Saturn Aura Hybrid Weiße Weste

Die USA sind der größte Hybridauto-Markt, entsprechend groß ist das Angebot. Während hierzulande nur Toyota, Honda und Lexus mit Hybriden unterwegs sind, fahren dort auch Nissan-, Ford- und GM-Typen. Indirekt ist sogar Opel dabei: mit dem Vectra-Vetter Saturn Aura.


Es ist wieder soweit: Amerika stöhnt über Rekordpreise an den Zapfsäulen. Zwar ist der Sprit mit knapp unter vier Dollar pro Gallone noch immer viel billiger als in Deutschland. Doch zusätzlich motiviert von einem erwachenden Bewusstsein für den CO2-Ausstoß und den Klimawandel denken immer mehr Amerikaner über sparsamere Autos nach. Meist landen sie dann beim Hybrid-Antrieb. Und machen die USA zum weltweit größten Markt für Fahrzeuge mit der Kraft zweier Antriebsarten: Während im letzten Jahr in Europa lediglich 38.000 Autos mit der Kombination von Benzin- und Elektromotor verkauft wurden und Japan auf immerhin 74.000 Hybrid-Zulassungen kommt, meldet Marktbeobachter Jato Dynamics für die USA fast 270.000 neue Hybridmodelle.

Angesichts von insgesamt knapp 16,5 Millionen Neuzulassungen ist das zwar auch kein erregender Wert, doch hat sich der Absatz der Hybridfahrzeuge seit 2002 immerhin verzehnfacht. Und für das Jahr 2012 etwa rechnet JD Powers mit annähernd 800.000 Hybrid-Zulassungen in den USA.

Bislang war dieses Geschäft fest in den Händen von Toyota, dessen Luxus-Ableger Lexus und Honda. Das meistverkaufte Hybrid-Fahrzeug in den USA war 2006 der Toyota Prius, den Jato mit 106.971 Zulassungen führt, während das Kraftfahrt-Bundesamt für Deutschland nur 3039 Neuanmeldungen registriert hat. Auf dem zweiten Platz steht der Honda Civic mit 33.665 Zulassungen, gefolgt vom Toyota Highlander (32.26), dem Toyota Camry (32.341) und dem Lexus RX 400H (25.559). Erst auf Platz sechs kommt als erstes US-Modell mit 22.230 Zulassungen der Ford Escape.

Doch allmählich holen die Amerikaner auf. Insbesondere General Motors hat den Nachholbedarf erkannt und will die Hybridpalette des Konzerns auf zwölf Modelle erweitern. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Saturn Aura, der eng mit dem Opel Vectra verwand ist und gerade in den USA zum "Auto des Jahres" gekürt wurde. Denn ihn gibt es seit ein paar Wochen auch mit der Kraft der zwei Herzen – und das zu einem Komplettpreis, der mit 22.695 Dollar, also nicht einmal 17.000 Euro, unter allen Wettbewerbern liegt. Billiger kann man nicht fahren und sparen. SPIEGEL ONLINE hat das Auto auf einer ersten Testfahrt in und um Los Angeles ausprobiert.

Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Denn auch wenn die ganze Nation mittlerweile darüber spricht, ist diese Antriebstechnologie in den USA ein regionales Phänomen und die Glamour-Metropole seine Hochburg. Nicht zuletzt, weil man mit einem umweltfreundlichen Auto auf die reglementierten Carpool-Lanes darf und so schneller durch den Stau kommt, wurden allein dort im vergangenen Jahr fast 31.000 Hybrid-Autos zugelassen. Damit kommen die Einwohner von Los Angeles in den USA auf einen Zulassungsanteil von 12,2 Prozent und kaufen fast so viele Hybrid-Fahrzeuge wie alle Europäer zusammen.

Der US-Vetter des Vectra als Hybridauto

Beim Aura steckt unter der bekannten Vectra-Karosserie statt des V6-Benziners mit 224 oder 252 PS ein beinahe zierlicher Vierzylinder mit 2,4 Litern Hubraum, dem ein Elektromotor zur Seite steht. Er wirkt wie ein Appetitzügler, hilft beim Anfahren und Überholen und senkt so den Verbrauch gegenüber dem konventionellen Modell um bis zu 30 Prozent. Für den Stadtverkehr weist GM damit einen Durchschnittswert von umgerechnet 8,4 Litern aus, der auf dem Highway auf 6,7 Liter sinkt. Gemessen am EU-Verbrauch eines 150 PS starken Diesel-Vectras von 5,7 Litern ist das natürlich noch immer viel. Doch gegenüber einem normalen Aura gewinnt der Fahrer immerhin bis zu acht Meilen pro Gallone.

Zusammen kommen die beiden Motoren auf 164 PS und 215 Nm, von denen aber aufgrund der altbackenen Viergang-Automatik nicht viel übrig bleibt. Exakte Messwerte für Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit bleiben die Amerikaner zwar schuldig. Doch nach einem Tag in Los Angeles und Santa Monica hat man gelernt, dass man mit diesem Auto beim Ampelspurt wenig Chancen hat und statt dessen ganz gelassen im dichten Verkehr auf dem Highway mitschwimmt. Dafür entschädigt ein Blick auf die Tanknadel, die sich – auch dank der Spartaste an der Klimaanlage, den Leichtlauf-Reifen und der Start-Stopp-Automatik - bis zum Ende des Tages kaum bewegt hat.

Obwohl der Aura seine Sache gut macht, ist Opel das Sparpotenzial nicht groß genug, um den Antrieb für den Vectra zu übernehmen. "Wir nutzen diese Technologie nur auf Märkten, wo sie sinnvoll ist", sagt Roger Johansson, der bei GM Europa die Antriebsentwicklung leitet. "Hier gibt es billigere Techniken, die zum gleichen Ergebnis führen. Außerdem passt der Hybridantrieb nicht so gut zum europäischen Fahrverhalten", winkt er erst einmal ab. Trotzdem arbeite man natürlich auch für Europa an Hybridsystemen, die preiswerter und besser seien. "Die Markteinführung ist fest geplant, nur einen Termin nennen wir noch nicht."



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