Seat Leon X-Perience Im Halb-SUV

Seat fehlt ein SUV im Programm. Bis der kommt, soll ein Kombi in Offroad-Optik den Platz einnehmen. Doch der Leon X-Perience ist mehr als nur ein Lückenfüller.

Seat

Der erste Eindruck: Ein Auto aus zwei Hälften. Die obere davon wirkt elegant, die untere eher rustikal - mit Plastikplanken, großen Rädern und angedeutetem Unterfahrschutz.

Das sagt der Hersteller: "Der Leon ist für Seat eine echte Erfolgsgeschichte", sagt Entwickler Tino Fuhrmann. Fast 120.000 Exemplare verkaufte die spanische VW-Tochter in den ersten neun Monaten dieses Jahres - ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Variante X-Perience, basierend auf der Kombivariante ST, soll weiteren Absatz bringen.

Zudem soll der Geländekombi die Marke etwas höher positionieren. "Wir erreichen mit dem Auto Kunden, die sich stärker profilieren und auch mehr Geld ausgeben wollen", sagt ein Firmensprecher. Vor allem jedoch soll der X-Perience in den nächsten zwei Jahren die SUV-Lücke von Seat füllen. Denn ein echter Seat-SUV wird frühestens 2016 auf den Markt kommen.

Das ist uns aufgefallen: Außen chic, innen praktisch und insgesamt ziemlich sportlich abgestimmt - solange man sich auf Asphalt bewegt, ist der X-Perience ein Leon ST wie jeder andere. Die knapp drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit machen weder beim Einsteigen einen großen Unterschied, noch spürt man den höheren Schwerpunkt bei flotter Fahrt durch enge Kurven.

Einzig der Allradantrieb macht sich bemerkbar, wenn der stärkste Diesel beim Kickdown mit 184 PS und bis zu 380 Nm zu Werke geht. Egal wie eng man die Kurven nimmt oder wie schmierig die Straße ist, der Leon bleibt gelassen - dank gleichmäßiger Kraftverteilung zwischen den beiden Achsen per Haldex-Kupplung sowie einer elektronischen Differentialsperre für die Kraftverteilung zwischen den Rädern rechts und links. Allerdings kann man dieses Fahrgefühl auch im normalen Leon mit Allradantrieb haben, ganz ohne Offroad-Dekoration.

Sobald man allerdings abseits befestigter Straßen unterwegs ist, ändert sich der Eindruck. Das kleine bisschen mehr Bodenfreiheit macht einen gewaltigen Unterschied: Tief ausgefahrene Feldwege, Schotter- oder Geröllpisten, feuchte Wiesen oder sandiger Untergrund - es gibt nicht viele Abwege, vor denen man im X-Perience bangen muss. Andererseits fragt man sich auch, wozu angesichts dieses Autos noch ein richtiges SUV entwickelt werden muss.

Außer der zusätzlichen Bodenfreiheit, dem Allradantrieb und einigen Anbauteilen gibt es weitere Details, die ein wenig Abenteuerlust ins Auto bringen. Etwa das neue Navigationssystem mit größerem Bildschirm, besserer Auflösung und dreidimensionaler Darstellung, das um ein paar Offroad-Funktionen erweitert wurde. So wird nun unter anderem der Lenkwinkel, die Neigung des Wagens und die Höhe über dem Meeresspiegel dargestellt, falls die Straßenkarte allein nicht mehr ausreicht zur Orientierung.

Das muss man wissen: Der X-Perience ist nach Fünf- und Dreitürer, Kombi und Sportmodell Cupra bereits die fünfte Spielart des Leon und steht ab dem 18. Oktober beim Händler. Er kostet mindestens 28.750 Euro und ist rund zehn Prozent teurer als der normale Leon Kombi mit Allradantrieb.

Weil dieses Auto die Marke aufwerten soll, ist es vergleichsweise gut ausgestattet, und auch an der Leistung wurde nicht gespart. Die schwächsten Leon-Motoren sind gar nicht erst verfügbar, stattdessen gibt es für den X-Perience zunächst als einzigen Benziner einen 2,0-Liter-Turbo mit 180 PS und - neben dem 184-PS-Diesel aus unserem Testwagen - noch zwei weitere TDI-Aggregate mit 110 und 150 PS. Erst im nächsten Sommer reicht Seat zur Preispolitur einen 1,4-Liter-Benziner mit 125 PS nach. Ihn gibt es - genau wie dann auch den 110-PS-Diesel - ausschließlich als Fronttriebler, womit der Gelände-Kombi allerdings zur Mogelpackung aus der Lifestyle-Liga wird.

Das werden wir nicht vergessen: Wie ungeniert Seat bei der Konzernschwestermarke Skoda abkupfert. Der X-Perience ist im Großen wie im Kleinen eine Kopie des Octavia Scout. Selbst den Einsatz für den Becherhalter haben die Spanier von den Tschechen übernommen - und noch ein bisschen besser gemacht. Denn bei Seat lässt sich dort nicht nur das Handy festklemmen, sondern auch noch ein paar Münzen für die Parkuhr.

Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wakaba 20.10.2014
1.
Und nach Seat kriegt dann Porsche die ausgelutschten Produktionsanlagen. So sieht Recycling bei Vag aus.
misinisi 20.10.2014
2. Mal was geschrieben ...
Zitat von wakabaUnd nach Seat kriegt dann Porsche die ausgelutschten Produktionsanlagen. So sieht Recycling bei Vag aus.
Erstens ist das quatsch, zweitens: selbst wenn es so wäre, muss das ja nicht schlecht sein (der Exeo war der bessere "alte" A4) und drittens: was hat Ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun?
ulli7 20.10.2014
3. Allrad-Kombis sind in Alpen und deutschen Mittelgebirgen optimal
Wenn ich nicht in Berlin, sondern in den Bergen wohnen würde, dann wären Allrad-Kombis wie Octavia Scout und Seat Leon X-Perience für mich selbstverständlich. Bei Rutschgefahr sollte man jedoch immer genügend Platz haben um Gas zu geben. Denn bei reinen Bremsvorgängen verhalten sich die Allrad-Kombis auch nicht besser als normale PKW´s mit ABS.
jupp78 20.10.2014
4.
Wenn Spon hier fragt, wofür es eigentlich noch ein Suff braucht, sollte der Autor einfach mal eine Umfrage unter Suff-Fahrern machen. Ganz weit oben werden die Gründe stehen, dass diese höher einsteigen und höher sitzen wollen. Argumente wie Geländegängigkeit oder Anhängelast werden nur auf eine verschwindende Minderheit zutreffen. Daher kann man sich gerne nochmal fragen, ob dieses Auto etwas für den typischen Suff-Kunden ist ... und zu einem klaren Nein kommen.
JeeperWH 20.10.2014
5.
Zitat von jupp78Wenn Spon hier fragt, wofür es eigentlich noch ein Suff braucht, sollte der Autor einfach mal eine Umfrage unter Suff-Fahrern machen. Ganz weit oben werden die Gründe stehen, dass diese höher einsteigen und höher sitzen wollen. Argumente wie Geländegängigkeit oder Anhängelast werden nur auf eine verschwindende Minderheit zutreffen. Daher kann man sich gerne nochmal fragen, ob dieses Auto etwas für den typischen Suff-Kunden ist ... und zu einem klaren Nein kommen.
Ach, ich brauche keinen SUV. Mir gefallen die halt. Komfortabel für 4-5 Personen, wintertauglich, entspanntes Fahren und mit dem entsprechenden Motor halt Drehmoment ohne Ende – ich fasse privat nix mehr unter sechs Pötten an.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.