Seat Altea Freetrack Der Van für alle Wege

VW hat die Cross-Modelle, Audi den Allroad und Skoda den Scout. Nun darf auch die Konzerntochter Seat auf die Buckelpiste und macht dort als ersten Allradler der Firmengeschichte den Altea Freetrack startklar. Doch dabei soll es nicht bleiben.


Die spanische VW-Tochter Seat galt zuletzt als Problemfall, und von einer erfolgreichen Sanierung kann noch keine Rede sein. Doch mit dem Rückenwind der neuen Konzernspitze in Wolfsburg strotzt der von Audi entsandte Vorstand Erich Schmitt nur so vor Zuversicht. Langfristig ruht seine Hoffnung auf einer Vielzahl neuer Modelle, in die er das Gros jener 4,5 Milliarden Euro investieren will, die sich VW die Sanierung von Seat bis 2018 kosten lässt.

Kurzfristig setzt er vor allem auf den Altea Freetrack, der nach den Sommerferien an den Start geht und für Schmitt Symbolcharakter hat. Schließlich wurde der Wagen nicht nur "komplett in Martorell entworfen, entwickelt und gebaut", schwärmt Schmitt. Er zeige zudem die schnelle Reaktion auf Trends und die Absicht, weiße Flecken im Portfolio zu besetzen, um dadurch mehr Kunden zu gewinnen. So will Schmitt in den nächsten zehn Jahren den Absatz von heute gut 400.000 auf dann etwa 800.000 Autos beinahe verdoppeln.

Dafür wird der Freetrack alleine nicht reichen. Doch ein guter Anfang ist er allemal. Schließlich schwimmt der vom Altea XL abgeleitete Geländevan auf einer Welle, die auch anderen Konzernmarken und der Konkurrenz ordentliche Deckungsbeiträge in die Kasse spült: Man nehme ein bekanntes Auto, stecke es mit dicken Schwellern, größeren Schürzen und wuchtigen Radläufen in Abenteuerkleidung, ziehe ihm mit einem höher gelegten Fahrwerk die Trekking-Stiefel an – und fertig ist das Trendmodell für die Lifestyle-Gesellschaft.

Nach diesem Rezept agierte auch Seat. Doch haben die Spanier ihren Wagen besser abgeschmeckt. Denn während die Mitbewerber allesamt nur Blender sind und mit Frontantrieb vorfahren, läuft der Altea als erster Seat der jüngeren Geschichte tatsächlich auf allen Vieren. "Wenn wir einen Van für alle Wege wollen, führt kein Weg am Allradantrieb vorbei", erläutert Schmitt den Aufwand, der den Preis zusammen mit den markanten Anbauteilen und der umfangreichen Ausstattung um fast 4000 auf 29.990 Euro treibt.

Nun also leitet die Haldex-Kupplung schnell und situationsabhängig bis zu 50 Prozent der Antriebskraft an die Hinterräder und führt den Wagen auf diese Weise sicher über Schotter, Schlamm oder Schnee. Und vier Zentimeter mehr Bodenfreiheit sowie die angeschnittenen Schürzen an Front und Heck sorgen dafür, dass der Traum von Freiheit und Abenteuer nicht schon an einer üppigen Bordsteinkante zu Ende ist.

Zur modernen Pfadfinderkluft spendieren die Spanier dem Altea auch einige Feinheiten für den Innenraum, die allesamt in den Serienstand erhoben wurden. Über die braunen Einsprengsel im Cockpit kann man dabei ebenso streiten wie über die neuen Sitzbezüge. Doch insbesondere die pfiffige Deckenkonsole mit dem integrierten DVD-Monitor macht den Allrad-Altea zum Freund der Hinterbänkler, die sich zudem - wie im normalen Altea XL - über eine um 19 Zentimeter verschiebbare und in der Neigung verstellbare Rückbank freuen können. So lässt sich das Kofferraumvolumen von 490 schrittweise auf 1592 Liter erweitern.

Straffe Abstimmung, starke Motoren

Aller Neuorientierung zum Trotz setzt Seat beim Freetrack weiter auf die alte Tugend der Sportlichkeit. Deshalb sind nicht nur Fahrwerk und Lenkung überraschend stramm ausgelegt. Sondern auch in der Motorpalette finden sich nur die stärksten Aggregate der Baureihe. So haben die Kunden zunächst ausschließlich die Wahl zwischen dem zwei Liter großen TSI-Motor mit 200 PS, der auch im muskulösen Cupra FR eingesetzt wird, oder einem Pumpe-Düse-Diesel mit ebenfalls zwei Litern Hubraum und immerhin 170 PS. Zwar ist der Benziner auf dem Papier das sportlichere und schnellere Auto, das mit 280 Nm in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 kommt und immerhin 214 km/h erreicht. Doch macht der Diesel mit seinen 350 Nm fast noch mehr Spaß – auch wenn er für den Spurt 8,7 Sekunden braucht und den Benziner bei 204 km/h ziehen lässt. Spätestens an der Tankstelle allerdings holt er ihn mit einem Verbrauchsvorteil von 2,5 Litern locker wieder ein.

So ganz verlassen wollen sich die Spanier auf den Trend zum Trekking im automobilen Alltag allerdings nicht: Um den Preis zu drücken und die Zielgruppe zu erweitern, gibt es den Wagen mit ein paar Wochen Verspätung dann doch auch als Mogelpackung mit einem 140 PS starken Diesel und dem üblichen Frontantrieb. Im Alltag wird man das kaum merken, auf der Rechnung durchaus: Das Auto wird rund 3000 Euro günstiger. Und die Zukunft? Auf Schmitts Wunschliste stehen unter anderem ein "Kleinwagen für den schmalen Geldbeutel" und ein neues Flaggschiff im Format des VW Passat. Doch während er zum Beispiel von einem Cabrio derzeit noch nicht einmal zu träumen wagt, ist ein kompakter Geländewagen nach Art des VW Tiguan bereits beschlossene Sache.



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