Seat Leon Ecomotive Spanier auf Sparflamme

Das kommt einem irgendwie spanisch vor: Was Seat als Leon Ecomotive lanciert, ist letztlich die iberische Ausgabe des Golf Blue Motion. Das schadet aber nichts. Der Spanier ist billiger, sieht besser aus, und der Verbrauch liegt in beiden Fällen bei 4,5 Liter.


Glaubt man Erich Schmitt, dann hat Seat vor allem in Deutschland ein Problem. "Wie bauen schöne Autos, aber keiner merkt es", klagte der Vorstandschef der spanischen VW-Tochter Seat in einem "FAZ"-Interview. Dabei will er doch den Gesamtabsatz binnen zehn Jahren auf 800.000 Autos verdoppeln und alle Welt von "Autos in Audi-Qualität zu Seat-Preisen" überzeugen. Damit das gelingt, muss Schmitt nicht nur die Produktpalette erweitern, die "von heute sieben Autos in drei Segmenten" bis 2018 auf 40 Modelle anwachsen soll. Er muss vor allem die Wahrnehmung der Marke ändern, die sich trotz aller Bemühungen um einen leidenschaftlichen Auftritt noch immer unter Wert verkauft.

Das soll sich, zum wievielten Male eigentlich, endlich ändern. Auf dem Autosalon in Genf zeige Seat ein neues Gesicht, deutet Sprecher Alexander Skibbe an und verweist auf die nächste Generation des Kleinwagens Ibiza. "Wer diesen Wagen zum ersten Mal sieht, bekommt ein völlig neues Bild der Marke", schürt er die Erwartungen. In Genf gibt es erst einmal eine Studie, vier Wochen später wollen die Spanier das aus einem Baukasten mit dem nächsten VW Polo und dem Skoda Fabia entwickelte Auto dann in der Serienversion zeigen, und noch im Sommer soll es auf den Markt kommen.

Danach geht es den Angaben zufolge Schlag auf Schlag: Anfang 2009 komme das neue Flaggschiff der Marke zu den Händlern. Intern noch als "Bolero" geführt, soll der Wagen in Format von Audi A4 und VW Passat als Limousine und als Kombi die Abwanderung der besserverdienenden Kunden zu anderen Marken innerhalb wie außerhalb des Konzerns stoppen. Außerdem laufen die Planungen für einen Geländewagen in der Kompaktklasse, der die IAA-Studie Tribu zum Vorbild hat. Und auch ein Kleinstwagen "für den schmalen Geldbeutel" soll entwickelt werden, der dereinst das eingestellte Modell Arosa beerben soll.

Billig und sparsam - ein Auto wie es sein soll

Bis in Barcelona allerdings wieder der Busch brennt, muss Seat noch etliche kleinere Brötchen backen und sich mit neuen Modell- oder Motorvarianten begnügen. Als Antwort auf die anhaltende Klimadiskussion bauen die Spanier deshalb jetzt ihre Öko-Flotte aus und bringen nach dem Kleinwagen Ibiza Ecomotion mit einem CO2-Ausstoß von 99 Gramm pro Kilometer auch einen sparsamen Ableger des Leon auf den Markt. Er kommt demnächst zu den Händlern, kostet 19.990 Euro und sei damit nicht nur der genügsamste, sondern auch der günstigste Diesel in der Baureihe, sagt Skibbe.

Zwar sieht der Leon deutlich besser aus als der Golf, die Spartechnik aber ist weitgehend die gleiche: Beide Autos treibt ein 105 PS starker Dieselmotor an, den die Entwickler zur Entziehungskur geschickt haben. Mit einer neuen Motorsteuerung, einem länger übersetzten Getriebe, dem Entrümpeln schwerer Zusatzausstattung und mit Reifen, deren Rollwiderstand optimiert wurde, haben sie den Verbrauch um rund zehn Prozent auf 4,5 Liter gedrückt und den CO2-Ausstoß von 139 auf 119 Gramm pro Kilometer gesenkt. Zugleich wurde auch bei der Entwicklung gespart: Anders als im Golf gibt es deshalb keine Schaltanzeige, die dem Fahrer assistiert. Auch die Aerodynamik wurde nicht optimiert, und auf die Vorzüge eines sechsten Ganges haben die Techniker ebenfalls verzichtet.

Ordentlicher, aber keineswegs sportlicher Fahreindruck

Bei der ersten Ausfahrt macht der Leon dennoch eine gute Figur. Der Viertürer mit dem sportlichen Anstrich hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, wirkt aber - von ein paar altbackenen Kunststoff-Konsolen im Innenraum abgesehen - noch immer frisch und frech. Nur das von Seat so gern beschworene und mit so vielen Sportvarianten geschürte Feuer der Leidenschaft brennt beim Ecomotive naturgemäß auf Sparflamme. Nicht dass es ihm mit 250 Nm an Antrittskraft mangeln würde. Doch legt der Sparer beim Beschleunigen gerne eine Gedenksekunde ein.

Der Dieselmotor braucht beinahe elf Sekunden, bis er Tempo 100 erreicht. Das sind zwar vier Zehntel weniger als beim konventionellen Leon, wirkt aber trotzdem wie eine halbe Ewigkeit, in der einem nur wegen des häufigen Griffs zum Schaltknüppel nicht langweilig wird. Dafür geht die Höchstgeschwindigkeit mit 186 km/h vollkommen in Ordnung, und beim Blick auf den Bordcomputer erfüllt selbst notorische Hektiker eine beinahe buddhistische Gelassenheit. Schon die 4,5 Liter aus dem Normzyklus sind ein schöner Wert. Doch wer konstant mit Tempo 100 über die Autobahn rollt, liest irgendwann den Verbrauchswert 3,7 Liter und klickt sich durchs Bordcomputermenü zu einer Reichweite von beinahe 1500 Kilometern. Für die braucht man dann zwar etwas länger, doch dafür wartet am Ziel ein gutes Umweltgewissen.



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