Ssangyong Korando Indischer Elefant zum Schnäppchenpreis

Modelle des koreanischen Herstellers Ssangyong sind in Deutschland echte Exoten - nicht zuletzt, weil sie alles andere als ansehnlich waren. Mit dem neuen SUV Korando soll sich das ändern. Der Wagen ist solide, verzichtet auf überflüssigen Schnickschnack und ist ein idealer Gebrauchsgegenstand.

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Gerade mal 6044 Fahrzeuge aus dem Hause Ssangyong waren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes am 1. Januar 2011 in Deutschland zugelassen. Kein Wunder, dass man diese Autos nur sehr selten auf den Straßen sieht. Am ehesten tauchen sie in ganz speziellen Listen auf - allerdings sind die alles andere als schmeichelhaft. Regelmäßig schaffen es die zum Teil grotesk gestalteten SUV der Marke, wie etwa der Rodius und Actyon, auf die vordersten Plätze in Rankings der hässlichsten Autos der Welt.

Mit dem neuen in und für Europa entwickelten Korando wollen die Koreaner, die mittlerweile zum indischen Mahindra-Konzern gehören, ihr Image aufpolieren. Das könnte funktionieren, denn das 4,41 Meter lange SUV sieht wesentlich schicker aus als die bisherigen Modelle. Um dem Geschmack hierzulande besser zu treffen, hat Ssangyong das legendäre Büro Italdesign von Giorgetto Giugiaro mit der Gestaltung beauftragt. Herausgekommen ist ein Auto, das zwar recht wuchtig aussieht, aber dennoch recht harmonisch wirkt. Und auch die Serienausstattung geht in Ordnung. Ab Werk sind zum Beispiel ein höhenverstellbarer Fahrersitz, Außenspiegel mit Einstiegsbeleuchtung und ein Radio mit USB-Anschluss und Bluetooth-Schnittstelle an Bord.

Ssangyong selbst bezeichnet das Modell als Classy Utility Vehicle. Auch wenn das Karosserie-Design stimmig ist, besonders hochwertig wirken vor allem die Materialien im Innenraum nicht. Die Kunststoffe sehen billig aus und fühlen sich recht klapprig an. Außerdem sind die Oberflächen etwa von Instrumententräger und Handschuhfachdeckel nicht einheitlich und passen nicht wirklich zueinander.

SUV zum akzeptablen Preis

Wer das Ambiente in einem Lexus, BMW oder Audi gewohnt ist, dürfte darüber die Nase rümpfen. Trotzdem ist der Korando ein interessantes Fahrzeug. Vor allem für Leute, die nicht bereit sind, den Aufschlag für die klangvollen Marken zu zahlen. Wer einen in Bezug auf die Abmessungen vergleichbaren Audi Q3 fahren möchte, muss mindestens knapp 30.000 Euro bezahlen. Die Preisliste des Korando beginnt bereits bei 22.990 Euro.

Nimmt man auf dem Fahrersitz Platz, findet man sich schnell zurecht. Die Bedienung des Autos bereitet keine Probleme, das Gestühl macht einen guten Eindruck, allerdings ist der Seitenhalt nicht optimal. Wie nicht anders zu erwarten in einem Auto dieser Größe, gibt es sowohl vorn als auch im Fond genügend Platz, und der Kofferraum fasst zwischen 486 und 1312 Liter. Damit steht der Koreaner auch nicht schlechter da als der Audi Q3.

Für Vortrieb sorgt ein 2,0-Liter-Dieselmotor mit einem Turbolader mit elektrisch verstellbarer Schaufelgeometrie. Das Aggregat entwickelt eine Leistung von 175 PS und ein Drehmoment von 360 Nm. Die Kunden haben die Wahl zwischen Front- und Allradantrieb; diese Variante kostet mindestens 26.490 Euro. Bislang gibt es den Korando nur mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe. Eine Automatik-Version soll im dritten Quartal folgen, für die man einen Aufpreis von 1500 Euro kalkulieren muss.

Soweit die Theorie - nun zur Praxis. Startet man den Motor, ist es im Innenraum recht laut und man hört sofort, dass man mit einem Diesel unterwegs ist. Die manuelle Sortierung der Gänge ist etwas hackelig und nach dem Start fragt man sich, wo denn die 175 PS und 360 Nm sind. Denn das Auto beschleunigt recht träge. Zwar geht es im kurz übersetzten ersten Gang noch flott voran, aber in den höheren Gängen wird es zäh.

Ruppig und durstig

Der Hersteller gibt für den Standardsprint von 0 auf 100 km/h 10 Sekunden, beziehungsweise 10,8 Sekunden mit dem Automatikgetriebe an. Schluss ist bei 179 (Schalter) beziehungsweise 186 km/h (Automat) - für eine entspannte Fahrt in den Urlaub ist das aber absolut ausreichend. Der Grund für diese doch recht unspektakulären Werte dürfte vor allem das Gewicht des Autos sein. Denn je nach Getriebe wiegt der Korando fast 1700 Kilogramm.

Daraus resultiert auch ein recht hoher Verbrauch. Zwar liegt der auf dem Prüfstand bei 6,4 Liter (7,5 Liter mit Automatikgetriebe), doch selbst bei zurückhaltender Fahrweise dürften es im Alltag deutlich mehr sein - das ist der Preis für ein Auto dieses Formats.

Auf der anderen Seite schafft die Masse Ruhe und sorgt damit für eine gewisse Langstreckentauglichkeit. Allerdings könnte das Fahrwerk etwas komfortabler abgestimmt sein. Wer gelegentlich mal auf unbefestigten Straßen unterwegs ist, dürfte dank des Allradantriebs auch keine größeren Probleme haben.

Wer auf ein praktisches Auto Wert legt und auf edles Leder verzichten kann, ist mit dem Korando gut bedient. Als Bonbon gewährt Ssangyong sogar eine Garantie von fünf Jahren bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern. Und sollte doch mal was kaputt gehen, versprechen die Koreaner eine schnelle Lieferung des Ersatzteils aus dem Zentrallager in Rotterdam.



insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
fx33 27.05.2011
1.
Noch ein Auto, das die Welt nicht braucht.
SasX 27.05.2011
2. -
Zitat von fx33Noch ein Auto, das die Welt nicht braucht.
Sehe ich ebenso. Solange man diese SUVs mit einem Luftwiderstand knapp unter einer Schrankwand fahren kann, ist der Benzinpreis noch nicht tragisch.
moby17 27.05.2011
3. Alles andere als ansehlich
Genau. Die Ssangyong Designer haben ja früher einen BMW SUV kopiert. Komischerweise hat sich noch kein Spiegelschreiber getraut zu behaupten, dass BMW unansehliche Autos baut. Ssangyong ist wohl kein Anzeigenkunde.
rennflosse 27.05.2011
4. Selbstverständlich
Selbstverständlich braucht die Welt auch geländegängige Fahrzeuge. Der Bedarf ist vorhanden, sonst würden die Hersteller solche Autos ja nicht anbieten. Kurios ist nur, dass in den letzten Jahren vielfach solche Fahrzeuge für den Einsatz in Großstädten gekauft werden, wo es erwiesenermaßen keinen Vierradantrieb braucht. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig. Hohen Luftwiderstand haben Vans vom Schlage eines VW Caddy oder Touran übrigens auch. Der Durst eines dieselgetriebenen SUV unterscheidet sich im übrigen kaum noch von einer gleichartig motorisierten Limousine. Also alles Vorurteile. Ssangyong ist allerdings seit Jahrzehnten bekannt dafür, beim Design einen bsonders linkische ungeschickte Hand zu haben. Das lässt sich mit BMW nicht vergleichen. Der Korando wirkt allerdings nicht wie eine Eigenkreation, sondern scheint irgendwo abgezeichnet zu sein. Ein Auto für mich wäre es freilich nicht. Wenn schon ein indisches Auto, dann einen Ambassador. Mit dem hätte ich auf allen Oldtimerfesten freien Zutritt als Teilnehmer.
axelkli 27.05.2011
5. komisch
ich verstehe nicht, warum die Ssangyonger nicht einen einfachen, sparsamen Wagen mit der nötigen Sicherheitsausstattung, aber sonst ohne unnötigen Schnickschnack wie Xenon, Spurwechselwarner und aktivem Fahrwerk in der Golf-klasse um 10-12TEUR anbieten. Gefällig gestaltet und ordentlich zusammengebaut. Der würde einschlagen wie ne Bombe. Gibt es sonst noch nicht.
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