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Autogramm Range Rover Evoque Schick statt Schlick

Designer-Handtasche auf vier Rädern - das ist das Erfolgsrezept des Range Rover Evoque. Deswegen wurde beim neuen Modell die Optik auch nur filigran verändert. Der Wagen überzeugt vor allem wegen technischer Details.

Der erste Eindruck: Ganz der Alte!

Das sagt der Hersteller: Range Rover hat beim Evoque erstaunliches geleistet. Obwohl das Auto komplett neu entwickelt und kein Blechteil vom Vorgängermodell übernommen wurde, es auf einer neuen Plattform steht und neue Motoren erhält, sieht es aus wie sein Vorgänger. Nur wenn man genau hinsieht, erkennt man Retuschen an Scheinwerfern und Rückleuchten und bemerkt die neuen, bündig eingepassten Türgriffe.

Land-Rover-Designchef Gerry McGovern macht gar nicht erst den Versuch, das zu kaschieren. "Warum sollten wir, nur um des Neuen Willen, etwas Neues machen?", fragt er rhetorisch. Schließlich war und ist das Design der Kaufgrund Nummer eins für den Evoque. "Wir wären dumm, wenn wir daran radikal etwas ändern würden." McGovern sieht die Veränderungen deswegen im Bereich von Feinschliff, der den Evoque näher an die größeren luxuriösen Range-Rover-Modelle rücken soll.

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Autogramm Range Rover Evoque: Für Durchblicker

Foto: Land Rover

Das ist uns aufgefallen: Schuhe ausziehen, Hände waschen! Von innen sieht der neue Evoque so piekfein aus, dass man mit staubigen Straßenschuhen kaum einsteigen mag, geschweige denn mit schlammigen Wanderstiefeln. Und die nahezu knopflose Mittelkonsole mit den zwei großen Touchscreens ist so glatt und glänzend, dass man sich vor dem Ändern der Temperatur oder der Eingabe des Navigationsziels am liebsten Samthandschuhe überstreifen möchte.

An Allradabenteuer jedenfalls denkt in diesem Ambiente keiner mehr. Wohl aber an Shopping-Ausflüge ins Londoner Luxuskaufhaus Harrods oder in eine edle Boutique entlang der Champs-Élysées in Paris. Genau da gehöre der Evoque auch hin, sagt Designer McGovern und freut sich, dass das kleinste Range-Rover-Modell innen nun genauso nobel ist wie die großen. Selbst die digitalen Instrumente und die noblen Kvadrat-Stoffe (vegan) anstelle der Lederpolster wurden übernommen.

Auch praktisch, dass der Evoque jetzt mehr Platz für die Einkäufe bietet. Ohne dass er außen gewachsen wäre, legt der Kofferraum um zehn Prozent Volumen zu und fasst nun 591 Liter. Und auch auf der Rückbank geht es nicht mehr ganz so eng zu - zumindest nicht für die Knie. Die Köpfe der Hinterbänkler dagegen müssen sich nach wie vor dem Diktat der Designer beugen und wegen der niedrigen Dachlinie eingezogen werden.

Pete Simkin, Projektleiter des neuen Evoque, betont, dass der Wagen natürlich auch vollauf geländegängig sei. Denn das so enannte Terrain Response System, das die gesamte Elektronik auf den jeweiligen Untergrund einstellt, wurde noch einmal weiterentwickelt und dabei die Offroad-Werte, darunter auch die Wattiefe, erneut verbessert. Doch wer würde mit diesem Auto wirklich durch einen 60 Zentimeter tiefen Wasserlauf fahren?

War der Vorgänger noch auf der schon zur Premiere ziemlich ausgelutschten Plattform des Land Rover Freelander aufgebaut, steht der neue Evoque auf einer neuen Plattform, die deutlich steifer konstruiert ist. Zusammen mit einem neuen Fahrwerk fühlt er sich so viel erhabener an. "Mehr nach Range Rover eben", sagt Chef-Fahrwerksentwickler Mike Cross. Zudem ist er deutlich handlicher als das Range-Rover-Flaggschiff, was vor allem daran liegt, dass der Evoque einen halben Meter kürzer ist und knapp eine Tonne weniger wiegt.

Das muss man wissen: Der neue Evoque kommt im April in den Handel und kostet mindestens 37.350 Euro. Dafür gibt es den Geländewagen als 150-PS-Diesel mit Frontantrieb. Daneben haben die Briten zwei weitere Diesel mit 180 und 240 PS im Angebot sowie drei Benziner, die ein Leistungsspektrum von 200 bis 300 PS abdecken - allesamt mit Allradantrieb.

Im Vergleich zum Vorgängermodell soll der neue Evoque deutlich weniger Benzin verbrauchen. Das fußt nicht zuletzt auf einer in diesem Segment bislang noch seltenen Technik. Denn alle Automatik-Varianten, und das sind die allermeisten, sind serienmäßig mit einem Mild-Hybrid-System ausgestattet. Ein elektrischer Startergenerator, der deutlich stärker ist als ein Anlasser, hilft in diesem Fall beim Anfahren, verlängert die Start-Stopp-Phasen und kann beim Bremsen mehr Energie zurückgewinnen. Das senkt den Verbrauch im Alltag um bis zu zehn Prozent.

Dabei jedoch will es Range Rover nicht belassen. Später im Jahr soll es den Evoque auch mit Dreizylinder-Motoren und erstmals auch mit Plug-In-Hybridantrieb geben.

Das werden wir nicht vergessen: "ClearSight GroundView" und "ClearSight RearView" - das sind zwei Technologien, die dem Fahrer buchstäblich die Augen öffnen. Die erste blickt mit Kameras unter den Bug und macht per Video-Projektion auf den Touchscreen die Motorhaube quasi durchsichtig, so dass man kontrollierter über Stock und Stein kraxeln oder sich ohne Gefahr für die Felgen zwischen hohen Bordsteinen bewegen kann. Das zweite System nutzt den Rückspiegel als Bildschirm für eine Kamera oberhalb der Kofferraumklappe. Trotz der mickrigen Heckscheibe ist die Rücksicht dann ungetrübt. Auch wenn der Evoque beim ersten Anblick wirkt wie eh und je - der Ausblick ist völlig neu.

Hersteller:Land Rover
Typ:Range Rover Evoque (2019)
Karosserie:SUV
Motor:Vierzylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung
Getriebe:Neungang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:1.998 ccm
Leistung PS:300 PS
Leistung kW:221 kW
Drehmoment:400 Nm
Von 0 auf 100:6,6 Sek.
Höchstgeschw.:242 km/h
Verbrauch (ECE):8,1 Liter
CO2-Ausstoß:186 g/km
Kofferraum:591 Liter
umgebaut:1.383 Liter
Gewicht:1.925 kg
Maße:4371 / 1996 / 1649
Preis:52.400 €
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