Autogramm Ssangyong Korando Ankommen statt angeben

Die SUVs der Marke Ssangyong waren bislang eher was für experimentierfreudige Individualisten. Jetzt will der südkoreanische Geländewagenhersteller mit Modellen wie dem überarbeiteten Korando raus aus der totalen Nische.

Ssangyong

Der erste Eindruck: Mit dem neuen, stark geschwungenen Kühlergrill und den groben LED-Punkten unter den Scheinwerfern sieht der Korando aus wie ein Panzerknacker, der unschuldig zu grinsen versucht.

Das sagt der Hersteller: Geht es nach Choi Johng-sik, fährt Ssangyong nicht mehr lange unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. "Wir sind so etwas wie die koreanische Ausgabe von Land Rover", sagt Chairman Choi selbstbewusst. Bislang hat die Firma mit dem Zwillingsdrachen im Logo hierzulande aber allenfalls durch skurrile Modelle wie Rodius oder Actyon Bekanntheit erlangt.

Vom Erfolg des britischen Offroad-Urgesteins ist Ssangyong also noch etwas entfernt, aber immerhin gibt es zwei andere Parallelen: Ssangyong baut ebenfalls nur SUV (das Boom-Segment) und wie die britische Marke gehört auch Ssangyong einem indischen Unternehmen, dem Autohersteller Mahindra. Der Konzern ermöglicht Ssangyong eine groß angelegte Produktoffensive, die im Herbst mit dem neuen Flaggschiff Rexton beginnen wird. Choi: "Wir zeigen nun jedes Jahr ein komplett neues Auto." So soll der Absatz von aktuell 160.000 Fahrzeugen pro Jahr bis 2020 auf 250.000 Autos steigen.

Ssangyong

Das werde man auch in Europa spüren, sagt Herman Claes, der für die belgische Alcopa-Gruppe den Vertrieb in Deutschland, Polen, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und in der Schweiz organisiert. Er beziffert den gesamten Ssangyong-Absatz in Europa im vergangenen Jahr mit knapp 20.000 Zulassungen und sieht die Marke nach der Modelloffensive in fünf Jahren bei bis zu 50.000 Verkäufen. Dabei weist Claes Deutschland als wichtigstem Exportmarkt eine besondere Rolle zu. Deshalb gibt es hierzulande auch das größte Händlernetz: Aktuell sind es 218 Betriebe, zum Jahresende sollen es 230 sein. Mittelfristig solle Ssangyong in jedem Landkreis einen Stützpunkt haben, sagt Claes, er plant mit 350 Partnern.

Das ist uns aufgefallen: Es ist zwar nur ein Facelift, und das ist nicht einmal sonderlich umfassend, doch das Ringen um Anerkennung merkt man auch dem aktualisierten Korando an. Nicht so sehr wegen ein paar äußerlicher Retuschen, sondern vielmehr, weil im Innenraum die Wertigkeit gesteigert wurde. Das neue Multifunktionslenkrad fühlt sich richtig gut an und die sechs Wahlmöglichkeiten für die Cockpitbeleuchtung von Himmelblau bis Feuerrot sind zumindest eine nette Spielerei. Selbst wenn die Zierkonsolen nicht von Klavierlack überzogen sind und die silbrigen Streifen kein echter Chromschmuck, gelangt doch ein bisschen Noblesse ins Auto, die trotz aller Künstlichkeit besser ist als die Kunststoffwüste von einst.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Ssangyong Korando - mit unserem 360-Grad-Foto:

Dass sich Ssangyong nicht allzu sehr verkünstelt hat, kann man auch positiv bewerten: Statt sich auf einen aussichtslosen Wettstreit mit Mode-Modellen wie dem Opel Mokka X oder dem Mini Countryman einzulassen, verteidigt der Korando weiter seine Stellung als unprätentiöser Praktiker und geriert sich als einer der letzten Geländewagen ohne Gedöns. Er bietet mehr Platz als Pep, die Motoren sind zum Ankommen gemacht und nicht zum Angeben, und im riesigen Kofferraum steht Praxistauglichkeit über Premium-Ambitionen.

Ja, die Sitze sind nicht ganz so vornehm gepolstert, aber dafür kann man die Rücklehne - wie sonst nur bei viel teureren Modellen - in unterschiedlichen Neigungen arretieren. Und auch wenn die Raumteiler im Souterrain des Gepäckabteils billig und fragil aussehen, sie funktionieren tadellos. Außerdem kann man zum Beispiel die Laderaumabdeckung so unter dem Kofferraumboden verstauen, dass sie tatsächlich aufgeräumt und zugleich gegen Herumrutschen fixiert ist - ein Detail, das BMW beim neuen X3 gerade als Innovation feiert.

Das muss man wissen. Der aufgefrischte Korando kommt in diesen Tagen in den Handel und kostet wie bisher mindestens 19.990 Euro. Neben den Preisen bleiben auch die Motorisierungen gleich, die wahlweise mit Front- oder Allradantrieb, Schalt- oder Automatikgetriebe bestellt werden können. Zur Wahl stehen ein kaum mehr gefragter Diesel mit 2,2 Litern Hubraum und 178 PS sowie ein Benziner, der aus zwei Litern Hubraum 149 PS schöpft. Kräftig sind beide Motoren, kernig allerdings auch.

Das werden wir nicht vergessen: Das Cockpit wirkt trotz der individuellen Farbanpassung immer noch ein bisschen blass und die neuen Dekoreinlagen ziemlich künstlich - ja, Ssangyong hat noch einen weiten Weg. Doch zumindest bei einem Detail ist der Wagen weit voraus: beim Zündschüssel. Der liegt so schwer in der Hand, als wäre er aus dem Vollen gefräst, und lässt damit die Pendants von VW oder Opel billig wirken. Ein Schlüsselerlebnis mit dem neuen Korando ist damit schon mal garantiert.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ssangyong
Typ: Korando (2017)
Karosserie: Geländewagen
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.157 ccm
Leistung: 178 PS (131 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Höchstgeschw.: 185 km/h
Verbrauch (ECE): 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 179 g/km
Kofferraum: 486 Liter
umgebaut: 1.312 Liter
Gewicht: 1.825 kg
Maße: 4410 / 1830 / 1675
Preis: 30.990 EUR
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insgesamt 26 Beiträge
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bronck 07.07.2017
1. Von sich selbst abgeschrieben
Den Spruch mit dem Schlüsselerlebnis haben Sie schon mal beim Test des XLV gebracht. Da hat wohl jemand bei sich selbst geklaut.
Dogbert 07.07.2017
2. Langsamer Fortschritt
Waren sie SSanyong Modelle optisch bisher der Anlass üblen Spotts sieht der hier, wenigstens von vorne, nicht mehr aus als hätte man das Design von Kindergartenkindern entwickeln lassen. Das Heck hat diese Verbesserung noch vor sich. Aber, abgesehen davon das kein Mensch einen SUV braucht, für den Preis könnte sich manch einer für den Koreaner begeistern.
kloppskalli 07.07.2017
3. 20 tausend
sind fuer so einen Wagen eigentlich immer noch zu viel - fuer die Kohle moechte ich nicht in so einem Auto vorfahren. Dann lieber nen jungen gebrauchten einer anderen Marke.
fatherted98 07.07.2017
4. Leider...
...viel zu teuer...und das mit den Verbrauchswerten ist ja wohl auch nur Wunschdenken.
DerBlicker 07.07.2017
5. schon der Normverbrauch ist sehr hoch
Zitat von fatherted98...viel zu teuer...und das mit den Verbrauchswerten ist ja wohl auch nur Wunschdenken.
Der Realverbrauch wird noch deutlich höher sein, dafür ist das Auto mit 185 Spitze bei 178 PS ausgesprochen langsam, aber das passt ja zusammen, wenn das Auto bei 185 schon seine vollen 185 PS braucht, wird es auch bei Tempo 130 schon sehr viel Leistung brauchen und ist entsprechend durstig. Europäische Mitbewerber kommen mit 2 Liter weniger Diesel aus.
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