Autogramm: Skoda Fabia Ein Kleinwagen wird groß

Kleine Autos haben einen schweren Stand – also hat Skoda den Fabia deutlich vergrößert. Umso überraschender, dass ein entscheidendes Bauteil geschrumpft ist.
Die vierte Generation des Skoda Fabia wurde länger, geräumiger und technisch reifer. Als Antriebe stehen ausschließlich Benzinmotoren zur Wahl

Die vierte Generation des Skoda Fabia wurde länger, geräumiger und technisch reifer. Als Antriebe stehen ausschließlich Benzinmotoren zur Wahl

Foto: Skoda

Der erste Eindruck: Elf Zentimeter länger, neun Zentimeter mehr Radstand – der neue Skoda Fabia ist fast schon in der Kompaktklasse angekommen. Auch der Auftritt des Autos wirkt rundum ausgereift.

Fotostrecke

Skoda Fabia: Kleinwagen mit großen Ansprüchen

Foto: Skoda

Das sagt der Hersteller: Für den neuen Skoda-Chef Thomas Schäfer ist der kleine Fabia ziemlich wichtig. Von den ersten drei Generationen der Baureihe wurden in gut 20 Jahren mehr als 4,5 Millionen Exemplare verkauft. Zudem soll das neue Modell beweisen, dass Kleinwagen eine Zukunft haben – selbst, wenn VW-Konzernchef Herbert Diess das bisweilen anzweifelt. Außerdem sieht Schäfer weiter Bedarf an Verbrennerautos wie dem Fabia. Mit ihnen bleibe Mobilität bezahlbar. Angesichts von steigenden Spritpreisen ist das eine gewagte These . Doch immerhin hält Skoda den Einstiegspreis des Fabia konstant, obwohl er größer und besser ausgestattet ist.

Auch Schäfer weiß, dass zumindest in Westeuropa derzeit kein Weg am Elektroauto vorbeiführt. Statt mehr Budget in den Fabia zu stecken, investiert er in die beschleunigte Entwicklung dreier zusätzlicher Elektroautos. »Eines davon soll für rund 20.000 Euro zum Einstiegsmodell werden und damit die Idee des Fabia für die Generation E fortschreiben.«

Für Fabia-Baureihenleiter Jiri Dytrych stand mehr Effizienz ganz oben auf seiner To-do-Liste, auch ohne Geld für Plug-in- oder Mild-Hybrid-Antriebe. »Wenn einem das Geld für die Elektrifizierung fehlt, muss man mit der Physik spielen«, sagt Dytrych und berichtet vom sorgfältigen Feinschliff im Windkanal. Eine sonst meist größeren Modellen vorbehaltene Jalousie hinter dem Kühlergrill, besonders aerodynamische Felgen und ein weitgehend verkleideter Unterboden drücken den cW-Wert des neuen Fabia auf 0,28. Damit ist das Auto der aktuell windschnittigste Kleinwagen. Zusammen mit optimierten Motoren macht dies den Fabia deutlich sparsamer.

Das ist uns aufgefallen: Der Wechsel vom alten in den neuen Fabia fühlt sich an wie ein Upgrade. Die Knie eines größer gewachsenen Menschen schleifen nicht mehr am Armaturenbrett oder den Vordersitzen. Beim Stauraum hat Skoda noch einmal 50 Liter draufgesattelt, liegt nun mit 380 Litern auf dem Niveau des VW Golf. Zahlreiche Ablagen, Gepäckkörbe im Kofferraum und ein herausnehmbarer Getränkehalter in der Mittelkonsole nehmen viel Kleinkram auf.

360°-Ansicht

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Skoda Fabia mit unserem 360-Grad-Foto

Dazu gibt’s ein neues Ambiente. »Auch bezahlbares Hartplastik muss nicht preiswert aussehen«, sagt Dytrych und verweist auf die Narbung, die Armaturenbrett und Lüfterdüsen hochwertiger erscheinen lässt. Dazu passen die Bildschirme im Cockpit. Wie im VW Polo flimmern nun auch hinter dem Lenkrad auf Wunsch digitale Anzeigen.

Beim Fahren macht der Fabia einen erwachsenen Eindruck. Der längere Radstand garantiert mehr Ruhe im Aufbau, die Abstimmung ist souverän, der Wagen lenkt sich solide. Gelassen geht es gut voran. Wer es stramm und sportlich mag, ist bei Seat oder im Ford Fiesta wohl besser aufgehoben.

Immer auf dem Laufenden bleiben?

Fahrberichte, Analysen, aktuelle Nachrichten: So verpassen Sie keine Artikel aus der Rubrik Mobilität des SPIEGEL.

So aktivieren Sie Ihre Benachrichtigungen

Spürbar ist der Sparkurs beim Antrieb. Antiquiert wirken vor allem die Fünfgang-Getriebe für die schwächeren, etwas pötternden Dreizylindermotoren. Ein Startergenerator würde den Komfort deutlich erhöhen. Ohne diesen Booster fällt der Fabia beim Beschleunigen ins Turboloch. Und die Start-Stopp-Automatik schüttelt den Wagen an jeder Ampel so arg, dass man sie lieber ausschaltet.

Das muss man wissen: Mit der vierten Generation wechselt der Fabia auf die Konzernplattform MQB-A0, auf der auch VW Polo und Seat Ibiza basieren. So kommt neue Technik in den Kleinwagen. Neben dem Infotainment sind das vor allem Assistenzsysteme bis zur automatischen Abstandsregelung und der Parkautomatik. Außerdem sind künftig bis zu neun Airbags an Bord.

Bei den Motoren hat sich wenig getan. Skoda übernimmt die Aggregate aus dem Vorgänger, stellt aber die Brennverfahren um. Die Saugmotoren laufen ab sofort im sparsameren Atkinsonzyklus, die Turboaggregate im Millerzyklus. Angeboten wird das Einliter-Triebwerk mit 66, 80, 95 oder 110 PS Leistung, sodass Spitzengeschwindigkeiten bis 205 km/h möglich sind. Dazu kommt bald ein 1,5 Liter großer Vierzylindermotor mit 150 PS und 225 km/h Spitze. Dieselmotoren hingegen wurden aus dem Angebot gestrichen.

Zur Markteinführung am 18. September kostet das billigste Modell 16.290 Euro. Bis Jahresende soll das Basismodell zum Preis von knapp 14.000 Euro folgen. Das vorläufige Topmodell kostet 23.390 Euro, die später folgende 150-PS-Version dürfte stramm auf die 30.000 Euro zugehen.

Das werden wir nicht vergessen: Den geschrumpften Tank, entdeckt beim Blick ins Datenblatt. Während der Fabia ansonsten wuchs, fasst er fünf Liter weniger Benzin. Dass er dennoch weiter kommt mit einer Füllung, ist bemerkenswert.

Hersteller:

Skoda

Typ:

Fabia

Karosserie:

Kleinwagen

Motor:

Dreizylinder-Benziner

Hubraum:

999 ccm

Leistung:

110 PS / 81 kW

Drehmoment:

200 Nm

Getriebe:

Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe

Antrieb:

Frontantrieb

Von 0 auf 100:

9,6 Sek.

Höchstgeschwindigkeit:

205 km/h

Verbrauch:

4,61 l/100 km

CO2-Ausstoß:

105 g/km

Länge/ Breite:

4108 / 17800

Kofferraumvolumen:

380 Liter

umgebaut:

1190 Liter

Preis:

19.300 Euro

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Skoda unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.