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14. Mai 2005, 10:26 Uhr

Range Rover Sport

Good bye rechter Winkel

Von Philip Wesselhöft

Während sich frühere Modelle aus dem Hause Land Rover wie eine Schrankwand gegen den Fahrtwind stemmten, kommt der Range Rover Sport formschön und sportlich daher. Kein Wunder, der neue SUV der britischen Geländewagenmarke wurde vor allem auf Straßenfitness getrimmt.

Range Rover Sport: Dem großen Range wie aus dem Gesicht geschnitten, sonst aber wesentlich weicher geformt

Range Rover Sport: Dem großen Range wie aus dem Gesicht geschnitten, sonst aber wesentlich weicher geformt

In einem Kreisverkehr in den Pyrenäen ist es soweit. Ein Polizist, der eben noch lässig an seinem Motorrad lehnte, springt auf die Straße. Die Gestik ist unmissverständlich: Bis hierhin und nicht weiter. Führerschein und Fahrzeugpapiere werden durchs Fenster gereicht, vom spanischen Beamten aber nur mit einem flüchtigen Blick bedacht. El Policía hat vornehmlich Augen für das Gefährt, das an den Straßenrand gewunken wurde: den neuen Range Rover Sport, den es zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht gibt.

Das jüngste Mitglied der Land-Rover-Familie kommt erst am 21. Mai auf den Markt. Und wirkt deswegen bei seiner ersten Fahrvorstellung auf den kurvigen Straßen zwischen Barcelona und dem französischen Perpignan besonders anziehend auf katalanische Cops. Das ist nicht verwunderlich, denn das neue Modell sticht ins Auge. Mit der klassisch-knorrigen Optik der britischen Offroad-Marke hat der Range Rover Sport nicht mehr viel gemein. Sehen etwa der Discovery oder frühere Varianten des großen Range Rover aus wie mit dem Lineal entworfen, sprintet der neue, geschmeidig gezeichnete SUV sportlich-muskulös über den Asphalt. "Wir wollten ein Statement machen", sagt Designer Richard Woolley, der den Range Rover Sport entworfen hat. "Sportlichkeit gehörte bisher eher nicht zu unseren Markenattributen."

Range Rover Sport: Natürlich kommt das Auto auch im Gelände klar, entwickelt aber wurde es für die Straße

Range Rover Sport: Natürlich kommt das Auto auch im Gelände klar, entwickelt aber wurde es für die Straße

Deshalb sieht der Wagen auch mehr nach Windkanal als nach der Land-Rover-typischen Huldigung des rechten Winkels aus. Seine Form ist insgesamt gerundeter und zugespitzter, ein kurzer Front- sowie der längere Hecküberhang und die fließende Dachlinie ergeben einen kraftvollen Auftritt. Die stark geneigte Windschutzscheibe und extrem schmale Säulenprofile sollen dem Range Rover Sport "eine schlanke, fast coupéhafte Erscheinung" verleihen, sagt Woolley. Das Fitnessprogramm sorgt in der Tat für ein gutes Verhalten im Windkanal: Mit einem cW-Wert von 0,37 ist der Offroader eines der aerodynamischten SUV-Modelle - der massig-rundliche Konkurrent Porsche Cayenne etwa hat einen Vergleichswert von 0,38.

Mit dem Range Rover Sport sollen neue Kunden für die britische Traditionsmarke gewonnen werden. Denn bislang waren die Autobauer von der Insel hauptsächlich für die Geländegängigkeit ihrer Fahrzeuge bekannt. Und dafür, mit dem Range Rover so etwas wie das rollende Herrenzimmer unter den Offroadern im Fuhrpark zu haben. Der große Bruder des kleinen Sport gilt als Nonplusultra unter den Sports Utiliy Vehicles, als Luxussalon auf Rädern für bestens situierte Gentlemen mit Gut und Gestüt. Jetzt sollen vor allem Familien angesprochen werden und aufstrebende Jungmanager, "die sich und ihrer Umwelt noch etwas beweisen wollen", wie Land-Rover-Sprecherin Andrea Leitner-Garnell sagt. Deswegen habe man mit dem Range Rover Sport ein "Lifestyle-Auto" entwickelt, für "Menschen auf dem Weg nach oben".

Blick ins Cockpit: Hier herrscht Ordnung und Disziplin

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Dafür wurde die leistungsstärkste Variante des SUV mit einem 390 PS starken V8-Motor ausgestattet, der auf einem Jaguar-Aggregat basiert - Jaguar gehört wie Aston Martin, Volvo und Land Rover zur so genannten Premier Automotive Group von Ford. Das sportlich abgestimmte, schnell schaltende Getriebe kommt auf einem Teilstück der Rallye Catalunya gut zum Zuge - allerdings fast zu gut. Die knapp 400 PS wollen den mehr als 2,5 Tonnen schweren Wagen beinahe zu ungestüm um die Bergflanken treiben. Vor allem beim Anfahren springt der SUV trotz kaum merklicher Berührung des Gaspedals wie ein junger Stier nach vorn.

Für erfolgshungrige Manager auf dem Weg nach oben mag das vielleicht eine adäquate Schaltcharakteristik sein, dem Komfort ist es jedoch nicht zuträglich. Aber es geht ja auch ein wenig gemütlicher. Mit der normalen V8-Motorisierung zum Beispiel. Die entwickelt immer noch üppige 299 PS, und mit dem Saugaggregat unter der Haube wirkt der Range Rover Sport deutlich harmonischer. So angetrieben, lässt er sich durchaus angenehm durch die Pyrenäen steuern. Und die Gefahr, von Verkehrspolizisten zwecks Karosserie-Beschau an den Straßenrand gewunken zu werden, wird mit der offiziellen Markteinführung des neuen Luxus-Offroaders wohl auch abnehmen.

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