Renault Clio E-Tech Der Diesel kann einpacken

Renault schickt seinen Bestseller als Vollhybrid an den Start. Der Clio E-Tech soll dabei nicht mehr kosten als ein Diesel und genauso sparsam sein. Er fährt viel besser - auch durch Technik aus der Formel 1.
Von Michael Specht
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GREG/ DPPI/ Renault

Der erste Eindruck: schickes Design, gute Proportionen, kompakte Größe. Nur das kleine Schild "E-Tech" an der Heckklappe wirft Fragen auf. Was läuft da anders unterm Blech?

Das sagt der Hersteller: "Der Clio E-Tech könnte so etwas wie der 'Diesel für Deutschland' werden", sagt Uwe Hochgeschurtz. Er ist Chef von Renault Deutschland und hat ein Problem: Die Autobranche steht unter enormem Druck, die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen. Ein Weg, den Verbrauch zu reduzieren und Strafzahlungen zu vermeiden, ist die Elektrifizierung des Antriebs, am besten bei einem Modell, das in großen Stückzahlen verkauft wird. Bei Renault ist das der Clio. Er hat vorigen Monat in der europäischen Verkaufsstatistik sogar den Golf übertroffen.

Mit dem reinen E-Antrieb hat Renault reichlich Erfahrung, zum Beispiel beim Zoe. Der klassische Hybridantrieb ist für die Franzosen hingegen Neuland. Hier hilft der Elektromotor dem Benziner beim Beschleunigen, sammelt Strom beim Bremsen ein und kann den Wagen, wird wenig Leistung abgefordert, auch allein antreiben. Toyota praktiziert dies seit über 20 Jahren erfolgreich beim Prius.

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Clio E-Tech

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Renault verspricht, dass der Clio E-Tech im typischen Stadtverkehr rund 80 Prozent der Zeit elektrisch unterwegs ist. Den Spritspareffekt geben die Franzosen mit 40 Prozent an. Der Hybrid-Clio - immerhin 103 kW (140 PS) stark - soll weit unter 90 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Dies entspricht im Bestfall einem Verbrauch von 3,6 Litern auf 100 Kilometer. Damit wäre der Clio tatsächlich auf Dieselniveau.

Das ist uns aufgefallen: die Geschmeidigkeit des Hybridantriebs. Der Clio E-Tech - bei den Testfahrten handelte es sich noch um Vorserienmodelle - wirkt erwachsen. Die Hybridtechnik wechselt nahezu unmerklich zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor (1,6-Liter-Vierzylinder), stets darauf bedacht, möglichst sparsam unterwegs zu sein. Beim Bremsen wird Strom gewonnen, dabei haben die Entwickler die Bremswirkung des E-Motors so ausgelegt, wie es der normale Autofahrer vom Benziner oder Diesel gewohnt ist. Wer mehr Strom generieren und stärker verzögern möchte, muss den Ganghebel nach hinten in die Position B ziehen.

Der kombinierte Antrieb reagiert spontan aufs Gas, zieht munter los und bleibt dabei angenehm leise. Genau das unterscheidet den Clio von anderen Hybridmodellen. Die Techniker schafften es, ihm das typische "Gejaule" beim etwas kräftigeren Beschleunigen auszutreiben, wenn also Drehzahl und Fahrgeschwindigkeit sich nicht ganz synchron anhören. Dies gelang mithilfe der Kollegen aus der Formel-1-Rennabteilung. Dort gibt es ein spezielles sogenanntes Multi-Mode-Getriebe, das Renault - einzigartig in der Serienfertigung - abgewandelt und mit zwei Elektromotoren kombiniert hat, einem kleinen mit 15 kW und einem größeren mit 20 kW Leistung.

Was ist der Sinn? 

Dem kleineren Motor fällt die Aufgabe zu, den Benziner zu starten, ihn auf eine bestimmte Drehzahl zu bringen, um ihn so mit dem entsprechenden Getriebegang zu synchronisieren, der gerade benötigt wird. Eine Kupplung zur Trennung von Motor und Getriebe kann somit entfallen. Der große Elektromotor ist für den eigentlichen Antrieb zuständig. Die gesamte Einheit baut sehr kompakt, denn sie muss quer unter die Haube passen.

Das muss man wissen: Der Clio E-Tech schafft bis zu drei Kilometer im Elektromodus. Im Bestfall sind rein elektrisch bis zu 75 km/h drin. Trotz all seiner Hybridkomponenten und der großen Batterie im Heck wiegt er, so sagt zumindest Renault, nur zehn Kilogramm mehr als ein Clio mit Dieselmotor und Automatikgetriebe (diese Version gibt es in Deutschland allerdings nicht).

Der E-Tech soll, wenn er in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommt, preislich auf dem Niveau eines Clio-Diesels angeboten werden. "Wir wollen den Hybridantrieb attraktiv und einer breiten Käuferschaft zugänglich machen", so Uwe Hochgeschurtz. Für den Kauf eines Selbstzünders gibt es in dieser Klasse ohnehin keinen Grund. Erst recht nicht, wenn ein Benziner-Hybrid genauso sparsam ist, nicht mehr kostet, aber leiser und komfortabler fährt.

Das werden wir nicht vergessen: den Abschied vom alten Leistungsgedanken - und dem sonst in der Branche verbreiteten Hightech-Fetisch. Um Kosten zu sparen, setzen die Renault-Entwickler einen profanen Saugmotor in den Clio E-Tech. Turbo? Nein, danke. Der 1,6-Liter-Vierzylinder treibt gewöhnlich in Indien und China diverse Renault-Modelle an und hat gerade einmal 67 kW/91 PS. Die fehlende Aufladung und den damit verbundenen schlechteren Antritt kompensiert der Elektromotor locker - und am Ende entsteht in der Kombination der verschiedenen Antriebstechnologien das überzeugendste Paket.

Hersteller:

Renault

Typ:

Clio E-Tech

Karosserie:

fünftüriger Kompaktwagen

Motor:

Vollhybrid

Getriebe:

Multimode

Antrieb:

Frontantrieb

Hubraum:

1,6 Liter

Leistung:

140 PS (103 kW)

Drehmoment:

147 /240 Nm

Von 0 auf 100:

k. A.

Höchstgeschw.:

189 km/h

Verbrauch:

3,6 - 4 l/100 km

CO2-Ausstoß:

82 - 91 g/km

Leergewicht:

circa 1.300 kg

Kofferraum:

301 Liter

umgebaut:

1006 Liter

Maße:

4050/1798/1440

Preis:

ab 22.440 Euro