Renault Ublo Zurück zum Dreirad

Ihre ersten Fahrerfahrungen machen Menschen in Mitteleuropa nicht selten auf einem Dreirad. Der französische Autohersteller Renault greift diese frühen Mobilitäts-Eindrücke nun auf und präsentiert eine Dreirad-Studie namens Ublo.


Noch ist das dreirädrige Vehikel, das evolutionstechnisch auf halbem Weg vom Roller zum Automobil positioniert ist, eine Studie. Doch Renault betont, dass der Ublo "weit entfernt" sei von einer "bloßen Design-Idee". "Im Jahr 2003", so tönt das Unternehmen selbstbewusst, "kann voraussichtlich das erste Serienmodell des Ublo vorgestellt werden".

Renault Ublo: Halb Roller halb Automobil

Renault Ublo: Halb Roller halb Automobil

Ausgangspunkt für die Konstruktion des ungewöhnlichen Gefährts, das stark an den BMW C1 erinnert, aber eben ein Rad mehr hat als der überdachte Roller der Bayern, war nach Renault-Angaben folgende Überlegung: Viele Menschen haben es satt, tagtäglich im Stau zu stecken und anschließend mühsam nach einem Parkplatz für ihr Auto zu suchen. Diese Leute seien mit einem Transportmittel für die Stadt, das klein, platzsparend, effizient und sicher ist schnell zu begeistern.

Der Ublo soll all diese Vorteile bieten: Vom Roller hat er Wendigkeit, Wirtschaftlichkeit und den geringen Platzbedarf, vom Auto den Wetterschutz, die passive Sicherheit und den Stauraum. Logisch, dass dies nur mit Abstrichen gilt, aber dennoch funktioniert die Symbiose.

Beispiel Wendigkeit: Der Ublo soll sich nach Aussagen von Renault so flott und quirlig bewegen wie ein Roller. Trotz seiner Zwillingsräder am Heck ist das Fahrzeug nur 77 Zentimeter breit und dank der Einzelaufhängung und des getrennten Antriebs (über Riemen) der beiden hinteren Rädchen fährt sich der Ublo wohl tatsächlich so ähnlich wie ein normaler Scooter - etwa mit Schräglage in den Kurven.

Im Jahr 2003 soll es das erste Serienmodell geben

Im Jahr 2003 soll es das erste Serienmodell geben

Beispiel Wirtschaftlichkeit: Als Motor ist ein 124-Kubik-Zweizylinder-Viertakter vorgesehen, der unter dem Sitz platziert und mit einer Sechsgang-Automatik gekoppelt ist. Den für den Stadtverkehr nötigen Vortrieb dürfte die Maschine problemlos entwickeln - bei vergleichsweise geringem Kraftstoffverbrauch.

Beispiel Platzbedarf: Der Ublo ist 2,03 Meter lang und die bereits erwähnten 77 Zentimeter breit. Er kann also überall dort abgestellt werden, wo etwa auch ein Roller oder ein Motorrad Platz finden.

Beispiel Wetterschutz: Bei der Kunststoffkarosserie des Ublo, die auf einem Aluminium-Rahmen sitzt, spricht Renault von einer "Blase". Innerhalb dieser Blase dürften der Fahrer und auch ein Passagier relativ trocken durch Regenwetter kommen. Andererseits gilt natürlich auch: Vollkommen trocken und warm ist es auf dem Ublo nur im Sommer bei 25 Grad im Schatten.

Beispiel Sicherheit: Als erstes einspuriges Fahrzeug bietet der Ublo einen Frontairbag, der sich im Falle eines Unfalls in vertikaler Richtung vor dem Fahrer aufbläst. Für optimale Sichtbarkeit bei Nacht ist das Mobil mit Xenon-Frontscheinwerfern und drei Rücklichtern ausgestattet. Eine Kamera im Heck liefert Bilder vom Geschehen hinter dem Fahrzeug auf einen Monitor im Cockpit - so bleibt das Fahrzeug auch relativ schlank, weil seitlich keine Rückspiegel hervorragen.

Beispiel Stauraum: Hier hat der Ublo mehr zu bieten als herkömmliche Zweiräder. Insgesamt stehen 120 Liter für Gepäck zur Verfügung: Unter dem Lenkrad, unter dem Sitz und hinter dem Sitz befindet sich die Staufächer. Der Kofferraum im Heck lässt sich übrigens komplett herausnehmen und dank kleiner Räder und einem ausziehbaren Handgriff als Trolley nutzen.

Bis der Ublo auf den Markt kommt, sollen weitere Extras für das Fahrzeug angeboten werden können. Renault denkt da zum Beispiel an ein Navigationssystem und an die vom Automodell Laguna bekannte Chipkarte, die den herkömmlichen Schlüssel ersetzt. Es genügt, diese Chipkarte in der Tasche zu tragen, damit sich der Ublo starten und fahren lässt.

Bislang sieht die Planung der Franzosen allerdings auch vor, das futuristische Dreirad ausschließlich in Frankreich anzubieten. Den deutschen Renault-Händlern fehle dazu die nötige Infrastruktur, heißt es.



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