Autogramm Rolls-Royce Phantom Der Unverbesserliche

Kann man das "beste Auto der Welt" noch verbessern? Schwierig. Rolls-Royce versucht es dennoch. Nach neun Jahren erhält die Luxuslimousine Phantom jetzt einige marginale Modifikationen. Was sich vor allem mit dem Auto verändert, ist der Blick auf die Welt.

Tom Grünweg

DER ERSTE EINDRUCK: Darf man hier tatsächlich mit Schuhen einsteigen? Am liebsten möchte man die draußen abstellen, wenn man zum ersten Mal in diesen Palast tritt: Edles Holz und weiches Leder wohin man blickt, und die Füße versinken fast im flauschigen Teppich. Jetzt nur nichts schmutzig machen, warnt die innere Stimme, während man den Blick über die Motorhaube und vorbei an der Kühlerfigur "Spirit of Ecstasy" schweifen lässt. Läuft der Zwölfzylindermotor eigentlich schon? fragt man sich nach dem Druck auf den Startknopf. Denn ans Ohr dringt nur ein samtenes Flüstern.

DAS SAGT DER HERSTELLER: Rolls-Royce feiert den Phantom als das "beste Auto der Welt". Entsprechend zurückhaltend sind die Briten bei den Veränderungen des Wagens. So, wie niemand auf die Idee käme, die Mona Lisa zu schminken, wurde das Design nur minimal retuschiert und auch bei der Technik nur im Detail nachgebessert. Der 6,75 Liter große V12-Motor wird nun mit einer Achtgang-Automatik verblockt, die noch unmerklicher schaltet als das ohnehin schon geisterhafte Sechsgang-Getriebe bislang.

Hinter der zeitlos eleganten Uhr in der Mittelkonsole verbirgt sich nun ein größerer Bildschirm für das neu programmierte Navigationssystem. "Mehr war an dem Auto nicht zu verbessern", sagt Designer Giles Taylor, "Meisterstück bleibt Meisterstück."

DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Nicht nur, dass man am liebsten in Socken fahren möchte - man wird im neuen Phantom generell zu einem anderen Menschen. Man sitzt nicht im Auto, sondern thront. Die Lehne stellt man unbewusst ein paar Grad steiler, die Rücken drückt man durch, den Kopf hält man gerade, und eigentlich würde man jetzt gern noch weiße Handschuhe anziehen, bevor man das spindeldürre Lenkrad des Luxusliners ergreift. Klar könnte man den Wagen auch mit dem kleinen Finger lenken - zumindest auf einem breiten Boulevard und bei gemäßigtem Parade-Tempo. Doch das ziemt sich nicht in diesem Fahrzeug. Hier nimmt man Haltung an. Adel verpflichtet.

DAS MUSS MAN WISSEN: Der Phantom war der erste Rolls-Royce, der unter der Regie von BMW entwickelt wurde und hat bereits neun Jahre auf dem Buckel. Bei gewöhnlichen Autos wäre es also längst Zeit für einen Generationswechsel, doch die Briten werden das Prunkschiff noch einige Jahre lang weiter bauen. Warum auch nicht? Mit bislang rund 7000 Exemplaren ist der Wagen schon jetzt das erfolgreichste Modell in der fast 110-jährigen Firmengeschichte.

Die Serienversionen kosten zwischen 407.121 und 480.189 Euro, es gibt das Modell in vier Karosserievarianten: als Limousine mit langem und kurzem Radstand, als Coupé und als Cabrio, das bei Rolls-Royce vornehm "Drophead Coupé" heißt. Wer sich in diesem technisch weitgehend identischen Quartett nicht für einen Favoriten entscheiden kann, löst dieses Problem meist auf die großzügige Art, sagt Firmenchef Torsten Müller-Ötvös: Viele Kunden kaufen einfach mehrere Varianten.

DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Die ungeheure Leichtigkeit, mit der sich das Dickschiff selbst durch den dichtesten Verkehr bewegen lässt - schnöde Limousinen wie Mercedes S-Klasse oder BMW 7er räumen ehrfürchtig den Weg. Der knapp drei Tonnen schwere Luxusliner gleitet so souverän über den Asphalt wie die "QE II" durch die Wogen des Atlantiks. Weil Zeit im Leben eines Superreichen der eigentliche Luxus ist, will man gar nicht wissen, wie schnell die 460 PS und die 720 Nm des Zwölfzylinders den Wagen bei Eile nach vorn wuchten würden.

Im Gegenteil: Man wird mit jeder Minute hinterm Steuer entspannter und spürt, wie der Pulsschlag langsam eins wird mit dem feinen Ticken der klassischen Uhr, die wie ein Edelstein in der Holzvertäfelung neben dem Lenkrad prangt. Die Aura der tiefenentspannten Mühelosigkeit ist so einzigartig, dass die Briten dafür eigens ein Wort erfunden haben, das man in keinem Wörterbuch findet: "Waftability". Es meint das unglaublich leichte, kaum merkliche Gefühl der Bewegung, das die Insassen eines Rolls-Royce davon trägt - und ihnen glatt die Schuhe auszieht.

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Seite 1
amonn 10.05.2012
1.
Eine weitere wichtige Änderung beim neuen Modell hat der Autor vergessen: Die Technik der Scheinwerfer wurde vollständig auf LEDs umgestellt, die eine höhere Farbtemperatur haben und damit der Ermüdung des Fahrers vorbeugen sollen. Auch der neue Phantom ist ein Traum von Auto, ich konnte mir das neue Modell bereits auf der Techno Classica ansehen. Die Materialauswahl und die Verarbeitung sind absolut einzigartig, da wird sogar für den direkten Konkurrenten Bentley Mulsanne die Luft dünn. Allerdings kann dieser mit der wesentlich besseren Ergonomie aufwarten, in der heutigen Zeit sind die hohe und aufrechte Sitzposition sowie das fingerdünne Lenkrad im Rolls Royce schon sehr gewöhnungsbedürftig...
Halodri73 10.05.2012
2. 7000 mal verkauft?
Zitat von sysopRolls-Royce Kann man das "beste Auto der Welt" noch verbessern? Schwierig. Rolls-Royce versucht es denoch. Nach neun Jahren erhält die Luxuslimousine Phantom jetzt einige marginale Modifikationen. Was sich vor allem mit dem Auto verändert, ist der Blick auf die Welt. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,832211,00.html
und das bei einem Preis von über 400.000€??? Also in Deutschland dürfte sich wohl keiner trauen, so ein Auto nicht in kognito zu fahren. Bei der Neidlandschaft hier. Aber für die Englischen Schrauber am Band ist das doch schön. Und für die BMW-Aktionäre auch....
chagall1985 10.05.2012
3. Naja
Das einzig schicke an dem Auto sind die Felgen und der Motor. Der Rest ist eine einzige Designkatastrophe und Funktionalitätsalptraum. Im Innenraum fühlt man sich in die 80'er Jahre zurück versetzt. In meinen Augen eins der hässlichsten und gerade im Innenraum peinlichsten Autos der Welt. PS: Nichts gegen die excellente Verarbeitungsqualität. Gerade an den Nähten der Sitze oder des Holzes.
live11 10.05.2012
4.
Zitat von sysopRolls-Royce Kann man das "beste Auto der Welt" noch verbessern? Schwierig. Rolls-Royce versucht es denoch. Nach neun Jahren erhält die Luxuslimousine Phantom jetzt einige marginale Modifikationen. Was sich vor allem mit dem Auto verändert, ist der Blick auf die Welt. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,832211,00.html
ich verstehe die fahrzeug"tests" in solchen klassen nicht.... einen RR phantom fährt man nicht, man lässt ihn fahren. folglich interessiert sich der potentielle käufer überhaupt nicht für ein edles lenkrad oder das navigationssystem, dafür ist der chauffeur zuständig. interessant und mit DER kaufgrund dürften doch nur die rückbank samt gimmicks und das fahrwerk sein, auch von aussen ist der RR nicht gerade ein schönes auto. leider fehlen vom interessanten fond jegliche fotos....
Pless 10.05.2012
5.
Das Auto erfüllt ganz offensichtlich seinen eigentlichen Zweck: es schüchtert mächtig ein! Anders kann man sich diesen Artikel von Herrn Grünweg nicht erklären, in dem er sich zu einem im Staube rückwärts kriechenden Zwerg verwandelt. Journalismus geht anders! Zumindest der Versuch, sich dem Auto mit der kritischen Distanz der Objektivität zu nähern wähe angebracht gewesen. Statt dessen: Hofberichterstattung aus der Welt der Superreichen - ausgerechnet aus dem Hause Springer! Auch so kann man das Publikum erheitern. Apropos: Der Autor (und wohl auch der Hersteller) verwechselt Qualität mit Luxus. Letzeres ist nur ein Aspekt bei ersterem.
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