Autogramm Skoda Scala Angriff auf den Golf

Mit dem Kompaktwagen Scala will Skoda das Billigimage ablegen und als Technologieführer glänzen. Doch die Tschechen setzen weitgehend auf alte Technik. Eine Lösung allerdings ist wirklich pfiffig.

Skoda

Der erste Eindruck: Bling-Bling statt billig - beim neuen Scala schillern Chrom und LED-Leuchten, und die Rücklichter in Kristallglasoptik erinnern an die Whiskyschwenker, die Bentley als Vorbild für die Scheinwerfer des Continental GT dienten.

Das sagt der Hersteller: Skoda-Chef Bernhard Maier will vom Image der Marke als Preisbrecher nichts mehr wissen. Wenn er vom Scala spricht, fällt immer wieder der Begriff "smartes Understatement". Das Auto soll schon gut aussehen, vor allem aber für die Kompaktklasse Standards in Sachen Technologie, Sicherheit und Design setzen.

Das ist uns aufgefallen: Von wegen Kleinwagen. Der Scala teilt sich zwar die Plattform mit Konzernmodellen wie VW Polo oder Audi A1, hat aber mit der Kleinwagenklasse nicht mehr viel zu tun. Er überragt den VW Golf um mehr als zehn Zentimeter, bietet auch innen spürbar mehr Platz auf allen Plätzen - und hat mit 467 bis 1410 Liter Volumen den größeren Kofferraum.

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Autogramm Skoda Scala: Mehr Sein, mehr Schein

Auch das Ambiente und die Ausstattung passen zu höheren Fahrzeug- oder Preisklassen. Kunststoffkonsolen sind weich unterschäumt und mit Softtouch-Lacken überzogen. Zum Heer der Assistenzsysteme gehören Abstandsregelung und Spurführung, Verkehrszeichenerkennung und Notbremshilfe. Es gibt vorn, hinten und im Innenraum serienmäßig LED-Licht. Die Instrumente arbeiten digital, der Touchscreen steht frei und ist immer online. Bedienen lässt sich der Computer teils mit Gesten und einer verbesserten Sprachsteuerung.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Skoda Scala - mit unserem 360-Grad-Foto:

Der größte Unterschied zu Golf und Co.: Mag der Scala in vielen Disziplinen herausragen - beim Fahren ist er nur Durchschnitt. Während die Marke VW und andere bei der Fahrwerksabstimmung und unter der Haube um die Wette rüsten, macht Skoda da nicht mit. Reicht ja auch so: Die Motoren entwickeln 150 PS Leistung und mehr, und der schnellste Scala erreicht in der Spitze 219 km/h. Das Fahrwerk ist gutmütig ausgelegt, dass man damit nicht unbedingt durch die Kurven hetzen möchte - obwohl der neue Skoda über vier Fahrprofile verfügt, von denen eines recht sportlich ist. Fahren, um anzukommen, und nicht um des Fahrens willen, lautet die Devise. Zumindest bis womöglich ein potentes RS-Modell nachgereicht wird.

Das muss man wissen: Der Scala kommt im Mai in den Handel und startet zunächst bei 21.450 Euro für einen Ein-Liter-Benziner mit 115 PS. Später gibt es den Dreizylindermotor auch in einer 95 PS-Version mit abgespeckter Ausstattung für 17.350 Euro. Dritter Benziner ist der im Testwagen verbaute Vierzylinder mit 1,5 Liter Hubraum und 150 PS Leistung.

Daneben hat Skoda einen Diesel mit 1,6 Liter Hubraum und 115 PS im Programm. Weil für 48-Volt- oder echte Hybridtechnik die Kassen zu knapp sind, will Skoda die Umwelt anders schonen - und bietet den Scala später mit Erdgasumrüstung an.

Man sollte sich von den moderaten Preisen nicht täuschen lassen: Wer viele der schönen Extras bestellt, muss schnell mehr als 30.000 Euro zahlen.

Das werden wir nicht vergessen: die Taschenhaken an der Rücklehne. Sie lassen sich nach dem Umklappen der Lehnen abnehmen, damit die Ladefläche wirklich eben ist. Clever auch, dass man mit dem Eiskratzer das Reifenprofil messen kann. Die pfiffigste Neuheit steckt am Behälter für das Wischwasser unter der Haube. Da wurde im Nachfüllstutzen zum ersten Mal ein ausklappbarer Trichter integriert. Das ist dann doch genial.

Fahrzeugschein
Hersteller: Skoda
Typ: Scala
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.498 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 8,2 s
Höchstgeschw.: 219 km/h
Verbrauch (ECE): 4,9 Liter
CO2-Ausstoß: 112 g/km
Kofferraum: 467 Liter
umgebaut: 1.410 Liter
Gewicht: 1.265 kg
Maße: 4362 / 1793 / 1471
Preis: 25.200 EUR


insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
t0schef 08.04.2019
1.
Nun ja, die kleinen Stecktaschen an den Seiten der Vordersitze gab es schon beim Fabia 1. Also nichts unbedingt "innovativ"-Neues...
dragon75 08.04.2019
2. Dkg?
Warum gibt es immer weniger Autos bzw. Motor- und Ausstattungsvarianten noch mit Handschaltung? Das kommt einem doch nur wie ein Trick vor, den durchschnittlichen Preis noch oben zu treiben. Und ein paar teure Reparaturen in der Zukunft vorzuprogrammieren. Mir ist freie Wahl der Schaltung wichtiger als kein Tempolimit zu haben.
TheFunk 08.04.2019
3. Ein gutes Auto, der Rapid war auch schon gut
und etwas günstiger. Digitalen Anzeigen traue ich nicht und wünsche mir deshalb analoge Instrumente in Tuben. Für den 150PS-Motor wünsche ich mir statt dem anfälligen DSG eine knackige Gangschaltung. Ob es wohl Lenkradheizung und Frontscheibenheizung gibt? Und ein tolles Soundsystem? Auf jeden Fall gibt es verstellbare Dämpfer. Skoda macht fast alles richtig, ähnlich wie bei Octavia und Superb wird das Auto jeweils eine Klasse höher positioniert und schnappt dem VW-Pendant Käufer weg. Wenn jetzt noch anständige Garantien ausgesprochen werden, wie bei Kia oder Hyundai...
rosinenzuechterin 08.04.2019
4. Allerweltsauto
Vorn ein Seat, hinten ein Fiat, dazwischen ein VW ... Wer das mag, wird das Auto lieben.
observerlbg 08.04.2019
5. Schade
Nach vielen Octavias fahr ich aktuell einen Golf, da meine Liebste den Octavia nicht unfallfrei durch die Tiefgarage fahren wollte. Hab dann mal einen Rapid getestet: eindeutig Polotechnik aufgeblasen. Nun hoffte ich, dass der Scala die Erleuchtung bringt. Aber zu groß für einen Kompakten, dabei die Nachteile der geringeren Robustheit der Polo-Plattform und ein Preis, der den des Golfs entspricht. Und der ist schon relativ ambitioniert. Muss ich nach langer Zeit mal wieder Japaner oder Koreaner kontaktieren? Renault scheidet auch aus, wenn man nicht gerade einen alten Diesel fährt ;-)
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