Renault Clio Der Kleine wird erwachsen

Außen setzt Renault beim neuen Clio aufs bewährte Design. Innen bleibt zum Glück wenig, wie es war - auch der Diesel fliegt raus. Doch ein Ärgernis zwischen den Vordersitzen bleibt.

Tom Grünweg

Der erste Eindruck: Ganz der Alte. Das Format schrumpfte minimal, die Form blieb nahezu identisch. Optisches Erkennungsmerkmal sind die LED-Scheinwerfer.

Das sagt der Hersteller: "Evolution statt Revolution", so beschreibt Renault-Designchef Laurens van den Acker den Generationswechsel beim Clio. Soll meinen: Zum einen war das Design des Autos bis zuletzt Kaufgrund Nummer eins. Zum anderen ist der Clio mit knapp 15 Millionen Exemplaren seit 1990 das meistverkaufte Auto der Marke. Da hält sich die Experimentierfreude in Grenzen. Trotzdem mache Renault mit dem Kleinwagen einen Sprung, sagt Produktmanager Vincent Dubroca. Weil der Clio innen aufgemöbelt wurde - und weil Renault bei Antrieb und Assistenzsystemen aufgerüstet hat. Dubroca: "So wird der Clio für Renault zum Vorreiter bei Elektrifizierung und autonomem Fahren."

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Renault Clio: Schick unterwegs

Das ist uns aufgefallen: Im Inneren des alten Clio langweilte eine triste Plastikwüste - die ist im neuen verschwunden. Wer einsteigt, wähnt sich eher in einem Premium- als in einem Volumenmodell. Deutlich mehr Oberflächen sind mit Softtouch-Lack überzogen, viele Schalter tragen Chromeinleger und die Bildschirme leuchten brillant wie bei einem Tabletcomputer. Ein Audi A1 oder eine Mercedes-A-Klasse wirken dagegen eher bodenständig.

Zum neuen Ambiente gibt es ein bisschen mehr Platz. Obwohl der Clio um ein paar Millimeter auf nun 4,05 Meter Länge schrumpfte, haben die Ingenieure im Fond knapp drei Zentimeter mehr Kniefreiheit geschaffen und den Kofferraum vergrößert. Nach einem eigenen Messverfahren wächst er um gut zehn Prozent und fasst nun 391 Liter - so viel Volumen gibt es in keinem anderen Kleinwagen.

Auch beim Fahren wirkt der Clio erwachsener. Die Motoren sind auffallend leise, selbst der Dreizylinder verkneift sich meist das übliche Schnattern. Und trotz vergleichsweise magerer 100 PS Leistung ist der Clio flott unterwegs. So flott jedenfalls, dass man die präzise Lenkung zu schätzen lernt und das ausgereifte Fahrwerk auch. Während andere Kleinwagen oft nervös wirken und mit zunehmendem Tempo Unwohlsein vermitteln, fährt der Clio auch auf der Autobahn souverän und fühlt sich eher nach Kompaktklasse als nach Kleinwagen an.

Diesen Eindruck unterstützt eine Reihe von Assistenzsystemen. So erleichtert eine gute Panoramakamera das Rangieren im Stadtverkehr. Als einer der ersten Kleinwagen bekommt der Clio zudem einen Fahrroboter, der bis Tempo 160 und im Stop-and-go-Verkehr für ein paar Sekunden das Lenken, Beschleunigen und Bremsen übernimmt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Renault Clio - mit unserem 360-Grad-Foto:

Da muss man wissen: In Deutschland kommt die fünfte Generation des Clio im Herbst in den Handel und wird mindestens 12.990 Euro kosten. Das Modellangebot wird aber entschlackt, es wird in Deutschland keine Dieselmotoren mehr geben. Auch die Kombivariante wurde gestrichen. Unter der Haube bietet Renault zunächst zwei Dreizylinder-Saugbenziner mit einem Liter Hubraum und wahlweise 65 oder 73 PS Leistung an. In der Turbovariante leistet der Motor 100 PS, die im Testwagen überzeugten. Die Maschine entwickelt Kraft für flotte Zwischensprints und schnelle Autobahnetappen. Wer noch mehr will, bekommt demnächst einen 1,3-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 130 PS Leistung, der den Clio auf 200 km/h beschleunigt.

Im nächsten Jahr soll der Clio als erster Renault einen Hybridantrieb erhalten. Das Benziner-E-Maschinen-Doppel könne den Verbrauch um 40 Prozent drücken, heißt es bei Renault. Rein elektrisch zu fahren, vermag diese Variante jedoch nur kurz - die Akkukapazität beträgt lediglich 1,2 Kilowattstunden. Auf den ersten Blick wirkt das schwach. Konkurrenzmodelle wie der Peugeot 208 oder der Opel Corsa werden auch als reine E-Autos vorfahren. Auf den zweiten Blick jedoch geht die Antriebswahl in Ordnung. Ein Elektroauto in dieser Klasse - den Zoe - bietet Renault schon seit 2013.

Das werden wir nicht vergessen: Die hohe Mittelkonsole, die Designchef Laurens van den Acker wie eine Mauer zwischen den Vordersitzen eingezogen hat. Ja, sie schafft Platz für Ablagen und die kabellose Ladeschale fürs Handy. Außerdem rückt der kurze Schaltstummel damit weiter nach oben und vermittelt ein sportliches Fahrgefühl. Doch während der Clio im Fond luftiger wirkt, fühlt er sich dadurch vorn etwas enger an.

Fahrzeugschein
Hersteller: Renault
Typ: Clio (2019)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 100 PS (74 kW)
Drehmoment: 160 Nm
Von 0 auf 100: 11,8 s
Höchstgeschw.: 187 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 100 g/km
Kofferraum: 391 Liter
umgebaut: 1.096 Liter
Gewicht: 1.178 kg
Maße: 4050 / 1798 / 1440
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insgesamt 74 Beiträge
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r.pfeilsticker 25.06.2019
1. nicht ohne Rückfahrkamera
Hatten den Vorgänger mal 2 Wochen im Urlaub. Fährt wirklich gut. Nur nach Hinten gibt es Absolut keine Sicht. Ohne Parkpieper und Rückfahrkamera geht gar nichts...
Fragende_Leere 25.06.2019
2. Ist doch super
Erst dachte ich: Saugbenziner? Billo! Bis mir dann auffiel: Feinstaubthematik vermieden, sowie teure Reps am Turbostrang, Abgasnachbehandlung moderat. Doch: vermutlich geht so so die Brot & Butterklasse. Mit blingbling im Innenraum dann die Blickers in diesem Segment abgeholt, läuft. Auch dieser Clio wird wieder ein Erfolg!
ayee 25.06.2019
3. Schade, kein Kombi mehr
Ein schickes Auto, bei dem ich besonders die Kombi Variante sehr gelungen fand. Für Menschen, denen der Innenraum eines Kleinwagens völlig ausreicht, die aber ab und zu auch etwas mehr Ladefläche hätten.
rocketsquirrel 25.06.2019
4. Nur Hundert PS?
Erstaunlich dass man damit in einem Kleinwagen überhaupt von A nach B kommt. Unter 200 PS sollte gar kein Auto mehr verkauft werden, besonders da das Fahrprofil der meisten Fahrzeuge dieser Klasse eher im Kurzstreckenbereich unterwegs sein dürften...
krypton8310 25.06.2019
5. Interessante Motorenpolitik
Mich würde ja mal die interne Begründung von Renault interessieren, warum man zwei fast identische Motoren mit 8 PS Leistungsunterschied anbietet, gleichzeitig aber die 163 PS - Variante des Mercedes-Vierzylinders weglässt.
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