Seat Ibiza Leidenschaft aus dem Baukasten

Die spanische VW-Tochter Seat hat ihr wichtigstes Automodell neu aufgelegt. Vom Kompaktwagen Ibiza erwarten die Verantwortlichen hohe Verkaufszahlen und einen kräftigen Schub für die Image-Neupositionierung. SPIEGEL ONLINE hat die Diesel-Variante getestet.


"Kraft trifft Leidenschaft" - unter diesem Slogan wird das neue Modell ab 12. April angepriesen werden. Seat soll von der Kundschaft, so sieht es die Wolfsburger Konzern-Strategie vor, in Zukunft mit Schlagworten wie Sportlichkeit, Styling und Sexappeal assoziiert werden. Ein Image aber lässt sich nicht auf Knopfdruck verändern, und so fällt dem neuen Ibiza die Rolle als "Brückenmodell" (Seat-Deutschland-Geschäftsführer Peter Maiwald) zu, das den Transfer von einer hausbacken-spartanischen zu einer sportlich-designorientierten Marke einleiten soll.

Seat Ibiza: Topmodell für Klientel mit Gasfuß

Seat Ibiza: Topmodell für Klientel mit Gasfuß

Die Spanier bedienen sich zu diesem Zweck mit beiden Händen aus dem Konzern-Baukasten. Der neue Ibiza steht auf der Polo-Plattform, die Motoren sind aus anderen Produkten des künftigen Pischetsrieder-Imperiums bekannt. Im Vergleich zu seinem Vorgängermodell ist der Neue in alle Richtungen gewachsen. In der Länge um acht Zentimeter auf 3,95 Meter, in der Breite um sechs Zentimeter auf 1,70 Meter und in der Höhe um zwei Zentimeter auf 1,44 Meter. Das schafft mehr Bewegungsfreiheit im Innenraum, obwohl es für großgewachsene Fondpassagiere nach wie vor eng zugeht.

Auch der Kofferraum weist mit 267 Liter bei Normalstellung der Rücksitze ein eher bescheidenes Volumen auf, was aber nicht besonders stört. Für praktische, familientaugliche Kleinwagen sind andere zuständig. Seat setzt auf temperamentvolle Singles mit trittfestem Gasfuß.

Für diese Klientel bieten die Spanier ein außergewöhnliches Topmodell an. Die vorläufige Spitze des Ibiza-Angebots markiert ein Dieselfahrzeug, dessen 1,9-Liter-TDI-Motor 130 PS sowie das beachtliche Drehmoment von 310 Nm freisetzt. Für ein Auto von gerade mal 1200 Kilogramm sind das dicke Muskeln, die sich unter anderem bei der möglichen Höchstgeschwindigkeit von 207 km/h bemerkbar machen. Bei unseren Testfahrten zeigte sich die Maschine unter heiserem Gebrummel zu spontaner Kraftentfaltung entschlossen. So flott und agil steht kein anderes Dieselmodell in dieser Klasse am Start.

Beeindruckend zurückhaltend im Verbrauch

Beeindruckend zurückhaltend im Verbrauch

Was beinahe noch mehr beeindruckt als der Vortrieb des Sport-Selbstzünders, ist der niedrige Verbrauch. 5,1 Liter meldete der Bordcomputer als Durchschnittsverbrauch nach der Fahrt über Autobahn, Landstraße und durch den Stadtverkehr; das weicht erfreulich wenig von der Werksangabe (5,0 Liter) ab. Der schnelle TDI wird übrigens ausschließlich mit Sechsgang-Schaltgetriebe ausgeliefert, das sich gut bedienen lässt. Weniger sportlich und straff ist allerdings die neue Servolenkung ausgelegt.

Das Fahrwerk wiederum kommt mit dem Wagen gut klar, das Kurvenverhalten ist neutral und gut beherrschbar. Seat rückt, wenn es um den neuen Ibiza geht, vor allem das Design in den Vordergrund. Es stammt vom ehemaligen Alfa-Romeo-Formgeber Walter de Silva, der zu den Spaniern wechselte und sich nun dort um südländisch-temperamentvolles Styling kümmern soll. Das gelingt nur bedingt, denn bis auf den eleganten Schwung der Motorhaube und die detailverliebt ausgeführten Front- und Heckscheinwerfer wirkt die Karosserie sehr glatt und ein wenig zu konturlos.

Fahrzeugschein
Hersteller: Seat
Typ: Ibiza 1,9 TDI
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel-Direkteinsprizter
Hubraum: 1.896 ccm
Leistung: 130 PS (96 kW)
Drehmoment: 310 Nm
Von 0 auf 100: 9,4 s
Höchstgeschw.: 207 km/h
Verbrauch (ECE): 5,0 Liter
CO2-Ausstoß: 133 g/km
Kofferraum: 267 Liter
umgebaut: 960 Liter
Versicherung: 19 (HP) / 33 (TK) / 17 (VK)
Preis: 17.440 EUR
Im Innenraum immerhin gelang ein großer Schritt nach vorne: Der dunkelgraue, raue Kunststoff auf der Armaturentafel sieht aus, als rage die Straße bis ins Auto hinein. Die runden Bedienknöpfe wirken robust und klassisch, das Cockpit mit den großen Rundinstrumenten ist sehr übersichtlich.

Insgesamt 15.000 Modelle des Ibiza möchte Seat in diesem Jahr noch in Deutschland verkaufen. Bereit stehen sechs Motorvarianten. Drei Benziner von 64 bis 100 PS (47 bis 74 kW), wobei der kleinste Motor ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Aggregat ist. Dazu drei Dieseltriebwerke mit Leistungen von 64 bis 130 PS (47 bis 96 kW). Zur Grundausstattung namens "Stella" gehören vier Airbags, ABS und Bremsassistent, längs- und höhenverstellbare Lenksäule, funkferngesteuerte Zentralverriegelung und eine rot-glimmende Instrumentenbeleuchtung. Das Feuer bei Seat, so könnte man dies als Signal deuten, ist entfacht.



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