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04. September 2014, 16:47 Uhr

Autogramm Renault Twingo

Groß geschrumpft

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Autos wachsen mit jeder Baureihe, der neue Renault Twingo schrumpft. Trotzdem bietet er mehr Platz als sein Vorgänger, sogar als Viertürer gibt es ihn. Dafür wurde an anderen Stellen gespart.

Der erste Eindruck: Kompakt, knuffig, kunterbunt und einfach zum Knuddeln ist der neue Renault Twingo. Selbst wer dieses Kuscheldesign für zu weich hält, wird dem Auto zubilligen, dass es viel mehr Ausstrahlung hat als das gesichtslose Vorgängermodell.

Das sagt der Hersteller: Den Renault-Verantwortlichen war natürlich klar, dass der neue Twingo wieder ein Charaktergesicht braucht. "Wir hätten uns gerne am Ur-Twingo orientiert. Doch dessen Van-Frontpartie ohne Nase hätten wir nicht mehr durch die Crashtests gebracht", sagt Designchef Laurens van den Acker. So wurde der Renault R5 als optische Referenz herangezogen. "Wir waren sogar kurz davor, den alten Namen zu reaktivieren", sagt der Niederländer. So weit kam es dann doch nicht.

Ob der Rückgriff gelungen ist, müssen jetzt die Kunden entscheiden. Van den Acker sieht das pragmatisch: "Auch für einen Designer ist die schönste Linie bei einem Auto eine steigende Absatzkurve."

Das ist uns aufgefallen: Der neue Twingo ist nicht nur peppig, sondern auch praktisch. Weil Motor und Antrieb ins Heck gewandert sind und zugleich der Radstand um 13 Zentimeter gestreckt wurde, bietet das Auto jetzt spürbar mehr Platz - obwohl die Karosserie um zehn Zentimeter kürzer ist als die des Vorgängermodells. Auch der Einstieg in den Fond klappt problemlos, denn erstmals gibt es im Twingo Fondtüren.

Weil aufgrund des Heckmotors der Ladeboden höher positioniert werden musste und der Kofferraum schrumpft, ließen sich die Entwickler neue Staumöglichkeiten einfallen. Etwa ein großes Staufach unter der Rückbank, tiefe Taschen in den Türen und eine umklappbare Beifahrerlehne. Zudem gibt es ein Handschuhfach, das zur Handtasche umfunktioniert werden kann und eine große Aufbewahrungsbox, die sich vor dem Schaltknüppel befestigen lässt.

Mit solcherlei cleveren Zutaten sticht der Twingo die Kleinwagen-Drillinge Toyota Aygo, Citroën C1 und Peugeot 108 aus und lässt auch VW Up, Seat Mii und Skoda Citigo brav und bieder aussehen.

Dafür bleibt der kleine Renault bei anderen Details zurück: Die Cockpit-Kunststoffe wirken billig, die Hutablage ist labberig und manche Montageöffnungen im Blech sind lediglich mit Aufklebern verschlossen. Neben Künstlern und Konstrukteuren waren hier offenbar auch die Controller eifrig am Werk. Das merkt man auch an anderen Stellen. Zum Beispiel an den einteiligen Sitzlehnen mit integrierten Kopfstützen und an den hinteren Fenstern, die sich nur ein Stück weit aufklappen und nicht ganz öffnen lassen. Dem Getriebe fehlt ein sechster Gang, im Cockpit eine Uhr. Und die Lenksäule lässt sich nur in eine Richtung verstellen.

Während also einige Details fehlen, wäre eines sicherlich verzichtbar gewesen: die Serviceklappe vor der Windschutzscheibe. Darunter sitzen die Behälter für Scheibenwaschwasser und Kühlflüssigkeit, und um an die ranzukommen, bricht man sich fast die Finger und verkratzt die halbe Frontpartie. Es ist eine Fummelei mit Klappen, Schlüssel und dem großen Plastikteil.

Das muss man wissen: Der neue Twingo steht ab dem 21. September bei den deutschen Händlern - doch das ist erst ein Teil des Debüts. Der andere vollzieht sich ein paar Wochen später bei der Daimler-Tochter Smart, deren neue Modelle Fortwo und Forfour mit dem Twingo technisch identisch sind.

Allerdings hat Renault - betrachtet man die Viertürer - auf der Preisliste die Nase vorn. Während der Smart Forfour bei rund 11.500 Euro startet, beginnt die Twingo-Preisliste bei 9590 Euro. Das ist sogar um 400 Euro billiger als das billigste Vorgängermodell.

Als Motoren werden zwei Dreizylinder-Benziner mit 71 oder 90 PS angeboten. In der Stadt fährt sich das leichte Wägelchen spritzig und flott, und auch über Land macht der Wagen einen ordentlichen Eindruck. Nicht nur, weil das nervige Dreizylinder-Schnattern viel weniger präsent ist, wenn der Motor hinter statt vor den Insassen platziert ist, sondern auch wegen der akzeptablen Windgeräusche des großen Faltdachs. Auch auf der Autobahn fühlt man sich im Twingo nicht verloren, sofern man es gelassen angeht.

Das werden wir nicht vergessen: Den Fahrspaß in Parkhäusern oder engen Altstadtwinkeln. Grund dafür ist der Wendekreis von lediglich 8,60 Meter, da fühlt man sich am Steuer fast so verwegen wie Gymkhana-Legende Ken Block - nur ohne Drift. Denn die engen Kreisel, die Block nur mithilfe der Handbremse schafft, gelingen im Twingo allein dadurch, dass die Vorderräder sich bis zu 45 Grad (statt bislang lediglich 30 Grad) einschlagen lassen.

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