Smart Ultimate 112 Der Kugelblitz

Ein richtiger Sportwagen ist er nicht, doch in der Stadt ist der Smart Ultimate 112 des Bottroper Tuners Brabus ganz vorne dabei. Selbst auf der Autobahn dürfte der rasende Altglascontainer so manchem einen Schrecken einjagen. Aber ist das den vierfachen Preis wert?


Bei kaum einem Auto, schwärmen die Vertriebsleute von Mercedes, investieren die Kunden so viel in Show und Schein wie beim Smart. Der ohnehin nicht billige Winzling wird nur selten von Knausern gefahren. Die in der Regel solventen Kunden bestellen den Kleinstwagen, weil er hip ist und sie darin cool aussehen wollen. "Und wenn dabei Aluräder, Zierstreifen, Leder, ein neuer Chip mit ein paar Zusatz-PS oder andere Extras helfen können, soll es an den paar Euro nicht scheitern", hat der Mainzer Smart-Veredler Bernd Michalak in den letzten Jahren gelernt. Nun rollt auf die Smart-Gemeinde eine neue Versuchung zu. Denn Mercedes-Partner Bodo Buschmann, der für die Schwaben ganz offiziell den 98 PS starken Smart Brabus entwickelt hat, legt noch einmal nach und bringt den Ultimate 112 an den Start. Mit weit ausgestellten Kotflügeln und in leuchtendem Orange lackiert ist er sicher nicht nur einer der auffälligsten Smarts aller Zeiten, sondern mit 170 km/h Höchstgeschwindigkeit auch einer der schnellsten. Und noch einen Superlativ hat Brabus auf der Liste: 45.900 Euro machen das potente Cabrio zum wohl teuersten Kleinstwagen. Wer seine finaziellen Mittel rational einsetzt, kauft sich für dieses Geld lieber eine neue Mercedes E-Klasse.

Scheu und schüchtern darf man mit diesem Auto nicht sein, denn sich mal eben in der grauen Masse zu verstecken, wird mit dem schreiend bunten Kugelblitz kaum gelingen. Zu auffällig sind die Spoiler und Schweller, die den Winzling schon optisch zum Kraftzwerg machen, zu markant die eckigen Kotflügelverbreiterungen, denen Brabus den schönen Beinamen Widestar gibt. Und dann sind da ja noch die Leuchtdioden unter den Trittleisten, mit denen sich der kleine Showstar beim Parken ins rechte Licht setzt. Dazu gibt es ein aufwändig veredeltes Interieur aus schwarzem Leder mit orangen Nähten, zwei Dutzend eingefärbten Zierteilen, Edelstahlpedalen sowie einem Schaltknauf und einem Handbremshebel aus Aluminium.

Das kann man mögen oder als pubertär empfinden. Natürlich sind 112 PS gerade für einen Brabus etwa so eindrucksvoll wie für den FC Bayern ein Unentschieden gegen einen Regionalliga-Verein. Aber im Smart ist diese Motorisierung durchaus ein Erlebnis: Weil dem getunten Dreizylinder im Heck mit den maximal 112 Nm nun 3,9 Sekunden genügen, um aus dem Stand das städtische Tempolimit bußgeldträchtig zu übertreten und auf 60 km/h zu beschleunigen, lockt der Wagen zum Herumflitzen.

Nicht schüchtern und vorsichtig, sondern offensiv und selbstbewusst schießt der Ultimate durch die Innenstadt. Auf der Landstraße ist man in 9,5 Sekunden auf Tempo 100 und verliert die Scheu vorm Überholen. Und auf der Autobahn schaut manch einer verdutzt Gesicht, wenn der Ultimate 112 sich mit maximal 170 km/h in seine Windschatten heftet. Dabei macht der Sportauspuff dem lästigen Tuckern des Dreizylinders ein Ende, und mit einem CO2-Ausstoß von unter 130 Gramm taugt der Smart dem Tuner mit den Brachial-Boliden sogar als grünes Feigenblatt.

Fette Räder und Reifen fürs limitierte Modell

Zum stärkeren Motor und der neu designten Karosserie gibt es auch ein neues Fahrwerk, das nicht nur tiefer liegt, sondern auch deutlich breiter ist und dem Smart gut zu Gesicht steht. Denn auf den vorne 205 und hinten sogar 235 Millimeter breiten Reifen, die auf stattliche 18-Zoll-Felgen aufgezogen wurden, hat er nun einen souveränen Stand und hoppelt nicht mehr über jeden Gully-Deckel.

Die Zahl 112 im Typenkürzel steht nicht nur für die große Leistung des kleinen Autos, sie steht auch für die Stückzahl, die Brabus maximal bauen möchte. "Eine Limited Edition verkauft sich einfach besser", sagt Firmensprecher Sven Gramm. Beeilen müssen sich die Kunden bei der Bestellung aber vermutlich nicht. Denn beim Vorgänger Ultimate 101 aus der ersten Smart-Generation wurde das Kontingent bei weitem nicht ausgeschöpft.



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