Saab 9-3 Turbo X Hurra, wir leben noch!

Lästerzungen meinten schon, Saab habe die Produktentwicklung eingestellt. Im nächsten Jahr aber wollen die Skandinavier endlich die dringend benötigten neuen Fahrzeuge auf die Straße bringen. Einen ersten Schwedenhappen gibt es schon.


Designstudien sind faszinierend: Sie bringen eine Automarke wieder in die Schlagzeilen, motivieren die Mitarbeiter und bringen zumindest kurzfristig die Kritiker zum Schweigen. Doch wenn sie nie den Weg in die Wirklichkeit schaffen, geht der Schuss nach hinten los, weil ein Unternehmen seine Glaubwürdigkeit verliert.

Das hat jetzt offenbar auch Saab begriffen. Die Sportwagenstudie Aero-X wird zwar nicht in Serie geben, sondern dient lediglich als stilistischer Urmeter für die GM-Tochtermarke. Aber eine andere Studie, der 9-4X, erhielt nun tatsächlich grünes Licht für die Serienfertigung.

"Das Showcar aus Detroit geht im nächsten Jahr in Serie", sagt Deutschland-Chef Willi Fey und setzt große Hoffnungen in den kompakten Geländewagen, der in Preis und Format zwischen den BMW-Modellen X3 und X5 positioniert sein wird und den Wettbewerb mit dem neuen Volvo XC 60, mit dem Mercedes GLK und dem Audi Q5 aufnehmen soll.

"Zum ersten Mal in unserer Firmengeschichte haben wir dann drei Baureihen und können unseren Kunden etwas mehr Auswahl bieten", sagt Fey, der mit dem neuen Modell natürlich den Absatz steigern will. Während die Marke nach Angaben von Saab-Chef Jan Ake Jonsson von heute gut 120.000 Autos pro Jahr weltweit auf mittelfristig 180.000 bis 200.000 Autos kommen will, wäre Fey schon zufrieden, wenn er statt der aktuell gut 4000 etwa 8000 bis 10.000 Fahrzeuge verkaufen könnte.

Zwar bezeichnet Saab den 9-4X als ersten Geländewagen in der Unternehmensgeschichte. Doch ganz richtig ist das nicht. Denn zumindest in den USA gab es in den vergangenen Jahren schon einmal einen 9-7X und einen 9-2X. Das waren keine Eigenbauten, sondern überstürzt umgerüstete Modelle aus der GM-Familie, die schon als Chevrolet Blazer und Subaru Impreza keine Kassenschlager waren und mit Saab-Logo vollends floppten.

Auch wenn der 9-4X mit dem Cadillac Provoq wieder einen US-Ableger bekommt, soll es diesmal besser werden, verspricht Saab-Sprecher Patrik Munsch. "Die Architektur ist völlig neu und wurde eigens für dieses Fahrzeug entwickelt." Bis zur Serienreife werde die Studie aus Detroit nur noch marginal verändert. Das Design und die Technik seien weitgehend fertig, nur für den kuriosen Skischuhwärmer im Kofferraum mag er sich nicht verbürgen.

Im nächsten Jahr zieht Saab das Tempo wieder an

Noch vor dem 9-4X bringt Saab zwei weitere Neuheiten. Im Frühjahr 2009 wird es eine Lifestyle-Variante des 9-3 Kombi geben, die im Stil der Wolfsburger Cross-Modelle etwas mehr Bodenfreiheit und ein bisschen Abenteuer-Optik bekommt. Und auf der Internationalen Automobilausstellung im Herbst nächsten Jahres in Frankfurt soll die überfällige Neuauflage des Flaggschiffs 9-5 enthüllt werden. Der Wagen rollt demnächst in sein zwölftes Jahr ist und gehört damit zu den Dinosauriern des Marktes.

Selbst wenn Saab-Chef Fey seine Kunden zu den treuesten der Branche zählt, fällt es mit einem solchen Methusalem schwer, die Klientel an die Marke zu binden. Entsprechend groß sind die Erwartungen an das neue Modell, das sich die Technik mit dem Vectra-Nachfolger Opel Insignia teilen wird, aber größer und stärker werden soll als der Wagen aus Rüsselsheim.

Die Schweden haben noch eine weitere Studie in petto. Die wird schon in zwei Wochen auf dem Genfer Autosalon (6. bis 16. März) präsentiert: Ein Dreitürer mit dem Bug des Aero-X und einem coupierten Heck im Stil des Volvo C30 soll Saab fit machen für die Kompaktklasse, wodurch langfristig die Stückzahlen gesteigert werden sollen. Auch dieser Entwurf ist mehr als ein kühner Traum – denn mit der nächsten Generation des Opel Astra stünde für das Saab-Derivat ein Teilespender bereit.

Neue Allradtechnik im altbekannten Saab 9-3

Zwar sieht Fey mit diesen Neuheiten das "Ende der Durststrecke" endlich erreicht. Doch ein Jahr muss er noch mit Durchhalteparolen überbrücken. Nur eine kleine Premiere kann er aktuell anpreisen, doch hat die zumindest symbolisch großen Wert. Denn noch bevor der Allradantrieb im neuen 9-5 und im 9-4X zum Einsatz kommt, bieten die Schweden die identische Technik ab sofort für einen Aufpreis von rund 3000 Euro in der 280 PS starken Aero-Version des frisch gelifteten 9-3 an.

Und im Sondermodell TurboX, das mit Sportfahrwerk und dem üblichen Zierrat der Kraftmeier besonders aggressiv ausschaut, kombinieren sie den Cross Wheel Drive genannten Allradantrieb mit einem elektronischen Sperrdifferential an der Hinterachse, das die Kraft variabel zwischen den Rädern verteilt. Als würde man beim Schlittenfahren auf einer Seite zusätzlich anschieben, fegt der Schwede damit deutlich flotter um die Kurven als bisher. Das steigert den Fahrspaß und bändigt die Nervosität des großen V6-Motors. Und es ist endlich mal wieder etwas Neues, womit Fey die Kunden vielleicht bei der Stange halten kann.



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