Autogramm: Skoda Octavia G-Auto statt E-Auto

Günstig, simpel, halbwegs sauber: Für Erdgas im Pkw spricht viel, doch der Durchbruch für Gasmotoren blieb bisher aus. Skodas neuer Versuch beim Octavia G-Tec weckt nun aber Hoffnung für die Technik.
Erdgas als Alternative: Skodas Octavia G-Tec wird mit Erdgas und Benzin betrieben

Erdgas als Alternative: Skodas Octavia G-Tec wird mit Erdgas und Benzin betrieben

Foto: äKODA AUTO / Skoda

Der erste Eindruck: Klar, kantig, schnörkellos - der Octavia sieht als Erdgasauto aus wie sonst auch. Nur wegen der kleinen "G-Tec"-Plakette lässt er sich als Fahrzeug mit besonderer Energieversorgung erkennen. Kein großes Aufheben von sich machen, das passt zum Erdgasmotor. Der ist so etwas wie der Bausparvertrag unter den alternativen Antrieben: oft sinnvoll, aber absolut unspektakulär.

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Skoda Octavia - Vielfalt unter der Haube

Foto: Skoda

Das sagt der Hersteller: Skoda will den CO2-Ausstoß in seinen meistverkauften Modellen senken - das verbessere die Klima-Flottenbilanz der tschechischen Marke am wirkungsvollsten. Daher führt an alternativen Antrieben für den Octavia kein Weg vorbei, sagt Peter Toman, der in Mlada Boleslav das Produktmarketing für den Octavia leitet. Auf ihn entfallen etwa ein Drittel des Skoda-Absatzes. Zwar kündigt Skoda auch zwei Plug-in-Hybride für den Bestseller an. Doch VW und die Töchter wollen sich nicht allein auf die Akkutechnik verlassen. Sie vertrauen auch auf Erdgas (im Fachjargon genannt CNG für Compressed Natural Gas). Der CNG-Antrieb ist etabliert: In Deutschland gibt es knapp 100.000 Erdgasfahrzeuge. Pro Jahr lassen die Behörden etwa 10.000 Fahrzeuge zu, Tendenz zuletzt etwas steigend. An 900 Tankstellen gibt es Erdgas, bis 2025 sollen es 2500 Stationen werden.

Skoda gibt also Erdgas - und hat ein paar Argumente auf seiner Seite. Immerhin ist der Tank viel schneller voll als ein Akku. Gastanker profitieren zudem von der bis 2026 garantierten Befreiung von der Energiesteuer. Dadurch sparen sie an der Zapfsäule rund 50 Prozent gegenüber Benzin - und auch im Vergleich zum Diesel fallen deutlich weniger Verbrauchskosten an. Das macht den Wagen für Vielfahrer interessant. Der Aufpreis im Vergleich zum Benziner fällt mit rund 2700 Euro deutlich geringer aus als für den Plug-in-Hybrid (der indes mehr leistet und von der staatlichen Kaufprämie profitiert). Der Umwelt sei mit Gas auch geholfen, heißt es bei Skoda. Schon mit fossilem Erdgas geht der CO2-Ausstoß um 25 Prozent zurück. Wer Biogas tankt, fährt womöglich CO2-neutral - je nachdem, wie es hergestellt wird.

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Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Skoda Octavia G-Tec mit unserem 360-Grad-Foto

Läuft also mit Erdgas? Nicht ganz. All die Vorteile des Antriebs verfangen beim fahrenden Volk seit Jahren nicht richtig, den Durchbruch haben Gasmodelle seit Jahrzehnten nicht geschafft. BMW, Mercedes oder Opel haben derartige Fahrzeuge längst gestrichen. Mit seinem guten Dutzend CNG-Modelle kann der VW-Konzern das Image offenbar allein nicht drehen. Schon gar nicht, da die Niedersachsen gerade viel lauter für Elektro trommeln als für Erdgas.

Tatsächlich ist die Zukunft der Technologie auch im VW-Konzern ungewiss: Insider berichten, VW-Chef Herbert Diess plane mittel- oder langfristig nicht mehr mit Erdgas. Und sollten irgendwann keine neuen Benziner mehr entwickelt werden, trifft das den CNG-Motor ebenfalls, weil der bis auf die Einlassventile nahezu identisch ist. Andere VW-Mitarbeiter sehen die Sache pragmatischer: "Selbst, wenn es uns gelingen sollte, mittelfristig 50 Prozent Elektrofahrzeuge zu verkaufen, sind immer noch verdammt viele Verbrenner übrig, denen die CNG-Technik zu weniger CO2 verhelfen kann", sagt ein Konzernmanager, der ungenannt bleiben will.

Das ist uns aufgefallen: Ein Aus für den Erdgasantrieb wäre ein Verlust. Dies schon deshalb, weil der G-Tec genannte Antrieb viel weniger aufwendig ist als ein Plug-in-Hybrid: Der schleppt Verbrennungs- und Elektromotor mit sich herum sowie die teure Batterie. Der CNG-Skoda fährt außer mit Erdgas (kürzere Strecken) auch mit Benzin - benötigt für die beiden Kraftstoffe aber nur einen Motor. Geht das Gas zur Neige, schaltet er automatisch auf die Benzinreserve um. Bivalenter Antrieb heißt das. Anders als im Plug-in-Hybrid ist der umweltfreundlichere Kraftstoff immer erste Wahl: Das Gas reicht für weitere Strecken und ist billiger - was sich vom Strom nicht (immer) behaupten lässt.

Unabhängig vom Kraftstoff klingt und fährt der Octavia G-Tec immer gleich. Es ruckelt und zuckelt nicht mehr, wenn der Motor die Betriebsart wechselt, wie es noch vor ein, zwei Erdgasfahrzeug-Generationen der Fall war. Die Fahrleistungen sind dabei mehr als alltagstauglich: Mit seinen 130 PS und 200 Nm beschleunigt der Octavia G-Tec in 9,6 Sekunden auf Tempo 100 und schafft bei Vollgas bis zu 212 km/h. Das weckt etwas Hoffnung für die Technik. Dass die drei Tanks im Wagenboden ein wenig Kofferraum kosten, lässt sich verschmerzen. Auch ohne das Staufach im Souterrain schluckt der Kombi noch ziemlich konkurrenzlose 495 Liter. Auch den Plug-in-Hybrid gibt's nicht ohne Raumverlust, weil der Akku schließlich auch irgendwo verbaut wird. 

Das muss man wissen: Der Octavia G-Tec ist seit diesem Herbst im Handel und wird als Limousine für mindestens 30.276 und für etwa 700 Euro mehr als Kombi angeboten. Die gleiche Technik baut der VW-Konzern auch bei den Plattformbrüdern VW Golf, Audi A3 und Seat Leon ein und sichert sich damit die Marktführerschaft an der Gastankstelle. Allerdings ist das keine Kunst, weil sonst in Europa nur noch Fiat ab Werk CNG-Modelle anbietet.

Wer nicht nur mit zwei Kraftstoffen, sondern auch zwei Motoren fahren will, bekommt künftig zwei verschiedene Plug-in-Hybrid-Modelle bei den Tschechen: Beide kombinieren einen 1,4 Liter großen Benziner (150 PS), einen E-Motor (115 PS) und einen Akku mit einer Kapazität von 13 kWh. Die Systemleistung liegt beim Octavia 1.4 iV (ab 37.617 Euro) bei 204 PS und im Octavia RS (ab 42.267 Euro) bei 245 PS. Im E-Betrieb kommen beide auf bis zu 140 km/h und bis zu 60 Kilometer weit. Mit zusätzlicher Benzinkraft liegt das Spitzentempo bei 220 und 225 km/h. Für den Verbrauch weist das Datenblatt 1,2 bis 1,5 Liter auf 100 Kilometer aus - Werte, die Plug-in-Hybride leicht auf dem Prüfstand, aber selten in der Realität erreichen.

Das werden wir nicht vergessen: Die beiden Reichweitenanzeigen der Erdgasvariante - eine für Gas, eine für Benzin. Das wirkt wie im Plug-in-Hybrid, nur dass Benzin nicht für die Langstrecke steht. Der flüssige Sprit reicht bei vollem Tank für nicht einmal 200 Kilometer. Das sauberere Erdgas langt für mehr als 500 Kilometer.

Hersteller:

Skoda

Typ:

Octavia G-Tec

Karosserie:

Kombi

Motor:

Vierzlinder-Turbo

Hubraum:

1498 ccm

Leistung:

96 kW / 130 PS

Drehmoment:

200 Nm

Getriebe:

Siebengang-Doppelkupplungsautomatik

Antrieb:

Frontantrieb

Höchstgeschwindigkeit:

212 km/h

Von 0 auf 100 km/h.

9,6 Sek.

Kraftstoff:

Erdgas

Verbrauch:

3,6 kg/km

CO2-Ausstoß:

100 g/km

Länge, Breite, Höhe:

4689 / 1829 / 1468

Gewicht:

1431 kg

Kofferraum:

495 Liter (umgebaut: 1560 Liter)

Preis:

30.959 Euro

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Skoda unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.