Autogramm Skoda Kamiq Böhmische Trödel

Skoda lanciert die dritte SUV-Baureihe, den Kamiq. Der ist eng verwandt mit VW T-Cross und Seat Arona, ist aber größer als die Geschwister. Nur die Motorleistung hinkt etwas hinterher.

Thomas Geiger

Von Thomas Geiger


Der erste Eindruck: Ein bisschen langweilig, dadurch aber zeitlos.

Das sagt der Hersteller: Skoda und das SUV - das ist für Firmenchef Bernhard Maier eine Erfolgsgeschichte. Allein vom Kodiaq hat die VW-Tochter bereits mehr als 250.000 Exemplare verkauft, allen Diskussionen über den Sinn oder Unsinn von SUV zum Trotz. Seit es zusätzlich auch noch den Karoq gibt, ist jedes fünfte Auto, das Skoda aktuell verkauft, ein SUV. "Mit dem Kamiq runden wir das Programm nun nach unten ab", sagt Maier. Der Wagen soll eine neue, jüngere und urbanere Kundengruppe ansprechen.

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Autogramm Skoda Kamiq: T-Cross aus Tschechien

Der seltsame Name - Kamiq - stammt ebenso wie die Namen der beiden anderen SUV-Modelle aus der Sprache der nordkanadischen Inuit. Dort steht Kamiq, so interpretiert es zumindest das Skoda-Marketing, für etwas, das passt wie angegossen, eine Art zweite Haut.

Das ist uns aufgefallen: Der Kamiq passt tatsächlich. Und zwar besser als seine Plattform-Brüder VW T-Cross und Seat Arona. Weil Skoda den Radstand gegenüber dem VW um zehn und die Länge der Karosserie um 15 Zentimeter gestreckt hat, ist der Kamiq spürbar geräumiger, sodass auch die Hinterbänkler genügend Platz für ihre Knie haben. Und trotzdem bleibt der Kamiq mit 4,24 Meter Länge immer noch kompakt und übersichtlich und passt in jede Parklücke. Das ist wichtig, schließlich fahren SUV vor allem in der Stadt.

Wichtig waren Skoda deshalb auch die Extras, die den Alltag erleichtern. Während Allradantrieb gar nicht zur Verfügung steht, gibt es erstmals in dieser Klasse eine elektrische Heckklappe. Dazu kommen die bei Skoda üblichen Taschenhaken, die Wendematte auf dem Kofferraumboden und zahlreiche Raumteiler. So lässt sich das 400 Liter große Gepäckabteil, das bei umgeklappter Rücksitzlehne auf 1395 Liter wächst, noch besser nutzen. Ebenfalls praktisch ist der Türkantenschutz: eine Kunststoffblende, die ausklappt und sich vors Blech legt, wenn die Türen geöffnet werden.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Skoda Kamiq - mit unserem 360-Grad-Foto:

Der Skoda fühlt sich groß an. Aber spätestens beim Anlassen des Motors kann er die Herkunft aus der Kleinwagenecke nicht verleugnen. Man hört dann nämlich das typische Schnattern eines Dreizylindermotors. Die vermutlich meistverkaufte Motorisierung dürfte der 1,0-Liter-Benziner mit 115 PS und 200 Nm Drehmoment werden. Zwar taugt der kleine Turbomotor nicht für große sportliche Ambitionen, doch vor allem in der Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe ist der TSI eine gute Wahl. Er rollt entspannt, hat genügend Reserven beim Überholen und ist mit einem Normverbrauch von 5,5 Litern auch noch halbwegs sparsam. Was man sich dagegen sparen kann, ist das adaptive Fahrwerk. Mit dem lassen sich unterschiedliche Fahrprofile einstellen, was wiederum ein überflüssigeres Extra in diesem Auto ist, das den Preis unnötig in die Höhe treibt.

Das muss man wissen: Der Kamiq kommt im Herbst in den Handel und kostet mindestens 17.950 Euro. Damit ist der Wagen 25 Euro billiger als ein VW T-Cross und rund 2000 Euro teurer als ein Seat Arona. Allerdings darf man von diesem Grundpreis nicht auf ein Schnäppchen schließen. Mit stärkeren Motoren und ein paar Extras klettert der Preis schnell auf mehr als 25.000 Euro und im Extremfall sogar auf mehr als 30.000 Euro. Auch da beweist der Kamiq also eine neue Größe unter den Kleinwagen.

Angeboten wird der Kamiq zunächst mit fünf Motorvarianten. Es gibt den Dreizylinder aus dem Testwagen auch in einer abgespeckten Version mit 95 PS und als dritten Benziner einen 1,5 Liter großen Vierzylinder mit 150 PS. Der einzige Diesel im Programm leistet 115 PS. Als vorerst einzigen alternativen Antrieb gibt es den Dreizylindermotor auch mit Erdgas-Umrüstung und dann 90 PS Leistung.

Das werden wir nicht vergessen: Den vergeblichen Griff unter die Rückbank auf der Suche nach dem Hebel, mit dem man die Sitzreihe verschieben kann. Klar lassen sich "Simply Clever"-Details, für die Skoda inzwischen bekannt ist (wie zum Beispiel der Müllbehälter in der Tür oder die LED-Taschenlampe im Kofferraum) nicht immer neu erfinden, wie ein Skoda-Sprecher einräumt. Doch die verschiebbare Rückbank hätte Skoda gar nicht erfinden müssen, sondern einfach aus dem VW T-Cross übernehmen können. Da ist sie nämlich Standard.

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Skoda unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.

Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Kamiq
Karosserie: SUV
Motor: Dreizylinder-Turbobenzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 115 PS (85 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 10,0 s
Höchstgeschw.: 193 km/h
Verbrauch (ECE): 5,5 Liter
CO2-Ausstoß: 125 g/km
Kofferraum: 400 Liter
umgebaut: 1.395 Liter
Gewicht: 1.251 kg
Maße: 4241 / 1793 / 1531
Preis: 19.150 EUR
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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
drsamatha 18.09.2019
1. Normverbrauch von 5,5 Litern
Was heisst das denn nun in der Realität. Angeblich wurden die Messverfahren ja angepasst, aber irgendwie habe ich den Eindruck dass es sich immer noch um Phantasiewerte handelt. Aber gut, kommt ja aus dem VW-Konzern, da ist man zwischenzeitlich ja so einiges gewohnt. Bei den Daten, mit Automatikgetriebe, würde ich mal von locker 7-8 Litern in der Realität ausgehen, mit deutlich Luft nach oben.
timtimtam 18.09.2019
2. Werbung
Da schreiben Sie täglich über Umwelt und alles und dann gibt's Werbung frei Haus für diese sinnlosen Kombis
kangootom 18.09.2019
3. Motorleistung
Eine Beschwerde über die Motorleistung für ein SUV das in der Stadt bewegt wird. Seriöser Journalismus geht anders.
vauxhall96 18.09.2019
4. Vereinbarkeit
Wie vereinbart der Spiegel auf der einen Seite das Halten des Steigbügels für den Untergang des SUVs und die lobenswert kritische Berichterstattung über die Machenschaften des VW-Konzerns mit Produkttests, die von Skoda "unterstützt" werden und prominent platzierten VW-Passat-Annoncen auf SPON (die auch noch ein Spiegel+ Co-Branding tragen) auf der anderen Seite?
barlog 18.09.2019
5.
Was außer der höheren Sitzposition unterscheidet dieses Auto jetzt eigentlich von einem Kompaktwagen wie z.B. Golf und macht ihn zu einem "Sport Utility Vehikel"?
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