gewachsene Touchscreen auf. Mit ihm will Porsche Anschluss beim Infotainment halten. Er wächst von 7,2 auf jetzt 10,9 Zoll Bildschirmdiagonale, ist stets mit dem Internet verbunden, lässt sich individuell konfigurieren und macht manche Taste auf der Mittelkonsole überflüssig. Diese sieht dadurch etwas aufgeräumter aus, aber noch nicht ganz so geleckt wie im großen Bruder Cayenne.

Das muss man wissen: Der Verkauf des überarbeiteten Macan hat zum Jahreswechsel begonnen. Zunächst stehen zwei Benzinmotoren zur Auswahl, die als erste in der Porsche-Palette mit einem Otto-Partikelfilter ausgestattet sind. Es gibt den Macan in der Basisversion mit einem 2,0 Liter großen Vierzylindermotor mit 245 PS ab 58.763 Euro und als Macan S mit einem aus Panamera und Cayenne übernommenen V6-Turbo, der aus 3,0 Liter Hubraum 354 PS Leistung und 480 Nm Drehmoment schöpft und mindestens 64.356 Euro kostet.

Weil der Motor etwas stärker ist als bislang und das Doppelkupplungsgetriebe anders übersetzt ist, verkürzt sich die Sprintzeit auf 5,1 Sekunden. Das Spitzentempo liegt bei 254 km/h. Später soll es auch wieder einen Macan Turbo geben. Dieselmotoren sind hingegen endgültig passé. Ein großer Nachteil bleibt: Weiterhin wird Porsche im Macan keinen Plug-in-Hybridantrieb anbieten. Den hat Baureihenleiter Becker zwar untersucht, aber schließlich als zu teuer und mit zu vielen Kompromissen behaftet verworfen. Deshalb müssen E-Fans auf die zweite Macan-Generation in drei bis vier Jahren warten, zu der dann mutmaßlich auch eine rein elektrische Variante gehören wird.

Das werden wir nicht vergessen: Die neuen Extras auf der Optionsliste. Zum einen, weil sie überfällig sind - wie die beheizbare Frontscheibe oder der Lenkeingriff beim Stauassistent. Zum anderen, weil sie teils ironischen Charakter haben - wie die Innenraumluftreinigung. Während die vielen SUV für hohe Schadstoffwerte in Großstädten mitverantwortlich sind, bekommen Insassen des Macans weniger Feinstaub in die Lungen als Fußgänger.

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