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Autogramm Porsche Panamera Sport Turismo: Schau mal hinten

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Autogramm Porsche Panamera Sport Turismo Raumschiff Surprise

Längst baut Porsche mehr SUV-Modelle als Sportwagen, und jetzt bringen die Schwaben auch noch einen Kombi auf den Markt. Oder zumindest etwas Ähnliches. Denn echte Kombi-Qualitäten hat das Auto nicht zu bieten.

Der erste Eindruck: Die coolste Kehrseite in der Oberklasse.

Das sagt der Hersteller: Für Projektleiter Gernot Döllner ist der Sport Turismo die praktischere Variante des Panamera und eine weitere Kampfansage an Audi, BMW und Mercedes. Schon der normale Panamera habe frischen Wind in das eingefahrene Segment der Luxuslimousinen gebracht, mit dem Sport Turismo komme nun erstmals eine Version ins Spiel, die mehr Variabilität und Funktionalität biete, sagt Döllner. Er kann die neue Modellvariante stundenlang erklären, doch ein Wort kommt ihm dabei nicht über die Lippen, und wenn ein anderer es sagt, tut er so, als habe er es nicht gehört: "Kombi".

Mit Autos wie dem Mercedes E-Klasse T-Modell, dem Audi A6 Avant oder dem BMW 5er Touring, ja nicht einmal mit dem CLS Shooting Brake oder dem 5er GT will Porsche das eigene Modell vergleichen. Der Panamera sei in der Oberklasse positioniert, wo es kaum Alternativen zur Limousine gebe, basta. Zudem ist der Panamera Sport Turismo auch kein echter Lademeister. Daher lehnt Döllner die sonst bei Kombis übliche Literzählerei rundweg ab. Beim Panamera Sport Turismo, so der Projektleiter, sei es nicht um das Fassungsvermögen, sondern vor allem um die Form gegangen.

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Das ist uns aufgefallen: Dem Sport Turismo nähert man sich am besten von hinten. Und zwar nicht nur, weil das Heck mit den fast schon vulgär weit ausgestellten Kotflügeln einfach besser aussieht, als die fast schon auswechselbare Frontpartie. Sondern weil man tatsächlich neugierig ist, was sich hinter der großen Klappe verbirgt.

Wenn die sich auf Knopfdruck öffnet, bleibt das Aha-Erlebnis allerdings aus. Denn der Raumgewinn ist gering, gegenüber dem normalen Modell ist er mit 20 Litern bei aufrechter und 50 Litern bei umgeklappter Rücksitzlehnen eher bescheiden, die Kofferräume echter Kombis sind weitaus größer. Praktisch ist er trotzdem, wegen anderer Details: der größeren Klappe zum Beispiel oder der sechs Zentimeter niedrigeren Ladekante, die den Kunden des Sportwagenherstellers den Lade-Kraftsport deutlich erleichtert. Ein Fingerzug an einem Haken im Kofferraum , schon fallen die Sitzlehnen nach vorne. Das Aufrichten hingegen ist eine kräftezehrende Übung.

Unser Testwagen war ein Panamera 4 E-Hybrid. Das Antriebspaket besteht aus einer 14 kWh großen Plug-in-Batterie im Kofferraum und einem 100 kW starken E-Motor im Achtgang-Automatikgetriebe des 330 PS starken V6-Benziners. Diese Konfiguration schmälert das Platzangebot und frisst 95 Liter Stauraum unter dem doppelten Ladeboden, sodass der Panamera Kombi weniger Fassungsvermögen bietet als ein Audi A4 Avant; von einem Porsche Macan oder Cayenne ganz zu schweigen. Doch davon unbenommen passt die Motorisierung mit der starken E-Maschine, dem mächtigen Antritt im Tandembetrieb und dem entspannten Gleiten gut zur neuen Modellvariante. So wird der Sport Turismo zumindest in diesem Sinne zum Lademeister.

Das muss man wissen: Der Panamera Sport Turismo kommt ab 7. Oktober in den Handel und kostet mindestens 97.557 Euro - damit ist der Kombi knapp 5000 Euro teurer als die konventionelle Karosserievariante.

Während die Entwickler in Weissach dem Sport Turismo ein neues Heck geschneidert haben, ändert sich unter der Haube nichts. Es gibt den Luxuslaster mit drei Benzin-Motorisierungen vom V6 mit 330 PS bis zum V8 Turbo mit 550 PS, daneben als Panamera 4S Diesel mit 422 PS und als Hybrid mit einer Systemleistung von 462 PS, einer elektrischen Laufleistung von bis zu 50 Kilometern und einem freilich ziemlich wirklichkeitsfremden Normverbrauch von 2,5 Litern. Glaubwürdiger sind da schon die Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 304 km/h, die den Sport Turismo zum schnellsten serienmäßigen, hüstel, Kombi der Welt machen dürften.

Ein bisschen mehr Laderaum und das war's? Ganz so einfach war es nicht für die Entwickler. Sie haben nämlich für den Sport Turismo unter anderem einen ziemlich aufwendigen, weil beweglichen, Heckspoiler entwickelt. Das Bauteil ist in der Verkleidung oberhalb der Kofferraumklappe integriert, kann in drei Positionen ausfahren und hat eine doppelte Funktion: Bis 170 km/h senkt er den Luftwiderstand und damit den Verbrauch. Fährt man schneller, erzeugt er Abtrieb und hält das Dickschiff auch bei hohem Tempo auf Kurs.

Das werden wir nicht vergessen: Für Praktiker ist der Panamera Sport Turismo eine Pleite. Nicht nur wegen des geringen Raumgewinns, sondern weil dem Auto zum wahren Lademeister ein paar praktische Details fehlen. So klaffen nach dem Umlegen der Rückbank tiefe Gräben im Ladeboden und wenn man die Gepäckraumabdeckung ausgebaut hat, weiß man - anders als bei Audi, BMW und Mercedes - nicht, wohin damit. Klassische Kombis machen das besser. Auch das ist vielleicht ein Grund, weshalb der Sport Turismo gar kein Kombi sein soll.

Hersteller:Porsche
Typ:Panamera Sport Tursimo
Karosserie:Kombi
Motor:V6-Benzindirekteinspritzer mit Turbo
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:2.894 ccm
Leistung PS:330 PS
Leistung kW:243 kW
Leistung PS (E-Motor):138 PS
Leistung kW (E-Motor):100 kW
Drehmoment:700 Nm
Von 0 auf 100:4,6 Sek.
Höchstgeschw.:275 km/h
CO2-Ausstoß:56 g/km
Kofferraum:425 Liter
umgebaut:1.295 Liter
Gewicht:2.190 kg
Maße:5049 / 1937 / 1428
Preis:112.075 €
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