Autogramm Seat Leon Facelift Es ist nicht alles Golf, was glänzt

Jahrelang konnten sich die Deutschen für die VW-Tochtermarke Seat kaum erwärmen. Dann kam 2012 ein neuer Leon auf den Markt, der Aufschwung begann. Jetzt fahren die Spanier das Facelift vor - sogar ein bisschen autonom.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Der erste Eindruck: ziemlich zackig. Kantiger als ein VW Golf war der Seat Leon schon vor dem Facelift, jetzt kommen noch auffällig spitze LED-Tagfahrleuchten und prägnante LED-Rücklichtkonturen dazu.

Das sagt der Hersteller: Mit der dritten Generation des Kompaktwagens Leon, die 2012 auf den Markt kam, rückte die spanische VW-Tochtermarke Seat wieder ins Bewusstsein der Autokunden. Was vor allem am damals neuen, klar konturierten Design lag. "Seither", sagt Seat-Produktmanager Carlos Galindo, "nennen die Kunden als Kaufgrund Nummer eins das Aussehen des Autos." Auch die Buchhalter bei Seat erfreut der Leon. 2012 wurden rund 80.000 Exemplare des Kompaktautos gebaut, inzwischen hat sich dieses Zahl nahezu verdoppelt. Galindo sagt: "Mit der Produktaufwertung wollen wir diesem Trend jetzt neuen Schwung geben."

Das ist uns aufgefallen: Um die Veränderungen des überarbeiteten Leon kennenzulernen, muss man das Auto gar nicht fahren. Die meisten Innovationen stecken nämlich im Innenraum und sind digitaler Natur. So wuchs der zentrale Touchscreen in der Armaturentafel auf acht Zoll Bildschirmdiagonale. "Das war eine wichtige Kundenanforderung", heißt es beim Hersteller. Verlinkt werden können jetzt Smartphones mit Android- oder Apple-Betriebssystem und es gibt auch eine Ablageschale fürs Telefon, in der es während der Fahrt induktiv geladen wird. Ambientelicht in acht Farben ist ebenfalls verfügbar.

Auch die Funktionen der Assistenzsysteme wurden erweitert. Aus Spurhalteassistent und adaptivem Tempomat beispielsweise wurde nun ein sogenannter Stauassistent kombiniert, der bei Kolonnenverkehr bis Tempo 60 automatisch lenkt, bremst und beschleunigt, sofern der Fahrer die Hände nicht länger als acht Sekunden vom Lenkrad nimmt. Tut er dies doch, erfolgt der Hinweis, doch bitteschön selbst wieder das Steuer zu übernehmen.

Jürgen Pander

Moment mal, wurde das gleiche System nicht soeben auch von VW für den überarbeiteten Golf vorgestellt? Genau. Im Prinzip verläuft das Update von Leon und Golf weitgehend parallel. Nur ist es bei VW bislang Theorie und einen Preis nennen die Wolfsburger auch noch nicht. Beim Leon ließ sich der neue, teilautonome Helfer schon ausprobieren - es funktioniert wie angekündigt und man sitzt dabei umso konzentrierter in Habachtstellung hinterm Lenkrad. Mindestens 390 Euro Aufpreis kostet das neue System übrigens für die Topausstattung. Für die niedrigeren Ausstattungsniveaus wird es teuerer.

Um die neue Anmutung und die neuen Assistenzsysteme zu erfahren, waren wir mit dem sportlichen Modell FR unterwegs, "der DNA unserer Marke", wie ein Seat-Sprecher sagt. Der 180-PS-Turbomotor ist der momentan stärkste Benziner, den man im aufgefrischten Leon kriegen kann. In Kombination mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe ist die Maschine ein flotter, aber keineswegs giftiger Antreiber. Das Fahrgefühl ist solide und zugleich komplett unauffällig. So fühlen sich Autos aus dem VW-Konzern nun einmal an - neutral bis in die Stoßfänger, da kann Seat noch so viel von Leidenschaft oder "emoción" erzählen.

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Autogramm Seat Leon Facelift: Elektronisch aufgewertet

Was der Leon vorläufig nicht bekommt, ist der neue 1,5-Liter-TSI-Motor mit Zylinderabschaltung, der alsbald im Golf angeboten wird. Und auf ein digitales Cockpit, im Golf ab sofort bestellbar, müssen Leon-Kunden bis 2018 warten. "Das Auto ist schon darauf vorbereitet", sagt Ingenieur Stefan Ilijevíc. Und ein bisschen Abstand soll schon gewahrt werden zwischen spanischem Emporkömmling und deutschem Platzhirschen.

Das muss man wissen: Der Leon ist das mit Abstand meistverkaufte Auto von Seat in Deutschland. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres zählte das Kraftfahrt-Bundesamt knapp 40.000 Neuzulassungen, damit rangiert der spanische Golf-Zwilling in etwa auf dem Niveau des Ford Focus. Die runderneuerten Leon-Varianten, also Dreitürer, Fünftürer und Kombi, sind ab sofort bestellbar und werden ab Januar ausgeliefert. Die beliebteste Karosserieform hierzulande ist der Kombi mit einem Anteil von 53 Prozent. Die Preisliste startet bei 14.990 Euro für den Dreitürer mit 1,2-Liter-TSI-Motor und 86 PS. Insgesamt stehen fünf Benzinmotorisierungen und drei Diesel-Typen von 86 bis 184 PS zur Wahl, außerdem ein Modell mit Erdgasantrieb und 110 PS Leistung. Im Februar wird die Extrem-Variante Cupra mit 300 PS folgen.

Mit dem Modellwechsel bietet Seat, wie schon beim neuen SUV Ateca, auch beim Leon die Ausstattungsvariante Xcellence an. Die soll nach den Plänen der Marketingleute vor allem "stil- und komfortbewusste Kunden" anlocken, und natürlich mehr Geld in die Kasse spülen, denn die Autos sind mit etlichen Extras ausgerüstet und folglich teurer als die magereren Varianten. Seat erwartet, dass etwa zehn Prozent der Leon-Käufer künftig die Vollausstattung wählen.

Das werden wir nicht vergessen: Seat-Ingenieur Stefan Ilijevíc betonte bei der Präsentation des überarbeiteten Leon, dass nun auch ein schlüsselloses Zugangssystem erhältlich sei. Die Testwagen waren damit natürlich ausgestattet, verfügten also über einen Start-Stopp-Knopf ganz vorn auf der Mittelkonsole. Zudem gibt es, neben der Taste für die elektrische Handbremse, eine kleine Ablage, in die der Schlüssel perfekt reinpasst. An so ein Schlüsselfach hatte bislang noch kein anderer Hersteller gedacht.

Fahrzeugschein
Hersteller: Seat
Typ: Leon SC 1.8 TSI FR
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 7,4 s
Höchstgeschw.: 226 km/h
Verbrauch (ECE): 6,0 Liter
CO2-Ausstoß: 138 g/km
Kofferraum: 380 Liter
Gewicht: 1.290 kg
Maße: 4246 / 1810 / 1431
Preis: 24.650 EUR
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insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
rom.schm 16.01.2017
1. schöner
Aus meiner Sicht viel schöner als der Golf
woswoistndu 16.01.2017
2. Nicht minder langweilg
als der Golf (den ich als Kombi fahre und zufrieden bin). Ein Brot-und-Butter-Auto, nicht mehr und nicht weniger. VW eben...
f_eu 16.01.2017
3.
Selbstfahrer - 8 Sekunden bei 60 km/h - das sind 134 m. Laut StVO ist so etwas jedenfalls nicht zulässig. Aber vielleicht war die Zulassungsbehörde vom 8-farbigen Ambientelicht des Armeleuterenners abgelenkt.
ohrfeigenbaum 16.01.2017
4. Günstiger
und auch schöner als der Golf. Seat macht Einiges richtig! Über das Auto: Zu schwer und zuviel Technik, Andere Hersteller können das besser. Im Endergebniss zieht das Auto leider auch keine Wurst vom Teller. Für den 20er Juppie vom Dorf jedoch eine nette Variante den Nachbarn neidisch zu machen. Es sei denn dieser fährt VW...
eugler 16.01.2017
5. eher nicht
'An so ein Schlüsselfach hatte bislang noch kein anderer Hersteller gedacht' Außer Opel im Insignia - aber ich bin sicher hier war genau so ein Schlüsselfach gemeint.
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