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Autogramm Ssangyong Korando Gefährliche Ruhe

Die koreanische Marke Ssangyong fiel bislang mit bizarr gestalteten Autos auf. Die neue Generation des SUV-Modells Korando ist schick - und so hochgerüstet mit Assistenzsystemen, dass man es kaum aushält.

Der erste Eindruck: Sieht gut aus! Und das ist, wenn man sich die bisherigen Modelle der koreanischen Marke anschaut, gar nicht selbstverständlich.

Das sagt der Hersteller: Er ist vor allem bescheiden. "Wir wollen im nächsten Jahr rund 1500 Exemplare des Korando hierzulande verkaufen", sagt Ulrich Mehling, Chef von Ssangyong in Deutschland. Angesichts solcher Stückzahlen fragt man sich unweigerlich, warum sich der Hersteller überhaupt auf den deutschen Markt versteift, denn auch die anderen Modelle des kleinsten koreanischen Herstellers werden hierzulande nur in allenfalls homöopathischen Dosen abgesetzt. Die 1500 Korandos wären "dann etwa die Hälfte unseres gesamten Volumens", sagt Mehling. Weltweit gesehen ist das nun in der vierten Generation aufgelegte SUV immerhin das erfolgreichste Auto von Ssangyong.

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Autogramm Ssangyong Korando: SUV für Pragmatiker

Foto: Ssangyong

Das ist uns aufgefallen: Willkommen im Hier und Heute. Während der letzte Korando nach neun Jahren am Markt zuletzt ziemlich antiquiert und verstaubt wirkte, sind die Koreaner mit dem neuen Modell wieder auf der Höhe der Zeit. Wie es sich für ein Auto aus der Heimat von Samsung und Co. gehört, blickt der Fahrer jetzt auf digitale Instrumente, hat neben dem Lenkrad einen solide integrierten Touchscreen und kann auch das Smartphone vollständig mit der Bordelektronik koppeln.

Außerdem hat Ssangyong bei den Assistenzsystemen kräftig aufgerüstet. So wie man es bislang nur von den weitaus größeren und erfolgreicheren koreanischen Marken Hyundai und Kia kennt, bietet der Korando - natürlich zum Teil gegen Aufpreis - alles, was die Zulieferer für Komfort und Sicherheit in den Regalen haben. Es gibt LED-Scheinwerfer und klimatisierte Sitze, es gibt Assistenten, die Auffahrunfälle ebenso vermeiden sollen wie Karambolagen beim Ausparken oder "Dooring"-Unfälle durch unachtsam geöffnete Türen. Und erstmals in einem Ssangyong kann der Fahrer zumindest kurzfristig die Hände in den Schoß legen und Spurführung sowie Tempo und Abstand von der Sensorik des Autos regeln lassen.

Nicht nur die Programmierer waren fleißig, auch die Karosseriebauer haben kräftig zugelangt beim Generationswechsel. Der Korando ist sechs Zentimeter flacher geworden, hat jedoch in Länge und Breite um jeweils vier und im Radstand um zwei Zentimeter zugelegt. Folge: Es gibt jetzt ein bisschen mehr Platz auf allen Sitzen. Vorn merkt man das vor allem um die Schultern. Außerdem verfügt der Kofferraum über mehr Volumen. Ein Plus von 65 Litern, da lässt sich eine Reisetasche mehr einpacken. Die Heckklappe öffnet automatisch, und zwar ohne alberne Schwenks mit dem Fuß, sondern immer dann, wenn der Fahrer länger als drei Sekunden hinter dem Auto steht. Weniger praktisch ist die vergleichsweise hohe Ladekante.

Während der Korando mit all den elektronischen Gadgets durchaus Eindruck schindet, bleibt er beim Fahren eher farblos. Das Fahrwerk ist gutmütig, aber nicht unbedingt zielstrebig ausgelegt, die Lenkung wirkt etwas unpräzise und das Automatikgetriebe höchstens pflichtbewusst. So fährt das kompakte SUV der Konkurrenz mit einem 136 PS starken Diesel deutlich hinterher. Zwar entwickelt der 1,6 Liter große Vierzylinder immerhin 320 Nm Drehmoment und tritt entsprechend kräftig an, doch bei Überlandgeschwindigkeit wird das Beschleunigen zäh. Wer einfach nur von A nach B kommen will, ist damit sicher zufrieden. Außerdem hilft eine gemächliche Gangart bei der Annäherung an den Normverbrauch von 5,5 Litern.

Das muss man wissen: Der Korando mit dem hier getesteten Dieselaggregat kommt in diesen Tagen in den Handel und kostet mindestens 25.990 Euro. Im November reicht Ssangyong als zweiten Motor einen 1,6-Liter-Benziner nach. Das Auto kostet damit 3000 Euro weniger, verspricht jedoch mit 163 PS Leistung etwas mehr Fahrspaß. Beide Motoren werden für 2000 Euro Aufpreis auch mit Allradantrieb und in jeder Konfiguration für weitere 2200 Euro auch mit einem sechsstufigen Automatikgetriebe angeboten. Alternative Antriebe sind nach aktuellem Stand nicht geplant. Doch Ende nächsten Jahres soll das erste Elektroauto von Ssangyong debütieren. Das E-Modell werde die Technik des Korando nutzen und bis zu 400 Kilometer Reichweite erzielen, kündigt Ssangyong-Manager Mehling an.

Das werden wir nicht vergessen: Die Kakofonie aus Gebimmel, Gefiepe und Gepiepe, mit der im Korando vor allerlei vermeintlichen Gefahren gewarnt wird. Da hilft auch nicht, dass der Fahrer den Klang mancher Hinweistöne individuell konfigurieren kann wie den Handyklingelton. Die vielen Assistenzsysteme sind schlicht viel zu feinfühlig eingestellt, sodass beinahe ständig irgendein Sensor Alarm schlägt. Was gut gemeint ist, kippt dann ins Gegenteil: Denn um endlich in Ruhe reisen zu können, schaltet man viele Systeme kurzerhand stumm - oder gleich ganz aus.

Hersteller:Ssangyong
Typ:Korando (2019)
Karosserie:SUV
Motor:Vierzylinder-Diesel
Getriebe:Sechsgang-Automatik
Antrieb:Front
Hubraum:1.597 ccm
Leistung PS:136 PS
Leistung kW:100 kW
Drehmoment:320 Nm
Höchstgeschw.:181 km/h
Verbrauch (ECE):5,5 Liter
CO2-Ausstoß:144 g/km
Kofferraum:551 Liter
umgebaut:1.248 Liter
Gewicht:1.610 kg
Maße:4450 / 1870 / 1620
Preis:28.190 €
Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Ssangyong unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.
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