Skoda Octavia Böhmischer Bruder

Wer demnächst zum Skoda-Händler geht, um sich einen Octavia zu kaufen, sollte sich nicht wundern. Denn ab Juni stehen dort zwei Modelle, der neue und der alte. Und das mindestens noch bis Ende des Jahres.

Von Frank Wald


Skoda Octavia: Bewährte Grundform im modernen Gewand

Skoda Octavia: Bewährte Grundform im modernen Gewand

Grund für diesen Doppel-Strategie: das aktuelle Modell verkauft sich immer noch so gut, dass Skoda eigentlich gar kein neues hätte entwickeln müssen. Rund 165.000 Octavia haben die Tschechen noch im vergangenen Jahr abgesetzt, im Februar 2004 waren es damit seit der Markteinführung 1996 insgesamt eine Million Fahrzeuge. Im achten Modelljahr hat aber auch der böhmische Golf-Bruder langsam eine Auffrischung verdient.

Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Octavia
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.390 ccm
Leistung: 75 PS (55 kW)
Drehmoment: 126 Nm
Von 0 auf 100: 15,5 s
Höchstgeschw.: 170 km/h
Verbrauch (ECE): 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 164 g/km
Kraftstoff: Super Abgasnorm EU 4
Kofferraum: 560 Liter
Preis: 14.490 EUR
Und die ist auf den ersten Blick durchaus gelungen. Auf der technischen Basis des neuen Golf kleidete Skoda-Designer Thomas Ingenlath die bewährte Grundform der kompakten Mittelklasselimousine in ein modernes Gewand mit hohem Wiedererkennungswert. "Skoda typische Designelemente haben wir stärker ausgeprägt und weiterentwickelt", sagt Ingenlath. Am deutlichsten zu sehen am neuen "Gesicht", das von dem chromumrahmten Kühlergrill mit vertikalen Rippen und Markenlogo, flankiert von größeren Klarglasscheinwerfern, dominiert wird.

"Sicherheit, Stabilität, Solidität"

Auch die V-förmig laufenden Sicken auf der Motorhaube wurden noch stärker heraus gehoben. Diese Pfeilung der Front verstärke laut Ingenlath "den Eindruck eines großen Fahrzeugs und symbolisiert Schnelligkeit und Dynamik". Weitere "Tricks im Design" seien das von ihm definierte "Baumthema" der Karosseriesäulen. Soll heißen, die Streben laufen an der unteren Fensterkante in weichen Radien zum Dach hinauf. So werde "Sicherheit, Stabilität und Solidität sichtbar, wie bei einem Baum, der fest im Boden verwurzelt ist. Die Neigung der Säulen nach hinten indes erinnern an sein elastisches Wiegen im Wind." Dank dieser Gestaltung wirke die Fahrgastkabine "wie ein Monolith und die Fenster wie nachträglich herausgemeißelt".

Das Cockpit: Übersichtlich und funktional

Das Cockpit: Übersichtlich und funktional

Doch egal, ob die Kunden das neue Naturdesign schätzen werden, der Erfolg eines Octavia hing und hängt von seinem Package und Preis-Wert-Verhältnis ab. Und in beiden Punkten hat Skoda noch was drauf gelegt. Der neue Octavia ist mit 4,57 Meter rund sieben Zentimeter länger als der Vorgänger und verfügt über 6,6 Zentimeter mehr Radstand, was den Platzverhältnissen und dem Raumgefühl vorne wie hinten spürbar zugute kommt. Auch der Kofferraum, einer der bevorzugten Kaufentscheidungen für den Octavia, wurde auf 560 Liter (Vorgänger: 528 Liter) vergrößert. Beladen wird er nach wie vor durch die große Heckklappe, die inklusive Rückscheibe elektromechanisch weit nach oben schwenkt. Durch Umklappen der Rücksitzlehne wächst der Laderaum gar auf 1350 Liter (vorher: 1328 Liter).

Darüber hinaus gibt es Staufächer satt und in allen Größen: In der Mittelkonsole, in der Armaturentafel, zwischen dem Fahrer- und dem Beifahrersitz, in der Verkleidung der vorderen und hinteren Sitze, an der Rückseite der Sitze und im Kofferraum. In der Topausstattung Elegance gibt es eine Jumbo-Box zwischen Fahrer und Beifahrer, die in Verbindung mit einer Klimaanlage zum Kühlfach wird. Auch optisch macht das Interieur einen guten Eindruck. Das nüchterne Cockpit ist übersichtlich und funktional gegliedert und gibt keine Rätsel auf. Im Gegenteil, Tasten und Schalter sowie deren Bedienung wirken aus diversen VW-Modellen sehr vertraut. Das gilt ebenso für viele Ausstattungsdetails sowie für Fahrwerks- und Antriebstechnik.

Für "Preis- und Stylingbewusste"

Mit Mehrlenker-Hinterachse: Gewähr für handliches Einparken

Mit Mehrlenker-Hinterachse: Gewähr für handliches Einparken

Wie der neue Golf ist auch der Octavia mit Mehrlenker-Hinterachse und elektromechanischer Servolenkung ausgerüstet, was sich in der guten Spurstabilität und Gereadeauslauf sowie präzisen Lenkmanövern und guter Handlichkeit beim Einparken zeigt. Bei Motoren und Getriebe bedienten sich die Tschechen ebenso wieder im Wolfsburger Konzernregal. Am Start steht der neue Octavia mit sechs Triebwerken. Die Benziner beginnen wie zuvor mit einem etwas schwachbrüstigen 1,4-Liter mit 75 PS, steigern sich zu einem 1,6-Liter mit 102 PS bis zum Direkteinspritzer (FSI) gleichen Hubraums und 115 PS, mit dem man adäquat motorisiert und ausreichend flott unterwegs ist.

Topmodell ist ein weiterer FSI, der aus zwei Litern Hubraum 150 PS entwickelt. Die TDI-Turbodiesel werden mit 1,9-Liter Hubraum und 105 PS sowie als Zweiliter mit 140 PS angeboten. Wie bei den Konzern-Brüdern sind die Zweiliter-Motoren mit serienmäßigem Sechsganggetriebe ausgerüstet, die übrigen mit manueller Fünfgang-Schaltung. Auf Wunsch gibt es eine Sechsgangautomatik mit Tiptronic-Funktion sowie für die beiden Turbodiesel das Direktschaltgetriebe DSG mit Doppelkupplung.

Was das alles kosten wird, wollen die Tschechen allerdings noch nicht verraten. Auch die Preise für die einzelnen Motorvarianten in Kombination mit den entsprechenden Ausstattungen Classic, Ambiente und Elegance werden noch kalkuliert. Fest steht bislang nur der Einstiegspreis von 14.490 Euro für das Einstiegmodell mit dem kleinsten Motor. Das sind 800 Euro mehr als beim bisherigen Basismodell. Welches, wie bereits erwähnt, gleich daneben weiter angeboten wird. Man darf gespannt sein, was die "preis- und stylingbewussten Lebensmanager", die Skodas Marketing als Käufer im Auge hat, wählen werden.



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