Autogramm Skoda Citigo Kleiner Vorsprung

Große Gewinne winken mit Winzlingen wie dem Skoda Citigo nicht, für den VW-Konzern hat er vor allem strategische Bedeutung. Das Gute daran: Die Kunden muss das nicht kümmern. Der Wagen macht jetzt schon Freude.

Skoda

Der erste Eindruck: Frisch frisiert.

Das sagt der Hersteller: Gemessen am Erfolg anderer Skoda-Modelle ist der Citigo ein Nischenfahrzeug und im Straßenverkehr selten an zutreffen. Selbst wenn sich der Winzling in Deutschland besser verkauft als im Rest der Welt. Deshalb hindert das Firmensprecher Christof Birringer auch nicht daran, den Kleinwagen trotzdem als Erfolg zu verkaufen: "Als Einstiegsmodell holt das Auto neue Kunden zur Marke, die später dann in einen Fabia oder Octavia aufsteigen", sagt er. Auch für Firmen- und Flottenkunden sei ein Auto wie der Citigo wichtig.

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Autogramm Skoda Citigo: Klein gemacht

Immerhin räumt Birringer ein, dass es in dem Segment schwer ist, den Preiskampf der Importeure aus Fernost mitzugehen. Große Gewinne seien mit kleinen Autos selbst dann nicht zu machen, wenn man sie wie der VW-Konzern als Trio vermarktet und sich VW Up!, Seat Mii und Skoda Citigo im Prinzip nur durch die Markenlogos unterscheiden.

Aber braucht ein Hersteller wie Skoda oder der VW-Konzern überhaupt Autos wie den Citigo, wenn die Rentabilität eher mau ist? Birringer beantwortet die Frage wenig überraschend mit Ja. Er begründet das zum einen mit den mehr als 200.000 Citigo, sie Skoda bislang verkauft hat. Zudem wisse niemand genau, wie sich das Segment entwickle, aber es gäbe nach Ansicht von Birringer zwei mögliche Szenarien, in denen die Kleinstwagen eine große Rolle spielen: Je voller die Städte werden, desto größer könnte die Nachfrage nach kleinen Autos werden. Wenn zudem die Elektrifizierung an Fahrt gewinnt, könnten die Autozwerge nochmals stärker in den Fokus rücken. Birringer: "Warum sollte man sich da ohne Not aus dieser Klasse verabschieden?"

Das ist uns aufgefallen: Die Demokratisierung der Technik ist in dieser Klasse noch nicht angekommen. Während der neue VW Polo so viel Ausstattung bietet wie ein Golf und der Skoda Fabia dem Octavia kaum nachsteht, ist der Citigo schlichter gestrickt. Finessen wie LED-Scheinwerfer gibt es deshalb ebensowenig wie eine automatische Abstandsregelung oder Warnsysteme für Spurführung und Spurwechsel.

Tom Grünweg

Stattdessen verkauft Skoda schon das Abbiegelicht und den Licht- und Regensensor als Errungenschaft. Das kann man kritisieren, zumal insbesondere die Koreaner mit Autos wie dem Hyundai i10 oder dem Kia Picanto einen anderen Kurs fahren und ihre Zwerge mit allerlei Extras bis hin zur Lenkradheizung aufmöbeln. Aber man kann es auch so sehen: Endlich mal wieder ein Kleinwagen, der nicht durch übertriebenen Schnickschnack teurer wird als nötig. Und sinnvolle Extras wie das City-Notbremssystem sind ja an Bord.

Außerdem ist Skoda zumindest bei der digitalen Demokratisierung vorn dabei - selbst wenn es im Citigo keinen Touchscreen gibt. Dafür jedoch ist eine App für Apple und Android im Angebot und das Bordnetz ist offen für das Smartphone. Wer sein Mobilgerät also in die Halterung auf dem Armaturenbrett steckt und die "Move & Fun"-Software startet, kann den Tripcomputer auch auf dem Telefon verfolgen, kann Navigieren, die Lieblingsmusik streamen oder den eigenen Fahrstil mit Spritspar-Tipps verbessern.

In einem Segment, in dem eine voll integrierte Infotainment-Einheit den Gesamtpreis des Autos um 10 oder gar 15 Prozent nach oben treiben würde, ist das eine Lösung, die gut zum "Simply clever"-Ansatz von Skoda passt. Die Tschechen demokratisieren zudem an anderer Stelle: Erstmals gibt es die aus teureren Modellen bekannten und beliebten Gimmicks wie den Mülleimer für die Türtasche und den Regenschirm unter dem Beifahrersitz auch im kleinsten Skoda-Modell.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Skoda Citigo - mit unserem 360-Grad-Foto:

Unverändert bleiben der Zuschnitt des Autos und mit ihm die Platzverhältnisse. In der ersten Reihe wirkt der Citigo größer, als man es bei einer Länge von 3,60 Meter erwartet hätte. Und wenn Skoda statt der Integralsitze normale Autositze mit einstellbaren Kopfstützen einbauen würde, könnten selbst große Erwachsene in diesem Kleinwagen gut sitzen. In der zweiten Reihe ist der Platz dagegen um so knapper bemessen und der Blick vorbei an den Vordersitzen obendrein arg eingeschränkt.

Das muss man wissen: Einen festen Termin zur Markteinführung des überarbeiteten Citigo gibt es nicht. Die Autos werden peu à peu in den Vertrieb eingespeist, was nicht zuletzt deshalb unkritisch ist, weil sich am Preis nichts ändert. Der beginnt nach wie vor bei 9770 Euro für den Dreitürer und bei 10.250 Euro für die fünftürige Variante.

Auch unter der Haube bleibt alles beim Alten. Der Knirps knattert weiter mit einem 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, der es auf 60 oder 75 PS bringt und - plötzlich wieder en vogue im VW-Konzern - auch mit Erdgasumrüstung angeboten wird. Der Motor klingt ein bisschen rauer und vorlauter, als die Dreizylinderaggregate in den Klassen darüber, und auf der Landstraße oder gar der Autobahn tut er sich ein bisschen schwer. In der Stadt jedoch wirkt der Citigo spritzig und agil, was natürlich auch dem handlichen Format geschuldet ist.

Das werden wir nicht vergessen: Die doppelte Überraschung hinter der Heckklappe. Erst erschrickt man, wie klein der Kofferraum scheinbar ist. Dann legt man mit zwei Handgriffen den doppelten Ladeboden tiefer und staunt, wie eine Tasche nach der anderen im Heck verschwindet. So beweist der Kleine spätestens auf den zweiten Blick eine gewisse Größe.

Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Citigo (2017)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 75 PS (55 kW)
Drehmoment: 95 Nm
Von 0 auf 100: 13,5 s
Höchstgeschw.: 173 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 101 g/km
Kofferraum: 251 Liter
umgebaut: 959 Liter
Gewicht: 929 kg
Maße: 3597 / 1641 / 1291
Preis: 10.710 EUR


insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
soinmast 13.07.2017
1. Warum
ist Skoda eigentlich eher ein "deutsches" Phänomen? Weil der deutsche Kunde denkt: "Super, VW Qualität (??) billiger als beim Original"? Ist wohl mit ein Grund, warum Skoda mehr als doppelt so viel Gewinn pro Auto einfährt wie VW. Europaweit ist es mit der Verbreitung von Skoda nicht so weit her, das erfolgreichste Modell ist da der Oktavia, der erst auf Platz 9 auftaucht...
baghira1 13.07.2017
2. Seat MIi=VW Up=Skoda Citigo
Der Citigo ist doch für Skoda simpel zusammengestrickt. Den VW Up ein wenig umdesignt, das Skoda Emblem draugeklebt und fertig ist die Laube. Genauso ist das beim Seat Mii.
dirk1962 13.07.2017
3. Gefällt mir
Fahrzeuge dieser Größe werden primär auf kurzen Strecken in der Stadt verwendet. Dazu braucht es nicht jede Menge sinnlosen Schnickschnack, sondern einen günstigen Anschaffungspreis. Insbesondere weil es auch ein Auto für Fahranfänger ist.
rocketsquirrel 13.07.2017
4. Ein Grund...
...für den geringen Erfolg, zumindest bei Skoda und Seat, ist der geringe Abstand zum Ibiza bzw Fabia. Klar, in der offiziellen Preisliste sind die Abstände größer, real im Autohaus bei Tageszulassungen nicht selten bei 1000 Euro, teilweise weniger. Und so praktisch die drei kleinen sind, viele ziehen Ibiza und Fabia bei dem geringen Preisunterschied vor.
aedificans 13.07.2017
5.
"Als Einstiegsmodell holt das Auto neue Kunden zur Marke, die später dann in einen Fabia oder Octavia aufsteigen"... "Aufsteigen?" - Wieso soll einem stets vermittelt werden, man müsse "aufsteigen", was das eigene Gefährt betrifft? Ein Auto sollte den eigenen Anforderungen entsprechen und dabei bestenfalls noch gefallen. Es sollte nicht darum gehen, indoktrinierte Zielvorgaben erfüllen zu müssen...
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