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31. Januar 2007, 13:42 Uhr

Smart Fortwo

Ist der Neue noch smart?

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In den Metropolen ist der Smart längst zum Kult avanciert. Doch ein cooles Design und das Glücksgefühl beim Einparken reichen auf Dauer nicht aus. Die zweite Generation ist deshalb nicht nur größer geworden, sondern auch gereifter. Und besser fahren lässt sie sich auch.

"Es hat zwar etwas länger gedauert", gesteht Smart-Geschäftsführer Ulrich Walker, "doch jetzt ist es endlich soweit." Nach acht Jahren und rund 770.000 Zulassungen geht im April die zweite Generation des Smart an den Start. "Reduce to the Max" lautete einmal der Werbeslogan der Mercedes-Mini-Marke, und genau das ist inzwischen passiert: Es gibt nur noch eine Modellreihe, nämlich den Fortwo. Und dieses Auto muss nun schnellstmöglich einen Gewinn in die Konzernbilanz spülen und darüber hinaus endlich den Beweis antreten, dass man auch mit einem kleinen Auto großen Spaß haben kann.

Deshalb haben die Schwaben den Smart gründlich umgekrempelt, ihn um 20 Zentimeter gestreckt und vor allem an vier Stellschrauben gedreht. "Der Smart ist komfortabler geworden, agiler, sicherer und umweltfreundlicher", fasst Walker die Arbeit von knapp drei Jahren zusammen. "90 Prozent der Teile sind deshalb neu." Dass man das dem nun 2,70 statt 2,50 Meter langen Zweisitzer kaum ansieht, hat Methode. "Der Charakter ist zu hundert Prozent der Alte", verspricht der Chef.

Um das zu demonstrieren, hatte Smart die erste Testfahrt in Madrid anberaumt. Wer sich dabei allerdings schon im Dschungel der Großstadt umherkurven sah, wurde von der Streckenauswahl eines Besseren belehrt. Um die neuen Qualitäten deutlich zu machen, führte die Route erst einmal auf die Autobahn. "Das hätte es früher sicher nicht gegeben", sagt Smart-Sprecher Heinz Gottwick, und schickt gleich noch eine bei Smart bislang unnötige Warnung hinterher. "Achten sie auf das Tempolimit!" Früher hatte dies als Scherz gegolten, jetzt ist der Rat angebracht: Denn zumindest die Benziner beschleunigen das Auto nun auf 145 km/h.

Besseres Fahrwerk, stärkere Motoren

Doch es ist nicht so sehr der neue Rausch der Geschwindigkeit, der im Smart überrascht. Zumal das jeder andere Kleinwagen noch immer besser kann. Eindruck macht vor allem das neue Fahrwerk, das von fünf Zentimetern mehr Radstand, drei Zentimetern mehr Spurweite und breiteren Reifen auf der Vorderachse profitiert und den Smart nun eben nicht mehr wie ein nervöses Häschen über Bodenwellen und Querfugen hoppeln lässt.

Natürlich gleitet man schon in einem VW Polo sehr viel besser über den Asphalt, doch muss man sich nun vor einer Landpartie im Smart zumindest nicht mehr fürchten. Ebenfalls reichlich Optimierungsbedarf haben die Entwickler beim automatisierten Schaltgetriebe ausgemacht. Jetzt arbeitet die Elektronik schneller und kann beim Zurückschalten auch Gänge überspringen. Weil es zudem nur noch fünf statt sechs Fahrstufen gibt, muss man nun nicht mehr ganz so oft und heftig nicken, wenn das System einen Gangwechsel vorsieht. Aber perfekt ist auch das neue Getriebe noch nicht.

Damit der Smart auch außerhalb der Stadt eine Chance hat, durften die Entwickler an der Leistungsschraube drehen. Ohne dass der Verbrauch gestiegen wäre, wurde der Hubraum der Benziner von 0,7 auf 1,0 Liter vergrößert, und damit wuchs die Leistung um zehn Prozent. Jetzt mobilisiert das Basismodell bereits 61 und sein starker Bruder 71 PS, wobei beide mit durchschnittlich 4,7 Litern zufrieden sind. Außerdem steht an der Spitze der Palette nun eine quirlige, aber auch etwas laute Turbo-Variante, die mit 84 PS bereits mehr leistet als früher der Smart Brabus. In 10,9 Sekunden sprintet der Wagen auf Tempo 100 kommt und verbraucht dennoch lediglich 4,9 Liter.

Noch im Frühsommer kommt ein Dieselmodell

Wer es günstiger möchte, für den wird ein paar Wochen nach dem Verkaufsstart wieder einen Diesel angeboten. Der Selbstzünder bleibt bei 0,8 Liter Hubraum, leistet nun 45 PS und geht mit 110 Nm zu Werke. Zwar braucht man bei einem Sprintwert von 19,8 Sekunden Geduld, und mit maximal 135 km/h rollt man den Benzinern hinterher. Doch ist der Smart CDI mit einem Normverbrauch von 3,4 Litern auf Rekordkurs. "Ein verbrauchs- und klimafreundlicheres Auto kann man nicht kaufen", sagt Walker.

Doch der neue Smart ist nicht nur stärker und komfortabler, sondern auch praktischer geworden. Vom Längenwachstum profitiert - neben dem Fahrverhalten und der Crashsicherheit - vor allem der Innenraum. Hinter den Sitzen gibt es jetzt so viel Platz, dass man von einem Kofferraum sprechen kann. Unter die geteilte Klappe passen bis zur Gürtellinie 220 und bis unters Dach 340 Liter. Ebenfalls überarbeitet wurde das Dach des gegenüber dem Coupé knapp 3000 Euro teureren Cabrios: Das Verdeck funktioniert nun automatisch, und das auch bei Vollgas.

Während zwischen Smart alt und neu auf der Landstraße Welten liegen, hat sich an den Stärken in der Stadt kaum etwas geändert. Auch im neuen Format gewinnt man jedes Duell um eine freie Parklücke, der Wendekreis von weniger als neun Metern bleibt ungeschlagen. Und obwohl der kleine Prinz jetzt nicht mehr ganz so niedlich aussieht, werden die Politessen beim Querparken hoffentlich auch weiterhin ein Auge zudrücken. Am Erfolg des Winzlings hat Smart-Chef Walker denn auch keine Zweifel: "Der Neue ist ganz der Alte geblieben und kann alles was das bisherige Modell auch konnte. Nur besser."

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