Shuanghua Ceo Altmetall in Lederhosen

Kaum ein Auto wurde zuletzt so kritisch beäugt wie der Shuanghua Ceo. Das Heck des China-SUV sieht nämlich aus wie das des alten BMW X5. SPIEGEL ONLINE war mit dem Allradler unterwegs und gibt Entwarnung: Nicht nur beim Preis liegen Welten zwischen beiden Autos.

So richtig rund läuft es für die chinesischen Autohersteller in Europa noch nicht. Der Geländewagen "Landwind" des Herstellers Jiangling kollabiert beim Crashtest, die Autos der Marke Brilliance entpuppen sich als Ladenhüter und vom SUV-Modell namens Ceo spricht man nicht als großem Geländewagen für kleines Geld, sondern als billige Kopie des ersten BMW X5.

Ob und wenn ja wie stark das Auto tatsächlich Gebrauchsmuster oder Urheberrechte verletzt, müssen wohl irgendwann mal die Richter entscheiden. Dem Autokäufer kann das egal sein. Denn allen Ähnlichkeiten zum Trotz besteht kaum eine Verwechslungsgefahr.

Auch wenn die Rückleuchten des Ceo, der Schwung in der D-Säule, die geteilte Heckklappe und auch die Grundzüge des Innenrraums verdammt nach BMW aussehen - bei der Materialanmutung und der Verarbeitung liegen Welten zwischen X5 und CEO. Insofern lassen sich die beiden Modelle selbst mit verbundenen Augen zweifelsfrei auseinanderhalten. Zudem haftet dem chinesischen Modell ein strenger Eigengeruch an.

Noch deutlicher werden die Unterschiede bei der ersten Ausfahrt mit dem Ceo, der statt eines modernen Geländewagens eben doch nur ein aufgefrischter Mitsubishi Pajero von vorgestern ist - und auf einem klassischen Leiterrahmen basiert.

Zwar fährt der Wagen immerhin mit Einzelradaufhängung reihum, und für die Offroader unter den Sparfüchsen gibt es serienmäßig einen zuschaltbaren Allradantrieb. Doch das Fahrwerk ist ziemlich weich, die Lenkung erfordert viel Feingefühl, die Bremsen ein gewisses Grundvertrauen und die Straßenlage einen robusten Magen.

Schon im Stadtverkehr schwankt der Koloss

Enge Kurven nimmt der im Vergleich zum X5 eher hochbeinige Shuanghua Ceo bereits im Stadttempo mit einer gewissen Schräglage. Außerdem ist der Wendekreis stattlich, und beim Rangieren fasst man den Schaltknauf besser nur vorsichtig an, wenn man ihn nicht gleich vom Gestänge ziehen will.

Außerdem ist der mit einer Mitsubishi-Lizenz gefertigte Motor eher schwächlich. Zwar hat der Vierzylinder 2,4 Liter Hubraum, doch sind 125 PS und 190 Nm nicht gerade die Welt, wenn sie mit einem Auto von beinahe zwei Tonnen konfrontiert werden. An der Ampel holt der Wagen erst einmal kräftig Luft, bevor er sich behutsam in Bewegung setzt. Und auf der Autobahn ist laut Datenblatt bei Tempo 160 Schluss. Das wird sich bald ändern, heißt es beim Importeur China Automobile in München: Denn später im Jahr soll es einen zweiten Vierzylinder-Diesel mit 165 PS und einen V6-Diesel mit 195 PS geben. Den Verbrauch des 2,4-Liter-Diesels gibt der Importeur mit 11,4 Litern an, und wem das zuviel ist, dem liefern die Chinesen direkt ab Werk eine Flüssiggasausrüstung mit.

Geräumiger Innenraum, ordentliche Ausstattung

Während man an der Technik kräftig mäkeln kann, muss man dem Innenraum durchaus Lob zollen. Auch wenn manche Ecken des Wagens so aussehen, als seien sie von Grundschülern im Werkunterricht zusammengebastelt worden, gibt es zumindest jede Menge Platz, zwei Airbags, eine überraschend fortschrittliche Ausstattung bis hin zu Klimaautomatik, zahlreichen elektrischen Helfern und einem Musiksystem mit dem vielversprechenden Namen "Passion" inklusive USB-Schnittstelle und SD-Kartenleser. Und: Der Ceo wirkt weit weniger trist als beispielsweise ein Lada Samara oder Dacia Logan.

Auch der Kofferraum ist mit 1550 Litern üppig bemessen und zeugt mit praktischen Fächern an der Seite sogar von etwas Liebe zum Detail. Die starb allerdings beim Ladeboden gleich wieder. Schließlich passt der eher schlecht als recht über das immerhin vollwertige Ersatzrad. Und auch die horizontal geteilte Heckklappe ist eher nervig als praktisch: Erstens kann man sie nur vom Armaturenbrett aus öffnen, und zweitens ist der Verschluss ziemlich hakelig.

Schon nach kurzer Fahrt ist klar: BMW fühlt sich anders an

Schon nach gut einer Stunde und einigen Kilometern im Stadtverkehr ist unzweifelhaft klar: Weder sich selbst noch seinem Nachbarn kann man mit dem Ceo vormachen, dass hier tatsächlich eine BMW X5 Dublette vorfährt. Wie sollte das auch möglich sein, schließlich ist der X5 rund doppelt so teuer wie der in China aufgebrezelte Japan-Oldie mit der bayerischen Kehrseite.

Insofern darf man den stattlichen Geländegänger, den in Deutschland nach Angaben von Importeur Karl Schlössl derzeit rund 80 Händler für Preise zwischen 25.900 und rund 30.000 Euro verkaufen, auch nicht ernsthaft mit einem europäischen SUV aus der Oberklasse vergleichen. Die Wettbewerber des Ceo sind eher Autos wie der Kia Sorento oder der Hyundai Santa Fe sowie natürlich sämtliche Gebrauchtwagen dieser Liga. Jedoch: Wenn es kein Neuwagen sein muss, bekommt man für das gleiche Geld statt der vermeintlichen Kopie mit etwas Glück auch das Original.