Autogramm Rolls-Royce Ghost Black Badge Die dunkle Seite der Pracht

Wenn Geld und Zurückhaltung keine Rolle spielen, hat Rolls-Royce genau das Richtige im Angebot: Die Luxuslimousine Ghost "Black Badge", ein düsteres Auto für Kunden mit besonderem Drang zur Selbstdarstellung.

Rolls-Royce

Der erste Eindruck: Stromausfall im Landsitz? Sonnenfinsternis über England?

Das sagt der Hersteller: "Mit Modellen wie dem Ghost und dem Wraith sprechen wir deutlich jüngere Kunden mit noch expressiverem Geschmack an", hat Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös beobachtet. Wenn diese Kunden ein individuelles Auto wollten, mussten sie sich bislang in stundenlangen Einzelgesprächen mit der Bespoke-Abteilung des Autobauers auseinandersetzen. Oder schlimmstenfalls zu, nun ja, Veredlern gehen. Um derartige Entgleisungen zu verhindern, hat sich Rolls-Royce offenbar für ein proaktives Vorgehen entschieden.

"Jetzt haben wir viele der gängigen Wünsche gebündelt und daraus ein stimmiges Gesamtpaket geschnürt" sagt der Firmenchef mit Verweis auf die neuen "Black Badge"-Versionen. Er nennt diese Autos "das Alter Ego von Wraith und Ghost: selbstbewusster, herausfordernder und kraftvoller". Das klingt irgendwie besser als Tuning und doch verströmt auch die "Veredelung" von Roll-Royce selbst die Aura von Rotlicht. Doch das scheint weder Rolls-Royce noch die Kunden zu stören.

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Autogramm Rolls-Royce Ghost Black Badge: Schockdunkel

Denn die Frage des Geschmacks wird von demjenigen beantwortet, der das Geld hat. Und wer einen "Black Badge" bestellt, der spielt nach den Erfahrungen Müller-Ötvös' nach eigenen Regeln und ist es gewohnt, sich über Konventionen hinwegzusetzen. Davon gibt es unter den Sehr-viel-Besserverdienenden offenbar eine ganze Menge. Aktuell ist etwa jeder zehnte Wraith und Ghost eine "Black Badge"-Variante.

Das ist uns aufgefallen: Bislang war ein Rolls-Royce eher ein Palast auf Rädern, doch als "Black Badge"-Version mit düsterem Kühlergrill, dunklen Markenlogos und sogar einer schwarz eingefärbten Kühlerfigur Spirit of Ecstasy wirkt er plötzlich so schroff wie eine Trutzburg in den schottischen Highlands. Rolls-Royce hat sich aber nicht nur der Schwarzmalerei verschrieben, sondern, wie es sich beim Tuning gehört, auch an Motor und Getriebe gearbeitet. Der 6,6 Liter große V12 legt deshalb um 40 auf 612 PS Leistung zu und die Drehmomentkurve wird um 60 Nm angehoben, sodass sie nun bei 840 Nm gipfelt.

Daraus allerdings so etwas wie ein sportliches Fahrverhalten abzuleiten, wäre vermessen bei einem Auto, das mehr als fünf Meter in der Länge misst und rund 2,5 Tonnen wiegt. Ja, das Schwergewicht bewegt sich jetzt noch müheloser als bisher und beschleunigt einen Hauch schneller. Und wenn die Achtgang-Automatik die Gänge jetzt 200 bis 500 Umdrehungen länger hält, hört man von ganz tief unten aus dem Bug tatsächlich so etwas wie ein - shocking! - Motorgeräusch. Der Automat ist übrigens satellitengestützt, kennt Steigungen und Gefälle vom Navi und passt so zum Beispiel die Schaltvorgänge der Topographie und nicht allein der Drehzahl an.

Meist haucht der Zwölfzylinder seine Abgase geradezu durch die ebenfalls schwarz eingefärbten Endrohre. Und so vehement der Ghost auch anschiebt, so gerne nimmt man gleich wieder das Gas weg, wenn man versucht, das Dickschiff mittels des spindeldürren, viel zu großen und viel zu steil stehenden Lenkrads um eine Kurve zu dirigieren. Ein griffigeres Volant, sportlichere Polster oder gar Schalensitze - das ist bei aller Annäherung an die Wünsche der Kunden nur was fürs PS-Proletariat.

Das muss man wissen: Wenn schon Tuning, dann richtig. Und bei Rolls-Royce heißt das vor allem Handarbeit mit einer enormen Liebe zum Detail. Das gilt insbesondere für den Innenraum, wo der Blick von neuen Abdeckungen gefangen wird. Für die verweben die britischen Autobauer Karbonfäden mit Alufasern, die lediglich 0,014 Millimeter dick sind. Die Oberfläche dieses Gewebes wird mit sechs Schichten Klarlack versiegelt, der 72 Stunden trocknen muss und dann von Hand auf Hochglanz poliert wird.

Nicht minder aufwendig werden die Lüfterdüsen behandelt. Um sie abzudunkeln, nutzt Rolls-Royce ein Gasabscheidungsverfahren, durch das Metallflächen besonders dauerhaft und widerstandsfähig eingefärbt werden können. Der Gipfel allerdings sind die 21-Zoll-Räder mit Felgen aus 22 gefalteten Karbonschichten und Radnaben aus geschmiedeten Aluminium, die mit Titanverschlüssen verbunden sind. Allein daran haben eine Handvoll Ingenieure vier Jahre lang getüftelt. Kein Wunder also, dass insgesamt mehr als 40 Entwickler mit der "Black Badge"-Serie betraut waren.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Rolls-Royce Black Badge - mit unserem 360-Grad-Foto:

Dafür bitten die Gentleman aus Goodwood dann auch kräftig zur Kasse. Von mindestens 279.085 Euro für den normalen Ghost steigt die Rechnung für das "Black Badge"-Modell auf 325.495 Euro. Und obwohl sich Normalsterbliche für diesen 45.000-Euro-Aufpreis schon einen soliden Mittelklasse-Wagen kaufen können, ist das erst der Anfang der Fahnenstange: In den Musterbüchern und Optionslisten finden sich reichlich Extras, mit denen man den Preis in noch absurdere Höhen treiben kann.

Das gilt übrigens nicht nur für den Ghost: Nach der gleichen Philosophie hat Rolls-Royce auch das Coupé Wraith modifiziert und als "Black Badge" mit 339.805 Euro in der Preisliste stehen. Angesichts der Erfolgs scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Cabrio unter die Schwarzfahrer geht.

Das werden wir nicht vergessen: Den Glanz und die Tiefe des schwarzen Lacks auf den weiten Blechflächen des Ghost. In vielen Schichten aufgetragen und von Hand poliert, rühmt Rolls-Royce die Farbe als das tiefste, dunkelste und intensivste Schwarz, das bislang auf einem Serienfahrzeug zu sehen war. Dumm nur, dass eine ganze Reihe von Kunden diesen Aufwand gar nicht goutiert und den "Black Badge" in Silber oder sogar in Weiß bestellt. Womöglich würde Rolls-Royce sogar Rallyestreifen lackieren, wenn der Aufpreis stimmt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Rolls-Royce
Typ: Ghost Black Badge
Karosserie: Limousine
Motor: V12-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 6.592 ccm
Leistung: 612 PS (450 kW)
Drehmoment: 840 Nm
Von 0 auf 100: 4,8 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 14,6 Liter
CO2-Ausstoß: 333 g/km
Kofferraum: 490 Liter
Gewicht: 2.490 kg
Maße: 5399 / 1948 / 1550
Preis: 325.495 EUR
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insgesamt 61 Beiträge
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akkzent 21.06.2017
1. Abgesang
Mit diesem schwarzen Enbloc-Klotz gerät RR gegenüber dem edlen Bentley noch mehr ins Hintertreffen. Bei all dem vorhandenen Luxus ist doch nur noch der Name schick. Diese optionale, hellblaue Teilinnenausstattung erinnert wenigstrens noch ein wenig an die 2000er Opel-Kleinwagen wie z.B. den Corsa - aber wer will schon sowas sehen?
redneck 21.06.2017
2. Schwarz bemalter Fünfer-BMW. Umwerfend.
Der 12 Zylinder N73B68 ist mittlerweile 17 Jahre alt. Wurde 2x aufgebohrt und 2x Hub verlängert. Die Verdichtung musste massiv zurückgenommen werden weil der Motor grenzwertig skelettiert wurde und sich sonst selbstzerstören würde Der Block hat riesige siamesische Laufbuchsen, unterdimensionierte Hauptlager, eher schlecht atmende Köpfe, komplett zugebaut und ist völlig ausgereizt. Es dürfte der letzte 12er sein. Der Wagen dürfte nach der Garantiezeit extrem teuer zu warten sein. N74B66TÜ ist die letzte Ausbaustufe mit Turbos.
manicmecanic 21.06.2017
3. 7er in besonders häßlich
Mag ja sein daß die Autos qualitativ besser sind seit sie quasi 7er in anderer Verpackung sind.Egal wie reich ich noch werde,die würde ich mir nie kaufen.Vor einem alten Silver Shadow habe ich schon nachdenklich gestanden.
f_eu 21.06.2017
4.
"Der Hingucker im Innenraum ist nicht so sehr die Uhr" Da ist doch jede Uhr in einem Radlader gefälliger um nicht von der in meinem Maserati zu schwärmen. So eine hässliche Innenausstattung muss man aber erst einmal kreieren können und das mit den Rädern ist doch auch nur unsinnige Ressourcenverschwendung. Ein Auto für richtige Spinner ohne Geldsorgen. Mehr nicht.
thrust26 21.06.2017
5. Fünfer?
Zitat von redneckDer 12 Zylinder N73B68 ist mittlerweile 17 Jahre alt. Wurde 2x aufgebohrt und 2x Hub verlängert. Die Verdichtung musste massiv zurückgenommen werden weil der Motor grenzwertig skelettiert wurde und sich sonst selbstzerstören würde Der Block hat riesige siamesische Laufbuchsen, unterdimensionierte Hauptlager, eher schlecht atmende Köpfe, komplett zugebaut und ist völlig ausgereizt. Es dürfte der letzte 12er sein. Der Wagen dürfte nach der Garantiezeit extrem teuer zu warten sein. N74B66TÜ ist die letzte Ausbaustufe mit Turbos.
Seit wann gab's den Fünfer in der Größe und mit 12 Zylindern?
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