Skoda Rapid Spaceback Gib Vollglas

Der Skoda Rapid Spaceback ist eine preiswerte Alternative zum VW Golf und anderen Kompaktautos. Eigentlich ist der Wagen ziemlich schlicht - mit einem Extra für 640 Euro erscheint er aber in einem ganz anderen Licht.

Jürgen Pander

Wer rührt bloß so einen Lack zusammen? Schon der Name "Metall-Grau-Metallic" klingt abstoßend, und leider bestätigt das dann auch die Optik des Testwagens, der in diesem Nicht-Farbton lackiert ist, für den Skoda auch noch 470 Euro Aufpreis verlangt. Ohne Zusatzkosten gibt es den Rapid Spaceback nur in Weiß oder Blau, was garantiert schicker aussieht. Das Geld wäre ohnehin viel besser in einem anderen Extra angelegt: dem Panoramaglasdach für 640 Euro. Zum Glück war unser Testwagen damit ausgestattet.

Schiebt man die beiden Jalousien unter der knapp zwei Quadratmeter großen, und fünf Millimeter dicken Dachscheibe zur Seite, wird es hell im Auto - und die Karosserie scheint sich in alle Richtungen zu dehnen. Es ist, als entfalte sich der Kompaktwagen so weit, dass er platzmäßig glatt in der nächst größeren Klasse ankommt. Wenn man zum Beispiel aus einem VW Golf in den Skoda Rapid Spaceback mit Panoramadach umsteigt, wirkt das wie der Wechsel aus einem Erdgeschoss-Wohnzimmer in einen Wintergarten: Plötzlich dominieren Licht, Luft, Leichtigkeit.

Dabei ist das Panoramadach selbst ein ganz schöner Brocken. 24 Kilogramm wiegt das Bauteil. Zwei Rollos im Dachhimmel verdunkeln die Luke ganz oder teilweise - falls die Sonne vom Himmel brennt oder es die Fondpassagiere satt haben, vorbeiziehende Baumwipfel, Wolken oder Kondensstreifen zu beobachten.

Potpourri an praktischen Details

Neben der Überkopf-Verglasung gibt es im Skoda Rapid Spaceback noch ein paar weitere Details, die dieses ansonsten durch und durch nüchterne Auto aufpeppen. Zum Beispiel den simplen Einsatz für den Getränkehalter, der als perfekter Smartphone-Parkplatz dient, oder den kleinen, im Türablagefach einklemmbaren Müllbehälter, oder den doppelten Kofferraumboden und natürlich auch den bei Skoda mittlerweile notorischen Eiskratzer an der Innenseite des Tankdeckels. Das sind alles keine großen Sachen, aber in der Summe ergeben sie ein praktische Potpourri, durch das sich der Skoda Rapid Spaceback positiv von anderen Kompaktautos abhebt.

Das ist auch nötig, denn der Rest des Wagens ist durchweg stimmig und solide, aber eben auch stinknormal. Der Antriebsstrang, im Testwagen bestehend aus einem 1,6-Liter-TDI-Motor mit 105 PS und einem Fünfgang-Schaltgetriebe, stammt selbstverständlich aus dem Teileregal des VW-Konzerns. Allerdings dringt in diesem Fall der Motor mit robustem Genagel ins Gehör, vermutlich, weil die Dämmung nicht ganz so sorgfältig ist wie bei VW oder Audi.

Manchmal geht es nur um ein paar Zentimeter

Beim Thema Verbrauch reißt der Vierzylinder-Turbodiesel auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin. Für die Variante "Green Tec" (Aufpreis 400 Euro), so heißen bei Skoda die Modelle Spritspartechniken wie Start-Stopp-Automatik und Bremsenergierückgewinnung, werden 4,0 Liter je 100 Kilometer als Normverbrauch angegeben. Der Testwagen wiederum schluckte auf 366 Kilometern Fahrt über Autobahnen, Landstraßen und durch die Stadt 23,1 Liter - was einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 Liter ergibt. Groß wundern muss man sich über diese Abweichung nicht, ein Wagen dieser Größe mit einem nicht mehr ganz taufrischen Antrieb ist eben kein Sparwunder.

Pluspunkte sammelt der Rapid Spaceback mit einem hervorragenden Verhältnis von äußerer und innerer Größe. Der Kofferraum zum Beispiel fasst zwischen 415 bis 1380 Liter. Zum Vergleich: Der um fünf Zentimeter kürzere VW Golf bietet zwischen 380 und 1270 Liter. Gefällig ist auch das geradlinige Innenraumdesign mit einer klar strukturierten Armaturentafel. Auch hier wird der Fahrer von einer Kleinigkeit überrascht: Der Lichtschalter links des Lenkrads sitzt nämlich deutlich höher als bei den meisten anderen Autos, was die Bedienung erheblich erleichtert.

Skoda hat beim Rapid Spaceback vieles richtig gemacht und oft auch an den richtigen Stellen gespart. Wer braucht schon silikongedämpfte Haltegriffe? Wir hätten sogar noch einen Sparvorschlag: Die Farbe "Metall-Grau-Metallic" darf gern gestrichen werden - es gibt ja immer noch dreizehn andere.

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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
DKraus 28.06.2014
1. optional
Durch und durch ein Artikel weit unter der gewohnten Spiegel Qualität, vielleicht sollte man sich mehr auf die Kernqualitäten konzentrieren.
b.toennies 28.06.2014
2. So verschieden sind die Geschmäcker...
ich bin zwar kein Freund (mehr) der VW Konzernprodukte (OK ein (Porsche 911 Turbos 4S Targa geht...:-)) aber gerade diese gezeigte Farbe würde mir bei dem Auto gefallen. Wäre noch interessant zu wissen ob sich das Panoramadach auch irgendwie öffnen lässt und wenn ja wie...?
snoook 28.06.2014
3. Sind eigentlich die Autoren solcher Artikel dieselben,...
... die sich dann darüber wundern, dass die Leute keine schuhschachtelgroßen E-Autos mit 100 km Reichweite kaufen? Oder vielleicht dieselben, die nix dabei finden, wenn ein Golf doppelt so viel kostet, nur weil er KEIN Plastikarmarturenbrett hat? Selbstverständlich ist der VW Motor übrigens nicht, Skoda hat auch schon eigene Motoren eingebaut. Ich finde die bauen sehr gute und preiswerte Autos. Hoffentlich ist nicht zu viel Schnickschnack dran!
fishbird 28.06.2014
4.
Ein offenbar stimmiges Konzept
TomRohwer 28.06.2014
5.
Zitat von snoook... die sich dann darüber wundern, dass die Leute keine schuhschachtelgroßen E-Autos mit 100 km Reichweite kaufen? Oder vielleicht dieselben, die nix dabei finden, wenn ein Golf doppelt so viel kostet, nur weil er KEIN Plastikarmarturenbrett hat? Selbstverständlich ist der VW Motor übrigens nicht, Skoda hat auch schon eigene Motoren eingebaut. Ich finde die bauen sehr gute und preiswerte Autos. Hoffentlich ist nicht zu viel Schnickschnack dran!
Das Armaturenbrett des VW Golf ist genauso aus Plastik wie das aller anderen Fahrzeuge aus dem VW-Konzern auch... (Lediglich bei einigen hochwertigeren Modellen gibt zusätzlich am überwiegend aus Kunststoff gefertigten Armaturenbrett noch einige kleine "Applikationen" aus Metall oder Holz. 95 Prozent sind und bleiben aber bei allen Fahrzeugen: Plastik. Sogar bei Mercedes, Audi, BMW. Sogar bei Rolls-Royce.)
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