Q3-Vorläufer Cross Coupé Quattro Audis Gruß aus der Zukunft
Bei kleine Geländewagen geht es in der deutschen Autoindustrie derzeit zu wie beim Qualifying in der Formel 1: Alle spielen nervös mit dem Gaspedal, taktieren und hoffen auf eine optimale Startposition. Weil alle glauben, dass Offroad-Flitzern eine große Zukunft bevorsteht, werden künftige Modelle durch gezielte Indiskretionen oder Präsentationen in Stellung gebracht - obwohl es noch einige Zeit dauern wird, bis die Fahrzeuge tatsächlich serienreif sind. VW lud bereits zur normalerweise geheimen Abnahmefahrt des Tiguan, Mercedes zog die Premiere des GLK vor. Audi bat nun zur ersten Fahrt in einem Auto, das in zwei, drei Jahren der Q3 werden könnte.
Wichtigster Mann bei der Testfahrt mit dem Einzelstück ist Uwe Haller. Als Projektleiter hat er den Prototyp Cross Coupé Quattro mit einem Team von nicht einmal 30 Mitarbeitern gebaut. Acht Monate hatte er Zeit. "Wie immer wird es zum Ende einfach unglaublich knapp", erzählt der Projektleiter. Noch eine Stunde vor der Präsentation erledigt das Team oft den letzten Feinschliff, repariert Transportschäden und baut empfindliche Teile ein, die aus Sicherheitsgründen im Handgepäck transportiert wurden.
Neues Gebläse kühlt oder heizt durch 4600 Öffnungen
bei der Testfahrt macht der 4,38 Meter kurze Wagen eine gute Figur. Obwohl von Hand und eigentlich nur für die Showbühne gebaut, fährt er besser als manches Vorserienmodell. Kein Wunder: Das so genannte Go-Cart, die Unterkonstruktion aus Plattform, Fahrwerk, Motor und Getriebe stammt von den Modellen A3 und TT. Der neue Dieselmotor wird noch in diesem Jahr in Serie gehen und im neuen A4 sowie den VW Golf das Ende der Pumpe-Düse-Ära einleiten.
"Natürlich haben wir bei so einem Auto viel mehr Freiheiten als bei jedem Serienmodell", sagt Haller. "Statt mit 200 bis 300 Ingenieuren arbeiten wir hier mit sechs oder sieben, und statt auf langen Entscheidungswegen beantworten wir auch wichtige Fragen einfach allein", sagt er über die Bauphase. Zwei, drei gemeinsame Gesprächsrunden mit dem Vorstand seien oft das einzige Korrektiv. Den größeren Spielraum hat das Projektteam genutzt, um im Q3-Vorboten allerlei neuartige Technologien auszuprobieren. Die Lüftung bläst durch 4600 haarkleine Löcher im Armaturenbrett. Über den neuen Schaltknauf lassen sich die Gänge per kleinem Drehrad wählen. Zudem gibt es ein Multi-Media-Bedienfeld, das Navigationsziele per Handschrift erkennt, und einen Dual-View-Monitor, auf dem Fahrer und Beifahrer zur gleichen Zeit zwei unterschiedliche Bilder sehen können.
Manche Extras werden in die Serie gehen
Vieles davon klingt nach Zukunftsmusik. "Doch technologisch gibt es hier nichts, was nicht machbar wäre", sagt Audi-Designer Ulrich Roider. "Allerdings wären viele Lösungen in diesem Segment noch nicht bezahlbar", erklärt Projektleiter Haller. Manche Details allerdings sind klassenlos: Das Scharnier der Hecklappe, das bei der Studie vom Dach in die Reling verlegt wurde, könnte auch beim einem Avant oder Sportback für mehr Stauraum und Kopffreiheit sorgen. Und den so genannten Drive-Select-Schalter, mit dem man Fahrwerk, Motor und Getriebe, Lenkung und Assistenzsysteme auf Komfort, Sportlichkeit oder geringen Verbrauch trimmen kann, werde man schon sehr bald in der Serie finden.
Eigentlich arbeit Haller schon wieder am nächsten Showcar und hat für die Nachsorge des Cross Coupé Quattro nicht viel Zeit. Nach dem letzten Auftritt wird das Auto sowieso zum Staubfänger. Selbst wenn der Wagen tatsächlich gebaut werden sollte, brauche die Studie keiner mehr, sagt Designer Roider. "Dann fangen die Kollegen aus der Serienentwicklung wieder bei Null an."