Renault Espace TCe 200 EDC Am falschen Ende nicht gespart

Als der Renault Espace 1984 debütierte, überraschte das Auto mit ungeahntem Transporttalent. Die neue, fünfte Generation soll vor allem repräsentieren. Das Auto platzt aus allen Nähten.

PANDER

Von Jürgen Pander


Kennen Sie das auch von Klassentreffen? Manche der ehemaligen Mitschüler erkennt man nach 25 Jahren kaum wieder, so rund und feist sind sie geworden. So gehts einem auch mit dem neuen Renault Espace.

Das Auto hat Ausmaße angenommen, die nicht nur das Vorgängermodell weit übertreffen, sondern erst recht die Urfassung, die doch damals, vor 32 Jahren, als Raumwunder galt. Das Wunder wiederholt sich heute - allerdings in umgekehrtem Sinn. Der äußerlich riesenhafte Wagen ist drinnen teilweise arg eng verbaut. Dafür jedoch elegant möbliert.

Fangen wir mal hinten an und nehmen das mit der Enge gleich wieder ein Stück zurück. Fond und Gepäckraum nämlich sind sehr großzügig geschnitten. Das Ladeabteil lässt sich zudem per Knopfdruck von 680 auf üppige 2101 Liter erweitern.

Rücksitzballett im Renault Espace

Jürgen Pander

Weiter vorn im Wagen endet die Weitläufigkeit abrupt. Das liegt vor allem am Design: Anmutig schwingt sich ein breites Bedienfeld mit einem hochformatig angeordneten Touchscreen am oberen Ende von der Armaturentafel bis zwischen die Vordersitze. Das sieht sehr modern aus, doch als Fahrer links neben dieser Skulptur fühlt man sich wie in einer Highend-Sitzbadewanne. Farblich veränderbares Ambientelicht und ein Getriebewählhebel in Schwanenhals-Optik hin oder her - wirklich mehr Komfort wäre wohl einfacher und billiger durch mehr Freiraum für die vorderen Insassen zu erreichen gewesen.

Doch das hätte nicht zur Mission des Autos gepasst. Der neue Espace, von dem zwischendurch sogar unklar war, ob es ihn überhaupt noch geben würde, sollte auf keinen Fall mehr an die vier Vorgängerbaureihen erinnern. Das waren ganz dem Praktischen verpflichtete Vans. In der fünften Auflage hingegen sollte der Espace Marken-Flaggschiff, Design-Statement und opulente SUV-Interpretation in einem werden.

Ein cleveres Raumkonzept stand also nicht allzu weit oben auf der To-do-Liste der Renault-Entwickler. Jetzt sitzt man also in diesem Wuchtbrummer und fragt sich, warum aus einem Land, in dem es verwinkelte Altstadtgässchen und charmant-schmale, baumgesäumte Chausseen gibt, ein Auto kommt, das 2,13 Meter breit ist? Man könnte natürlich die Außenspiegel anklappen, dann sind es 1,89 Meter, aber wo der Wagen vorne herum eigentlich beginnt, weiß man dann immer noch nicht.

Allradlenkung, Designermöbel, Elektronik-Spielereien

Kurz gesagt ist es so, dass der Fahrspaß im Espace mit der Breite der Straßen, auf denen man den Wagen bewegt, zunimmt - und umgekehrt. Die Allradlenkung, die in der von uns gefahrenen Top-Ausstattung "Initiale Paris" zur Grundausstattung gehört, verbessert zwar das Lenkverhalten des Autos, ändern jedoch nichts am ausladenden Gesamteindruck.

Neben der Opulenz ist Kreativität das zweite Hauptthema, das dieses Auto prägt. Dabei vermischen sich Interieurdesign, Funktion und Spielereien. Der kecke Wählhebel des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes ist so ein Beispiel, ein anderes ist das temperierte Handschuhfach, das wie eine Schublade ausfährt. Es gibt hübsche Grafiken auf dem Bordcomputer, die zum Spritsparen animieren, indem ein blasses Blatt immer weiter ergrünt, je effizienter man fährt. Und es gibt ein adaptives Fahrwerk, dass sich in vier Modi plus einer individuell konfigurierbaren Abstimmung einstellen lässt. Parallel dazu ändern sich auch die Empfindlichkeit des Gaspedals, die Getriebesteuerung und Farbe des Ambientelichts.

Fünf unterschiedliche Charakterabstufungen, das ist natürlich auch zu viel des Guten. Was soll ein "Sport"-Modus in einem wuchtigen 1,7-Tonner mit 16 Zentimeter Bodenfreiheit? Und im "Comfort"-Modus ist automatisch die Massagefunktion in den Vordersitzen aktiv, was man meist gar nicht will. Die Einstellungen "Eco" und "Neutral" würden vollkommen reichen - und meinetwegen das "Perso" genannte Personalisierungsprogramm für Menschen, die Extrawürste mögen.

Ein kleiner Motor, der groß genug ist

Was in manchen Testberichten anklingt, dass nämlich der 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Direkteinspritzung und Turboaufladung kein adäquates Triebwerk für so ein Auto sei, kann man auch anders sehen. Der Motor passt sogar sehr gut, gerade weil er jeden Versuch, das massige Auto zum Familienrenner umzudeuten, unterbindet. 200 PS Leistung und 260 Nm Drehmoment sind absolut okay, um das Auto à la Grandseigneur zu bewegen.

Nur die Hoffnung, dass der Downsizing-Motor auch Downsizing-Verbrauchswerte bedeutet, ist abwegig. Renault hat einen offiziellen Durchschnittsdurst von 6,2 Liter ermittelt, unser Testauto gönnte sich - allerdings bei reichlich Kurzstrecken und Stadtverkehr - rund neun Liter im Schnitt. Logisch, da steckt noch einiges Sparpotenzial im Fahrverhalten, wie auch der "Eco-Score" von 51 bei einer Gesamtzahl von 100 nahelegt.

Andererseits ist das für einen Novizen im Espace eine kaum lösbare Aufgabe, denn konzentrieren muss man sich vor allem darauf, das große Auto kratzerfrei durch die kleinen Straßenverkehrswidrigkeiten des Alltags zu bugsieren.

Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 104 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frankstroehlein 04.06.2016
1. 1600 ccm für 1,7 Tonnen Gewicht?
Ist das ein Scherz?
pioto 04.06.2016
2. Günstig
Kostet der wirklich nur 46€? Für die Ausstattung mehr als angemessen.
spmc-125538292560968 04.06.2016
3. Günstig
Für 46 € nehme ich ihn :)
tutnet 04.06.2016
4. 200 PS aus 1600 ccm?
Da muß man sich nicht wundern, wenn der Motor nach gut 100.000 km auseinanderfliegt.
varesino 04.06.2016
5. Der erste Espace war einfach genial.
Danach ging es eigentlich nur noch bergab. Funktion wurde durch Mode ersetzt. Der Neue ist einfach dekadent. Leider ergeht es dem Scenic aehnlich. Da ist nichts mehr mit Vive la France
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.