Autogramm Seat Leon ST Wer schön sein will, darf laden

Im Herzen ist der neue Seat Leon ST Kombi ein echter Spross des VW-Imperiums. Nirgendwo wirklich revolutionär, dafür solide und mit ein paar cleveren Details bestückt. Trotzdem hat er gegenüber Golf, Octavia und Co. einen entscheidenden Vorteil - man schläft nicht ein, wenn man ihn anschaut.

Seat

Der erste Eindruck: Der sieht schick aus - auch als Kombi. Und unter der Schönheit muss nicht einmal der Kofferraum leiden. Im Gegenteil, mit 587 Liter Ladevolumen sticht das spanische Modell fast alle Konkurrenten aus - mit Ausnahme der Konzernmodelle Skoda Octavia Combi und VW Golf Variant, die noch mehr Raum bieten, aber dabei viel langweiliger aussehen.

Das sagt der Hersteller: Der neue Seat-Chef Jürgen Stackmann feiert die Baureihe Leon als Erfolg für die kriselnde Marke: Im ersten Halbjahr habe sich der Golf-Ableger als Fünftürer und als dreitüriger SC um ein Drittel besser verkauft als das Vorgängermodell. Damit werde der Kompaktwagen neben dem kleineren Ibiza zur zweiten tragenden Säule für die spanische VW-Tochter. Umso mehr, wenn jetzt der ST genannte Kombi komme. Denn das Segment der kompakten Kombis stehe in Europa für rund 500.000 Zulassungen im Jahr, von denen sich Seat so viele wie möglich sichern möchte.

Das ist uns aufgefallen: Wie stattlich der Leon ST auf der Straße steht - fast wie ein richtiges Flaggschiff. Dafür, dass der ST der erste kompakte Kombi der Marke überhaupt ist, wirkt der Wagen rundum durchdacht und ausgereift. Mit üppigem Laderaum und praktischen Details wie dem Schacht im Kofferraumboden, in dem sich die Laderaumabdeckung bei Bedarf perfekt verstauen lässt.

Trotz der Konzentration auf die Nehmerqualitäten des Leon ST bleibt bei dem Auto der Fahrspaß nicht auf der Strecke: Auch als Kombi ist der Leon stramm und knackig abgestimmt und schneidet scharf durch die Kurven. Welch großen Wert die Spanier auf ein erfrischendes Fahrgefühl legen, erkennt man an einem kleinen Knopf in der Mittelkonsole: DCC steht darauf und dahinter verbirgt sich das von VW Golf und Co. bekannte, verstellbare Fahrwerk mit variablen Dämpfern, das mit dem Kombi jetzt Einzug bei Seat hält. Gleiches gilt übrigens für den Abstandsregeltempomaten sowie für die Progressivlenkung; auch diese aufpreispflichtigen Extras sind im Leon ST erstmals verfügbar.

Das muss man wissen: Für den Einsatz an der Laderampe hat Seat den Leon bei unverändertem Radstand am Heck um 27 Zentimeter verlängert und dadurch einen wirklich tiefen Kofferraum geschaffen. Dessen Volumen lässt sich durch das Flachlehnen der Rücksitzlehnen nun von 587 Liter auf 1470 Liter erweitern. Wer zudem die Beifahrerlehne umklappt, kann bis zu 2,60 Meter lange Ladung verstauen - ein Surfbrett oder sperrige Schrankwandbretter sollten dann kein Problem mehr sein. Besonders stolz sind die spanischen Autobauer angesichts dieser Größe auf ihre Gewichtsdisziplin: Der ST wiegt lediglich 45 Kilo mehr als der deutlich kürzere Fünftürer und ist mit 1233 Kilo der leichteste Kombi der Kompaktklasse.

Die Preise für den ab Ende November lieferbaren Wagen beginnen bei 16.640 Euro und liegen damit knapp 1800 Euro über denen des Fünftürers. Als Motorisierungen werden, wie bei den anderen Modellvarianten auch, fünf Benziner und vier Dieselmotoren von 86 bis 184 PS angeboten. Die Durchschnittsverbrauchswerte reichen von 3,3 bis 5,8 Liter, die Spitzengeschwindigkeiten je nach Variante zwischen 178 und 228 km/h. Aller Voraussicht nach werden noch eine Allradversion und eine Erdgasvariante folgen, und womöglich auch noch eine Sportausführung namens Cupra.

Letztere fehlt der Modellpalette bislang allerdings nicht wirklich. Denn schon der 180 PS-Benziner in unserem Testwagen hat mehr als genug Elan für einen Kombi, der ja vor allem ein praktisches Familienauto sein soll. Und selbst wenn der voll beladen sein sollte, dürfte der Motor noch genug Reserve für flottes Vorankommen haben. Immerhin sind maximal 226 km/h möglich - eiliges Kuriergut ist in diesem Auto also gut aufgehoben.

Das werden wir nicht vergessen: Dass sich die Seat-Ingenieure die Kombis der anderen Konzern-Marken genau angesehen und dann aus dem Konzern-Baukasten deren beste Details herausgepickt haben. Den doppelten Ladeboden etwa, der sich mit einem Handgriff verstellen lässt, die umklappbare Beifahrersitzlehne oder die beiden Schnapphaken an den Kofferraumseiten, mit denen die geteilten Rücksitzlehnen per Fingerbewegung flach gelegt werden können.

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insgesamt 37 Beiträge
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peterluxx 07.11.2013
1.
Ich frage mich oft beim Lesen solcher Testberichte, warum so ein Familien-Kombi die Kurven "scharf schneiden" soll und sein "Kuriergut" mit bis zu 126 km pro Stunde - wo sollen die denn gefahren werden? Ich hab einen Vorschlag: auf der Autobahn Alzey-Kaiserslautern morgens am Sonntag um 7 Uhr...
Bolligru 07.11.2013
2. Schade,
dass das Armaturenbrett nicht gezeigt wird, mich als potentiellen Fahrer interessiert schon mächtig, was ich ständig in meinem Blickfeld haben werde und wie die Bedienbarkeit ist.
tweet4fun 07.11.2013
3. Verstehe ich nicht.
Zitat von Bolligrudass das Armaturenbrett nicht gezeigt wird, mich als potentiellen Fahrer interessiert schon mächtig, was ich ständig in meinem Blickfeld haben werde und wie die Bedienbarkeit ist.
Wenn Sie sich als "potentiellen" Fahrer eines neuen Fahrzeugs begreifen, warum gehen Sie nicht zum nächsten Vertragshändler zum Probesitzen? Sie kaufen ja auch sicherlich nicht Ihre Schuhe nach Bildern auf dem Internet.
zackenblitz 07.11.2013
4. Gut, dass es den SEAT auch mit DCC gibt...
...es ist das Feature, welches beim Skoda fehlt. Leider hat der Kombi wieder nur ein sehr eingeschränktes Ladevolumen (gleiche abgelutschte "bin ich nun Kombi oder Coupé Form wie der A4 Avant) und verliert dadurch 300 l Ladevolumen gegenüber dem Skoda Octavia Combi. Schade!
kenterziege 07.11.2013
5. Armaturenbrett
Zitat von Bolligrudass das Armaturenbrett nicht gezeigt wird, mich als potentiellen Fahrer interessiert schon mächtig, was ich ständig in meinem Blickfeld haben werde und wie die Bedienbarkeit ist.
Das können Sie jederzeit im Internet von SEAT betrachten. Ich finde, ein sehr gut gemachtes Teil. Das sehe ich ja auch immer, weil man als Fahrer im Auto sitzt! Mit dem Leon auf dem MQB von VW ist ein gutes Auto gelungen. Das einzig Nachteilige ist die Marke! Wenn da Alfa-Romeo drauf stehen würde, gäbe es Schlangen bei den Händlern! Es dauert Jahrzehnte bis der Klang einer Marke in den Köpfen umprogrammiert ist. Aber mehr und mehr Menschen lassen sich überzeugen. SEAT hat im vergangenen Jahr gegen den Trend deutlich zugelegt! Und wo ist Alfa? Gibt es die noch? Alfa kommt mir inzwischen so vor, wie eine alte Mathematik-Lehrerin , die unter Alzheimer leidet! Da ist nichts mehr - außer Name und Titel. Auch wenn sie den C6 bauen werden. Wer weiß schon, dass SEAT von FIAT mit gegründet wurde. VW hat zugegriffen und schafft es womöglich diesen Laden über die Wasserlinie zu bekommen. Fiat hingegen geht mit Lancia und Alfa unter. SEAT wäre der bessere Alfa gewesen. Herr Marchionne wollte Herrn Piëch die Marke Alfa (noch?) nicht verkaufen. Irgendwann bekommt er gar kein Geld mehr dafür!
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